Büchriges

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Unzufrieden im Café Diglas gesessen. Der Tisch zu nieder (bzw. die Bank zu hoch), so dass ich nicht ordentlich in mein Tagebuch kritzeln konnte. Des Weiteren war mir zu viel Trubel und der Plasma- Fernsehschirm oberhalb der Torten-Virtine gab mir flimmernd den Rest. Wem das eingefallen ist? Zwar erfährt man nun aus erster Hand wie denn so ein Törtchen liebevoll hergestellt wird, aber will ich das wirklich wissen? Nein! Jedenfalls nicht, wenn ich meine Ruhe haben möcht. Das Diglas ist somit gestorben. Noch dazu schnauzte ein Kellner eine ältere Dame aus gutem Hause an, die sich das natürlich nicht gefallen ließ; Wiener Kellner dürfen vielleicht unfreundlich sein, aber respektlos dürfen sie nie sein; ein süffisanter oder ironischer Seitenhieb wird einem erfahrenen Kellner gerne nach- gesehen; O-Ton im Café Schottenring:

„Ich hätt‘ gerne einen Guglhupf.“
„Gugelhupf haben wir nicht. Oder sehen Sie einen?“

Jedenfalls wechselte ich vom Diglas zum Morawa (einer der größeren Buchhandlung Wiens). Suchte mir einen Stadtplan, fand auch einen und hätte demnach schon gehen können. Aber wer will in den Regen und die Kälte hinaus, wenn es so viel zum Anschauen und Angreifen und Anlesen gibt? Schwupps landete ich in der Comic-Abteilung, blätterte ein Clever & Smart durch (ach, da werden Jugend- erinnerungen wach!) und bemerkte Persepolis – ein humoristisches, aber authentisches Comic über die Jugendjahre einer Iranerin in ihrer Heimat. Das haut einem die Klischees nur so um die Ohren (Ach? Die Jugend in Iran lacht, trinkt, raucht und hat freizügig Spaß? Freilich nur im Privaten!). Davon sollte es ruhig mehr geben (aber würd ich’s kaufen?).

Mein Weg zur Kassa führte bei den neuen Sachbüchern vorbei. Nanu, dachte ich mir, da liegt ja jenes Buch, das einem großen Nahrungsmittelkonzern ziemlich sauer aufstieß (und dieser rechtliche Schritte einleitete). Katzen würden Mäuse kaufen ist genau jene Aufdecker-Literatur, die das Land und die Welt braucht – deshalb habe ich es gekauft (ich habe keine Haustiere!). Man möchte nicht meinen, wie viel Geld mit Abfällen gemacht werden kann (vorausgesetzt, das Marketing und die Werbepsychologie helfen mit – überhaupt, diese dauernden Wiederholungen der Werbebotschaften sickern in unser Unbewusstes, so aufgeklärt können wir gar nicht sein, dass es nicht Wirkung zeigt; ja der Mensch ist in Wahrheit leicht beeinflussbar – will keiner hören, ist aber so). Hab ich übrigens schon von Rotkäppchen 2069 erzählt? Hab bald keine mehr. First come, first read.

Damit war mein Bücherbudget leidlich ausgereizt (brotlos, you know!), dummerweise fiel mir dieses hübsch aufgemachte Buch in die Hände, in dem es um – trara – Bücher ging. Eine Nacht mit Lolita heißt es. Begegnungen mit Büchern und Menschen heißt der Sub-Titel. Welche der beiden Titel mich neugierig gemacht hat, überlasse ich der Phantasie (ja, mit „Ph“) des Leser, der Leserin. Hinter jedem guten Buch steckt eine gute Geschichte steht auf der Rückseite (U4) zu lesen. Vermutlich gab dieser Satz den Ausschlag, dem Buch eine Chance zu geben und mein Budget zu überziehen.

Übrigens habe ich heute Georg Stefan Trollers Dichter und BohemiensLiterarische Streifzüge durch Paris ausgelesen. Schlapperlot. Was man da alles erfährt, von den Künstlern aus anno dazumal. Beeindruckend. Fast kommt man zum Schluss, dass sie alle wie die Löcher gesoffen haben, immer überschuldet waren, aber gut zu Leben wussten – wechselnde Liebschaften inbegriffen. Bei genauerem Hinsehen, freilich, entdeckt man die Schattenseiten dieses übertourigen Lebensstils. Aber davon will ich jetzt nichts erzählen. Ist ja schon spät. Mein Motor will geschont sein. Sozusagen.

p.s.: Termin A nach hinten verschoben, Termin B zugesagt. Jetzt schauen wir mal, ob’s mir wohl bekommt …

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8 Antworten zu „Büchriges“

  1. Avatar von Laura

    Unfreundlicher Kellner im Café Schottenring? Oh nein, Kunden müssen immer, immer gut bedient werden. Hoffentlich lädst du mich dort nicht ein, wenn ich dich in Wien besuche…

  2. Avatar von Richard K. Breuer

    Mit der Laura gehe ich nur in die ausgesuchtesten und freundlichsten und rauchfreiesten Cafés. Sind in Wien nicht einfach zu finden, aber für die Laura ist mir keine Anstrenung zu viel, gell.

