Ein Film von Sofia Coppola (2006)
Der Trailer hat mir etwas anderes versprochen, nämlich die moderne Interpretation eines Historienfilms. Derweil ist seine Machart beinah altbacken und seriös – abgesehen vielleicht von der einen oder anderen Montage. Ich dachte, der ganze Film würde nur mit Pop-Songs angereichert sein. War aber nicht. Nur hin und wieder wurde in die DJ-Kiste gegriffen und (für mich) die falschen Songs ausgesucht. Wie man Moderne mit Historie gelungen verbinden kann, zeigt uns Baz Luhrmann in Moulin Rouge.
Was mir positiv aufgefallen ist: die Geschichte Marie Antoinettes wird akkurat wiedergegeben. Das findet man selten, in einer Hollywood-Produktion (Ridley Scott ist da die wohltuende Ausnahme). Sofia Coppola hatte die Absicht, die Königin von Frankreich zu rehabilitieren – was ihr durchaus gelungen ist (schon alleine der Darstellerin Kirsten Dunst wegen). Dummerweise vergaß sie aber neben all dem vielen Licht auch ein wenig Schatten einzufügen. Schade, eigentlich. So ist das von ihr gezeichnete Bild von Marie Antoinette ein zu einseitiges, beinah hollywoodeskes („ich bin das arme Mädchen aus reichem Haus, das nicht verstanden wird und dem man Unrecht tut“).
Die wenig inspirative Machart des Filmes erinnert mich eher an „Goyas Geist“ des alten Grandseigneur Milos Formans, als an Tom Tykwers „Das Parfum“. Sofia Coppola konzentriert sich zu sehr auf ihre Schauspieler (bei einem Kammerspiel geht das) – der Rest ist für sie nur notwendiges Beiwerk. Vermutlich muss sie aus den Fußstapfen ihres Vaters treten und am Erfolg und Misserfolg reifen, um ihren eigenen Weg gehen zu können.
Der Film endet übrigens im Oktober 1789, als die königliche Familie gezwungen wird, Versailles zu verlassen und nach Paris zu kommen. Ein bisserl mehr geschichtliche Aufklärungsarbeit, im Film, hätte nicht geschadet. So bleiben ein paar Anspielungen in der Luft hängen, die man nur dann versteht, wenn man sich mit der Revolution beschäftigt. Ich hoffe, ich mach’s mit „Tiret“ besser 😉
Hinterlasse einen Kommentar