Von der Bretagne wieder nach Paris – 4 Stunden im TGV, der alle technischen Stückerln spielt, und 4 Stunden mit einer jungen russischen Reisegruppe. Als einer von ihnen sich mit seinem Mobiltelefon lautstark Gehör verschaffen möchte, kommt eine ältere Französin und fragt ihn auf Französisch, ob er nicht Kopfhörer habe. Als sie bemerkt, dass er nichts versteht, deutet sie auf die Ohren und wiederholt écouteur einige Male. Immerhin hat es gereicht, das mobiltelefonische Gequake abzustellen.
Am Bahnhof von Montparnasse werde ich in ein unglaublich schwüles Paris ausgespuckt. Mit Trolley und Rucksack schleppe ich mich zu einer Telefonzelle und versuche ein günstiges Hotelzimmer für zwei Nächte aufzutreiben. Was aber nicht gelingen will. Also zur Touristen-Information, die ich aber auf Anhieb nicht finde – irre wie verblödet im Untergeschoss des Louvre herum. Endlich schleppe ich mich zum Info-Point, um dort zu hören, dass sie keine Unterkünfte vermitteln – ich müsse zu einer anderen Informationsstelle gehen. Grmpfl!?!
Eine Viertelstunde vor dem Zusperren falle ich in die Info-Stelle, trage meine Bitte vor. Die Dame am Schalter lächelt freundlich und meint, dass es im Moment sehr schwierig sei, mit einer Unterkunft (mehrere Kongresse und die French Open). Schließlich findet sie eine Bleibe im 10me Arrondissement – beim Gare de l’Est um schlappe € 35,- Dusche und Toilette freilich am Gang. Ich nicke. Sie fragt mich verwundert ein zweites Mal.
Es dauert nicht lange, dann steige ich am Gare de l’Est aus, gehe hinauf, zur Rue de Lafayette und muss bemerken, dass das Hotel nicht dort ist, wo es mir gesagt wurde. Nein, ich muss die Straße noch ein ganzes Stück hinaufmarschieren. Schließlich komme ich zum Hotel, checke ein, krieche in den ersten Stock, öffne das Zimmer und falle erschöpft aufs Bett und in ein französisches Wachkoma – aus dem ich bald aufwachte, der stark befahrenen Straße vor meinem Fenster und dem Wärmestau im Zimmer sei Dank.
Nachdem ich das klassische Touristenprogramm absolviert habe (Eifel-Turm und Sacre Coeur haben mir noch gefehlt; im Übrigen bin ich von der Sacre Coeur zu Fuß bis zum Palais Royal marschiert), durfte ich am späteren Abend Lisa treffen – Literatur- wissenschaftlerin aus Wien, die eine Arbeit über Karl Kraus schreibt. Der Treffpunkt ist die Metro-Station St.Paul. Ja, das hat Stil. So stellt man sich einen Treffpunkt in Paris vor. Lisa geht mit mir ins Le Bistrot du Peintre, einem schmalen Gasthaus, deren Einrichtung vermutlich noch aus der Jahrhundertwende (1900) stammt. Formidable. Dort essen wir Käse, trinken Wein dazu und plaudern über die alten Künstler, die einen Paris-Bezug hatten.
Dass ich dann die letzte Metro verpasse, ist den Städtischen Verkehrsbetrieben zu danken, die per Lautsprecherdurchsagen darauf hinweisen, dass es keine Metro mehr für heute gäbe (nein, verstanden hab ich nix, aber den Unmutsäußerungen der am Bahnsteig stehenden Franzosen nach zu urteilen). Ich schau mir am Plan an, wie weit es vom Place de la Bastille bis zu meinem Hotel ist. Ojemine. Überlege ein Taxi zu nehmen, aber die Sparsamkeit (vulgo Geiz) lässt mich ein paar Schritte in Richtung Hotel machen. Am Ende finde ich einen Nachtautobus, muss mit dem Fahrer kurz diskutieren, weil ich zu meinem Ticket keinen Ausweis habe, fahre aber trotzdem bis zum Ostbahnhof.
Gegen 2 Uhr früh falle ich in das besagte französische Wachkoma – und während sich vor meinem Fenster irgendwelcher Raufhandel abspielt – neben den kreischenden Motorrädern – denke ich, dass es jetzt wirklich an der Zeit ist, Paris zu verlassen und mich ins ruhigere, gemütlichere Zürich zu begeben.
Quintessenz: wer Paris besehen und bestaunen will, sollte auf die Adresse seiner Unterkunft achten und rechtzeitig buchen …
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