  3. Avatar von bluna
    bluna

    Hm, das Buch „Eine Nacht mit Lolita“ hab ich auch.
    Ich habs gern gelesen, keine Frage. Man wird an vieles erinnert, erfährt vieles neu. Aber mir hat definitiv was gefehlt. Ich mein, der Autor kennt sich hervorragend in seinem Metier aus. Er versteht´s, literaturgeschichtliches und antiquarisches Wissen perfekt zu vereinen. Aber ich bin trotzdem nicht warm geworden mit dem Buch.
    Ich hab mich gefragt, ob es in diesem Buch überhaupt ums lesen geht. Mir war es einfach zuviel anekdotenseliges Geplauder von einem Buchhändler der Hochpreisklasse.
    Mir hat bei dem ganzen Geschreibsel über Erstausgaben usw. die Reflexion des Inhalts der angeführten Bücher gefehlt.
    Die hohen Preise, der Erfolg, die persönliche Verbundenheit mit den Autoren – war mir alles eine Spur zu lässig und das Understatement etwas zu ausgestellt und nötig.

    Naja, dafür ein Zitat von Terry Gilliam von den Monty Pythons aus der “Zeit” :
    “Ich sehe nicht mehr viele Filme oder Fernsehsendungen. Lesen ist das Beste, was man machen kann. Lesen ist ein Weg, seinen Geist beieinander zu halten. Man muss alles erfinden. Beim Lesen muss man die ganze Arbeit selbst erledigen. Das trainiert diese seltsamen Muskeln, von denen niemand weiß, wo sie sitzen: die Phantasie-Muskeln.”

  4. Avatar von LillY
    LillY

    Übers Diglas hast du dich schon einmal aufgebudelt und zwar, wegen dem Plasmaschirm. Wärst du dort gesessen, wo ich damals saß, als ich vor dir da war, es war unser zweites Treffen, dann hättest du keinen Schirm vor dir gehabt. Wenn du endlich damit aufhören würdest, dich selbst zu geißeln.

    Anderes Thema: Wenn du auf diesen Kommentar antworten würdest, was ich nicht weiß, denn ob er aus den Kellergewölben des gmail Spams kommt kann ich nicht sagen, also, wenn du darauf direkt antwortest, wieso bekomm ich da nicht so wie bei blog.de eine Antwort? Muss ich jetzt immer in alten Beiträgen wassern, was du darauf antwortest, falls du überhaupt antwortest, oder der Kommentar überhaupt öffentlich wird. Hat jemand ein philosophisches Zitat für dieses schlimme Schicksal parat?

  5. Avatar von Richard K. Breuer

    @ bluna: na geh, hättest mir ja früher sagen sollen, dass du das Büchl schon g’lesen hast. Ich hab nur das erste Kapitel überflogen, kann also net sagen, ob mir der Rest gefallen wird. Immerhin weiß ich jetzt, dass die Frau von Mister Taupin locker 8.000 Pfund für ein Weihnachtsgeschenk ausgibt. Jetzt weiß ich endlich, wie diese Leute heißen, die Geld wie Heu haben und nicht wissen, wohin damit … soviel Phantasie hab ich bis jetzt nicht gehabt 😉

  6. Avatar von Richard K. Breuer

    @ LillY: wenn du wissen willst, ob es Kommentare gegeben hat, dann müsstest wohl den Kommentar-Feed abonnieren. Dann kriegst aber alle Kommentare frei Haus geliefert. So komfortabel wie bei blog.de ist es natürlich net. Dafür ist die Qualität der Kommentare sprunghaft angestiegen 🙂

  7. Avatar von bluna
    bluna

    An den Dichter: Aber jetzt, woher soll ich denn wissen, dass du dir gerade dieses Buch kaufst ?? Ich kann doch keine Gedanken lesen (glaub ich jedenfalls).

  8. Avatar von Richard K. Breuer

    @ Bluna: bitte das Gedankenlesen zu üben, gell.

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