Barack McCain goes for president

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In wenigen Stunden wird in good old United States Geschichte geschrieben. Glaubt man. Zugegeben, es kann nur besser werden. Jetzt, wo der texanische Cowboy von der politischen Bühne tritt, werden die Journalisten und Filmemacher mutig (warum traute sich vor 6 Jahren niemand?), decken Skandale, Machenschaften und übelste Verstrickungen auf (Dick Cheney, Vice-President, soll laut neuesten Büchern die Fäden gezogen haben: FAZ-Artikel; übrigens habe ich erst jetzt bemerkt, dass der Kerl Richard B. Cheney heißt).

Aber glaubt jemand, dass Barack Obama der neue Messias ist? Mitnichten. Er wird sich den globalen Spielregeln genauso unterwerfen müssen, wie seine Vorgänger. Spielraum? Kaum. Die ganze Chose erinnert frappant an jene, als der junge und dynamische Karl Heinz Grasser aus dem schwarzen Hut gezaubert und zum Finanzminister gemacht wurde (Simsalabim). Was gab es da nicht für Hoffnungsgezeter? Was ist geblieben? Ein „sogenanntes Nulldefizit“ (vulgo: wir verhökern alles, was nicht niet- und nagelfest ist). Als er später wieder in die Privatwirtschaft wechselte,

„wählte er für die Ansiedlung seiner neuen wirtschaftlichen Unternehmung in Sachen Steuerersparnis effektive Kanalinsel Jersey. Wir halten fest: Ein ehemaliger Finanzminister, der in dieser Funktion für das Steueraufkommen seines Staates verantwortlich zeichnete, siedelt sein Unternehmen in einer Steueroase an, um dem Staat, für den er als Finanzminister gedient hat, Steuern vorzuenthalten.“ [Erwin Wagenhofer, Die Presse – Spectrum vom 25.10.2008 – Seite 3]

Ich meine, dass Macht immer schon korrumpiert hat (banal, abgedroschen, aber nun mal nicht von der Hand zu weisen). Die Leader (Führer klingt gefährlich) der demokratischen Länder haben lange Zeit ihre relativ bescheidenen Raubzüge im Dunkeln durchgeführt. Aber mit der Zeit wurden sie frecher, um nun eine Dreistigkeit und Unverfrorenheit an den Tag zu legen, die einem nur staunen lässt. Dass Diktatoren tun und lassen, was sie wollen, über Leichen und Umweltzerstörung gehen, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Aber wie konnte es geschehen, dass sich die Präsidenten/Regierungschef der demokratischen Länder der Gier von Diktatoren annähern?

Kann sich noch jemand an die (anfängliche) Abstimmung im US-Abgeordnetenhaus über das Rettungspaket für den maroden Finanzmarkt erinnern?  Ende September! Das US-Abgeordnetenhaus lehnte das 700-Milliarden-Dollar-Hilfspaket ab. 228 Parlamentarier stimmten dagegen. 205 stimmten zu. Dies löste an den Börsen immense Kursstürze aus. Mit einem Schlag „vernichtete“ diese Ablehnung einen Werteverlust von 1,2 Billionen Dollar (1200 Milliarden Dollar!). Was im Vorfeld prophezeit wurde, trat ein: Panikverkäufe an den Börsen. Nehmen wir an, es finden sich 217 Parlamentarier, die beschließen, das Paket abzulehnen. Dann hätten diese ohne Probleme mit Strohmänner und -frauen leichtens auf fallende Kurse spekulieren können. Im großen Stil! Da wenig später das Rettungspaket dann doch beschlossen wurde (was wohl auch auf der Hand lag), hätte man wiederum auf steigende Kurse setzen können. Ergo: Werteverlust bedeutet, einer verliert, ein anderer gewinnt. An der Börse wird kein Geld verbrannt! Wer in Panik verkaufen möchte, muss zuerst einen Käufer finden. Gibt’s keine Käufer, würde kein Kurs zustande kommen. Aber wie man sieht, finden sich immer welche, die kaufen. Damit will ich natürlich den Abgeordneten nicht unterstellen, dass sie sich bereichert oder davon in irgendeiner Weise profitiert haben. Ich stelle nur in den Raum, wie einfach es gewesen wäre, innerhalb weniger Tage ohne Risiko hunderte Millionen US-Dollar (jeder einzelne!) zu gewinnen. Alles legal. Alles seriös. Und hat nicht schon so manch einer für weniger Geld einen Krieg vom Zaun gebrochen? Eben!

Passend zum heutigen Thema werde ich in Machiavellis „Der Fürst“ hinein lesen. Aus dem Jahre 1513!

„Daher muss ein kluger Fürst dafür sorgen, dass seine Bürger unter allen Umständen und in allen Zeitläuften ihn und den Staat nötig haben: dann werden sie ihm stets treu bleiben.“
[Insel Taschenbuch – 1990]

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Eine Antwort zu „Barack McCain goes for president”.

  1. […] zu Barack Obama und seine Entourage. Als er 2008 zum Präsidenten der USA gewählt wurde, war ich live dabei. Also vor dem TV-Schirm. Ich war in der Tat von der Euphorie hin- und hergerissen, wenn […]

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