deux (2): Tagebuchschreiberei

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Zwei Pariser Plätze haben sich schlussendlich hervorgetan, haben mir zugesagt, wo ich mich gerne aufhielt und die ich jedermann und jederfrau ans Herz legen kann – nicht nur zum Schreiben:

LuxembourgDie Gartenanlage samt Palais, der Jardin du Luxembourg, ist Südlich vom Stadtkern zu finden und eine wahre Oase, wenn es um Ruhe und Schattenplätze geht. Überall gibt es Bäume, Bänke und Stühle (!), die einen einladen, zu verweilen oder sein mitgebrachtes Essen zu verzehren, was der Pariser genüsslich tut und dabei die Touristen belächelt, die in der Mittagshitze den Park ablaufen und sich keine Verschnaufpause gönnen. Mitten im Park ist auch ein Buffet, mit Allerlei Snacks und Getränken zu finden. Der Eintritt zum WC, im Untergeschoss, kostet 50 Cent und ist den Preis allemal wert – es hat mich immerhin zwei Mal in allerletzter Not gerettet!

CorrazzaDas Palais Royal befindet sich gegenüber dem Louvre und ist umgeben von Arkaden, in denen viele Lokalitäten und sogar ein Theater untergebracht sind. Das Café Corrazza, das ich einige Male aufsuchte, dürfte schon seit 1787 (auf der Rechnung steht 1782, am Sessel 1787) existieren. Das Palais samt Garten gehörte einst dem Bruder des Königs Ludwig XVI, der es der Öffentlichkeit zugänglich machte – freilich nicht aus Edelmut, sondern aus pekuniären Gründen. Das gesamte Gelände (und damit natürlich auch die vielen Cafés) war für die Polizei Sperrgebiet, da sie ein königliches Anwesen nicht betreten durfte. Kein Wunder also, dass hier gegen den Absolutismus gewettert wurde (warum sollte der Bruder etwas dagegen gehabt haben? Schließlich war es ja nicht sein Thron!) und (unter anderem) Monsieur Desmoulins zum Sturm auf die Bastille (1789) aufgerufen hat. Ach ja, nebenbei bemerkt, kostete der kleine Espresso die Lächerlichkeit von 2,70 Livres, pardon, Euros. Gemessen an der Geschichtsträchtigkeit und der Ruhe dieses Ortes ein koffeeinhältiges Schnäppchen. Nach der Speisekarte hat sich der Dichter aber dann doch nicht zu fragen getraut.

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