Olympia 2008 oder Dabei sein vor dem TV ist alles

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Mit den Olympischen Sommerspielen verhält es sich so wie mit einer guten Telenovela: du musst von Beginn an dabei sein, dann entwickelst du eine Beziehung zu den Charakteren/Athleten und eh du dich versiehst, leidest oder lachst du mit ihnen. Wer nur ein Querzapper ist, wer sich nur (aus dem Zusammenhang gerissene) Zusammenfassungen ansieht, wird bloß den Kopf schütteln, ob der vielen und obskuren Disziplinen, deren Regelwerk zumeist nicht durchschaubar sind. Aber was tut’s zur Sache. So lange die TV-Moderation kurzweilig und fachmännisch vorgetragen wird, man sich an dem Siegeswillen (bzw. der Angst vor der eigenen Courage) der Spitzensportler weiden und – wenn es sich günstig ergibt – für sein Heimatland mitfiebern kann, so lange bleibt man gerne am Live-Ball. Freilich, genügend freie Zeit ist von nöten. Ablenkung tut der olympischen Sache nicht gut („Duu, Schatz, könntest du meine Eltern vom Bahnhof abholen?“ – „Das geht jetzt nicht, Liebes. Usain Bolt läuft in einer halben Stunde die 100 Meter.“)

Als ein (eigenbrötlerischer) Arbeitskollege bekannt gab, dass er sich zwei Wochen Urlaub nähme, um sich die Olympischen Spiele in Barcelona 1992 vor dem TV (vulgo „Fernsehkastl“) anzusehen, erntete er nur Hohn und Spott und Unverständnis. Aber welches Ereignis wird heutzutage gleichzeitig von beinah einer Milliarde Menschen gesehen? Dieses LIVE-Erlebnis ist es, dass uns näherrücken lässt. In Schillers Worten: „Seid umschlungen, Millionen. Diesen Kuss der ganzen Welt!“

Auch nicht außer Acht lassen sollte man die Völkerverständigung. Immerhin lernt man Menschen aus Ländern „kennen“, von denen man gar nicht wusste, dass es diese gibt. Und dass diese fremden Menschen gar nicht so fremd (bzw. befremdlich) wirken, wie man zuvor dachte. Oder hätte jemand ernstlich gedacht, dass Kirgistan, Usbekistan, Afghanistan oder Tadschikistan nicht bei den Karl-May-Festspielen, sondern bei der Sommerolympiade eine gute Figur und Medaillen machen? Eben.

P.S.: Die Damen haben auch den Hammer geworfen. Die Russin Aksana Miankova bringt es auf eine Weite von 74,34 Meter und stellt damit einen olympischen Rekord auf. Wenn Sie das jetzt hören und die Athletin nicht gesehen haben, würden Sie vermutlich sofort den Schluss ziehen, dass diese Miankova ein übergewichtiges, schwabbelndes Muskel-Fett-Wodka-Gemisch sein muss, das jedermann aus seinem Bett stoßen/werfen würde. Wenn nötig, mit dem Bulldozer. Tja. Weit gefehlt! Hier gibt’s ein hübsches Bild von Aksana.

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