Montag, 27. August 2007
Dresdner Hauptbahnhof. Mehr als zehn Minuten verspätet. Die Deutsche Bundesbahn steht der Schweizerischen in nichts nach. In beiden Fällen fuhr der Zug (stramm zu sprechen) und das Zügli (Betonung auf i) nicht bis zum Endbahnhof, sondern beförderte die Gäste in der vorletzten Bahnstation aus dem Zug. In Österreich ist’s mir noch nicht passiert. Ist wohl nur eine Frage der Zeit und der Einsparungen.
Ecki, Cartoonist seines Zeichens, holt mich am Bahnhof ab. Der kurzen Haare wegen, fällt er mir sofort auf. Eigentlich wär’s schwierig gewesen, ihn zu übersehen. Noch immer frage ich mich, wie seine mächtigen Arme so fragile Zeichnungen anfertigen. Darum: lass dich vom Äußeren nicht täuschen!
Ecki, gerade mal ein Jahr in Dresden, kommt aus Görlitz, das er mir wärmstens empfiehlt (mittelalterlicher Stadtkern, der dem Schwedenkönig im 30jährigen Krieg den Einlass verwehrte; später hat man dort einen von Napoleons Generälen vom Pferd geschossen; Gerüchte besagen, dass die Franzosen die Kriegskasse im Wald versteckt haben, aber bis dato ist dieser Schatz noch nicht gefunden). Kurz überlege ich, das Sachsen-Böhmen-Ticket zu erstehen (gerade mal 20,- für etwa einen Tag), muss aber bemerken, dass ich ja nach Jena soll. Und Jena liegt nicht mehr in Sachsen, sondern in Thüringen. Da soll mal einer sagen, Reisen bildet nicht.
So werde ich von Ecki in Dresden herumgeführt. Hübsch sieht’s aus, das ehemalige Elbflorenz. Der innere Kern mit der Frauenkirche ist eine gepflasterte Fußgängerzone. Als ich vor vielen Jahren die Stadt besuchte, da war die Frauenkirche eine Ruine auf einem asphaltierten Platz. Immerhin trug ich mich in ein „Gästebuch“ ein und notierte darin sehr weise Zeilen, die ich freilich vergesssen habe.
Am Abend spazieren wir, also Ecki, seine Freundin Dani und ich, hinunter nach Altkötzschenbroda (bitte sächsisch aussprechen!), wo sich eine Ausschank an die andere anreiht. Der ältere dörfliche Charakter erinnert an die Heurigen-Gegenden um Wien, vor allem Stammersdorf und Strebersdorf. Wir trinken guten Wein, essen köstliche Leckerbissen und plaudern über Gott und die Welt, als sie noch DDR hieß und eine Mauer Ost und West trennte. Viel gäb’s zu sagen, viel werd ich noch darüber schreiben. Am Nachhauseweg, der bergauf führt, halte ich einen lehrreichen Vortrag über die französische Revolution. Freilich, der Wein tut seine Wirkung, meine Zunge überschlägt sich förmlich und nur dem Gekeuche (ja, da ging’s ganz schön hinauf) ist es zu verdanken, dass ich keinen Monolog halte. Dani ist hellauf begeistert (vermutlich gehört es zur sächsischen Gastfreundschaft) und kann es gar nicht erwarten, das neue Buch zu lesen.
Nach Mitternacht verabschieden wir uns vor meiner Pension. Dani, sympathisch und attraktiv, herzt mich freundschaftlich. Gerührt falle ich ins Bett. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück („Nehmen Sie sich doch ein Brötchen mit auf die Reise.“, sagt meine Zimmervermieterin und reicht mir das Staniolpapier), holt mich Ecki ab und fährt mich zum Bahnhof. Freundschaftliche Verabschiedung. Und viele kreative Ideen im Gepäck.
Hinterlasse einen Kommentar