Gestern. Vernissage von Petra Kaindel im „Anton Frank“ in Währing (nasal aristokratisch auszusprechen!). Gut unterhalten. Nette Menschen getroffen. Vom Nikotin eingenebelt. Von der Lautstärke betrommelt. Die neuen Bilder bewundert. Zwei Spritzer getrunken. Um Mitternacht nach Hause, nicht mehr mit den anderen herumgezogen („wo kann man tanzen gehen?“). Trotzdem fühl ich mich ein bisserl schlapp, aber langsam kommen die Lebensgeister zurück. Kaffee?
Mein „Muster“ von Tiret natürlich mitgehabt und freizügig herum- gereicht. Bea, die Wienerin aus Tirol, die Rotkäppchen zu Hause, auf dem Stapel der zu lesenden Bücher liegen hat, gestand kleinlaut, dass sie noch nicht weit gekommen sei, mit dem Buch. „Ich brauche endlich mal Urlaub, zum Lesen!“, lächelte sie, besah sich das „Muster“, las die kurze Zusammenfassung auf der Rückseite, nickte und begann nach ihrer Geldbörse zu kramen. Ich musste sie leider enttäuschen – was ich sonst selten tue. Martina, die sich die Numero 111 sicherte („die Nummer 6 würde mir auch gefallen“), schrieb mir eine nette Widmung ins Buch und fragte mich, ob mein neues Buch wenigstens besser sei, als das letzte.
Hin und wieder mit Pharmazeutin Uli und dem „schweizer Postler“ Günter erfrischend geplaudert. Der freute sich, dass er mit zwei Schriftstellern, also mit dem Pebowski und mir, reden durfte (aha, wer hätte das gedacht?), weil in der Wirtschaft alle „spinnen“. Im Bild sind übrigens die Hände von Uli und Thomas „Graf“ zu M., der wiederum Stammgast im „Anton Frank“ ist. Er gab mir gut gemeinte Ratschläge zur Cover-Gestaltung und mokierte sich über die Einschränkung der Raucherfreiheit. Verwunderlich, dass ich ihn noch immer sehr schätze, was wohl seinem humanistisch geprägten Weltbild zu verdanken ist.
Später mit einer Dame ins Gespräch gekommen, die meinte, keine „historischen Romane“ zu lesen und mir das „Muster“ wieder zurück gab. Ich hab sie dem Kollegen Pebowski „weitergereicht“. Dafür kamen wir später auf die Idee, mehr solcher hübsch eingepackten Notiz-Bücher zu produzieren. Wäre eine Überlegung wert. Man erzählte mir einmal, dass auf der Biennale Trailers von Filmen liefen, die es nie gab. Somit könnte das „leere Buch“ auch zu einer Kunstform erhoben werden, zu mal Titel, Cover und Zusammen- fassung ja stimmig sein müssen. Keine leichte Aufgabe. Aber vermutlich schneller zu bewerkstelligen, als ein ganzes Buch zu schreiben (oder?). Der gute Pebowski pflichtete mir jedenfalls kollegial bei. Ja, vielleicht sollte ich alsbald „Tiret“-Notizbücher auf den Markt werfen.
Kurzzeitig glaubte ich mich in einem falschen Film, als das Abbild eines französischen Existenzialisten der 60er Jahre meinen Weg kreuzte: mittleres Alter, kurze, zum Teil angegraute Haare, Hornbrille, Tweed-Sakko, Rollkragenpullover, junge Freundin und Kettenraucher! Seiner Geliebten kaufte er kurzerhand eine von Petras Aktzeichnungen – dass er die Scheine salopp aus der Hosentasche fischte, passte zum Bild. Simone de Beauvoir konnte ich aber nicht ausmachen.
Petra Kaindel war so freundlich, in mein „Muster“ zu zeichnen (ich schätze, sie wird es heute nicht mehr wissen). Ich höre jedenfalls schon die Kassa klingeln …
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