Dr. Mathias Käutzel ist ein ganz ein sympathischer Zahnarzt und Kieferchirurg. Immerhin gab es in der hellen und freundlichen Ordination (vollgekleistert mit Kinderzeichnungen) auch was zum Lachen. Und die Ordination residiert in einer großen Villa in der Cottagegasse – in der Nähe muss auch einst Arthur Schnitzler gewohnt haben.
Wer wissen möchte, was bei der Entfernung von Wurzelspitzen geschieht, der fragt besser seinen Arzt. Ich kann nur beschreiben, wie es sich anfühlt. Der Eingriff mit schwerem Gerät und einigen „Betäubungsspritzen“ dauert etwa 20 Minuten. Da dröhnt und wackelt es im Kopf, dass man meint, eine Hilti würde im Kiefer rumoren. Ja, da geht der Bohrer durch den Knochen, so dass zur bösen Wurzelspitze vorgedrungen und diese abgeschnitten werden kann. Natürlich muss das gebohrte Loch ausgeschabt, desinfiziert und die Wunde vernäht werden. Das war’s. Hört sich gar nicht so wild an. Liegt vermutlich daran, dass ich mit Schmerzmittel vollgepumpt bin und meine angeschwollene Backe kühle. Übermorgen soll die Schwellung den Höhepunkt erreichen. Ach du Jammer. Da sollte ich ja am Abend als Künstler eine gute Figur machen. [„Du, wer ist denn der Quasimode in der Ecke?“] Man kann es sich eben nicht aussuchen, wenn einmal die Wurzelspitze zwickt.
Jetzt werd ich einen meiner Charaktere im Buch ähnliche Qualen und Schmerzen bereiten. Das ist einerseits authentisch, andererseits nur gerecht. Wenn der Autor leidet, soll auch der Protagonist leiden. Jawohl. Schließlich und endlich bin ich ja nicht umsonst Schrift- steller geworden.
Wo ist der Apfelbrei?
p.s.: dieser Beitrag soll bitteschön niemanden einladen, seine qualvollen Zahnarzterlebnisse als Kommentar abzulassen, gell. Sonst werden wir ja noch nervöser, vor einem Termin. Wollen wir das?
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