Schokolade!

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New York Times Artikel: When Chocolate Is a Way of Life

In Ecuador hat sich eine Familie gedacht, sie verkauft nicht mehr ihre Kakaobohnen an Lieferanten zu 20 Cent das Pfund, sondern stellt ihre eigene Schokolade her. Sie gründeten eine Kooperative (freilich mit geborgtem Geld), lernten das Know How der Erzeugung und verkaufen jetzt die fertige Schokolade um etwa $1.95 das Pfund. Wir können davon ausgehen, dass ihr Produkt qualitativ höherwertiger ist,und besser schmeckt, als all die billige Fabriksschokolade in den Supermärkten. Es scheint demnach in die richtige Richtung zu gehen. Fragt sich nur, für wen? Für die Arbeiter in den Schokoladefabriken ist das natürlich eine Katastrophe. Für die Familien in Ecuador ein Segen. So lange diese klein und überschaubar bleiben, ist es den Managern der Schokounternehmen ziemlich egal. Sollte es aber Beispiel und Schule machen, dann würden sie schon dafür sorgen, dass es nicht zum Äußersten kommt. Wer lässt sich schon gerne ans Bein pissen? Schnell sind Gutachten erstellt, die besagen, dass die fremde Schokolade schlecht für die Gesundheit ist (was ja de facto stimmt. Wer sich jeden Tag zehn Kilo Schoko reinstopft, wird bald bemerken, dass es nicht gerade zum Wohlbefinden des Körpers beiträgt). Es werden Imagekampagnen lanciert („Heimische Schokolade schmeckt immer noch besser“). Die Regierung sorgt für Zölle (Lobby!) und Einfuhrbeschränkungen. Die Unternehmen kaufen die ausländischen Kooperativen auf, ruinieren sie und gehen wenig später zum Tagesgeschäft über. Sollten sich die Kooperativen weigern zu verkaufen, dann werden staatliche Organisationen bzw. aufstrebende Guerilla-Verbände ( = Guerilla-Marketing!) im Ausland mit Geldmittel „gefördert“, die dafür sorgen,  dass den Kooperativen bald die Lust am Produzieren vergeht („wir möchten dem Land zeigen, dass wir es ernst nehmen und es unterstützen“). Die Reihenfolge der Mittel ist nach eigenem Gutdünken und Skrupellosigkeit festzulegen.

Das klingt natürlich fern der Realität (und ist gerade deshalb nahe dran). Aber wie sieht die andere Seite aus? Irgendwo in einer wirtschaftlich gebeutelten Region des Westens steht eine Schokofabrik. Diese Fabrik bietet Menschen in der Region seit vielen Jahrzehnten Arbeit (und damit Sinn). Da die Qualität der hergestellten Schoko nicht mit jenen der Kooperativen mithalten kann (und alle Mitteln erschöpft wurden), muss das Unternehmen die Flagge streichen. Es findet die Manager mit einer Abfindung ab (das Management entscheidet, wie viel sie sich zahlen wollen!) und verhökert, was noch irgendwie von Wert ist (die Abfindungen müssen ja bezahlt werden). Viele Familien schlittern in die Armut, in die Depression. Man wehrt sich. Will nicht wahr haben, dass es keine Möglichkeit gibt, das Unternehmen zu retten. Und ihr Unmut richtet sich auf Kooperativen, die in fremden Ländern Schokolade produzieren und ihnen ihren Arbeitsplatz weggenommen haben. Tja.

Wer hat nun das Recht auf Arbeit? Wer nimmt wem die Arbeit weg?

demeljan

Und wer isst eigentlich die Schokolade?

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