Ein Film von Mira Nair (2004).
Das Buch aus dem Jahre 1848 – den Text gibt’s bei gutenberg.de – von William Makepeace Thackeray habe ich nicht gelesen. Immerhin hat mich der Film und Audiokommentar der Regisseurin soweit gebracht, manch Stellen des Buches zu überfliegen. Was mir am Buch nicht gefällt ist der allwissende Erzähler, der mit seiner Meinung nicht zurückhält. Diesen gibt es im Film freilich nicht und damit beginnt die große Herausforderung, nämlich die Charakterisierung der Protagonisten mittels Filmsprache.
Die Geschichte der Becky Sharp spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England. Der Einfluss der Kolonien – vor allem Indien – wird einen bildstark vor Augen geführt. Napoleons Waterloo im Jahre 1815 ist ein entscheidender Wendepunkt. Becky Sharp, eine Waise aus der Unterschicht (ihr Vater war Künstlern), kämpft sich die soziale Leiter empor, diniert eines Tages mit dem König, fällt wieder hinab und findet, schlussendlich, zu ihrem bescheidenen Glück.
Erschlossen hat sich das Motiv und der Charakter der Becky Sharp für mich nicht. Erst mit dem Audiokommentar der indischen Regisseurin Mira Nair wurde mir einiges klarer. Vermutlich sollte man das Buch gelesen haben, um all die Zusammenhänge zu erkennen. Ich denke, es ist ein gut gemachtes Sittengemälde. Ob es Thackeray gerecht wird, sollen andere entscheiden.
aus dem Buch zitiert:
Erzähler: „Ach, vanitas vanitatum! Wer von uns ist glücklich auf dieser Welt? Wer von uns hat alles, was er wünscht, oder ist zufrieden, wenn er es hat?“
Mr. Crawley: „Sie ist eine gottlose weltliche Frau, sie verkehrt mit Atheisten und Franzosen.“
Erzähler: „… aber mit Dummheit kommt man bei den Frauen ebenso weit wie mit allen anderen Eigenschaften.“
aus dem Film zitiert:
die reiche Tante: „Es gibt hoffentlich etwas unrühmliches in Ihrer Vergangenheit.“
Becky Sharp: „Nun ja, mein Vater war Künstler.“
die reiche Tante: „Ah, das ist schon besser. Ein hungernder hoffe ich doch.“
Becky Sharp: „Völlig ausgehungert.“
Gastgeber: „Worauf wollen wir trinken?“
die reiche Tante: „Bessers Essen und wärmere Zimmer.“
Beck Sharp: „Mein Vater war ein talentierter Maler, er hatte aber kein Talent zum Leben.“
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