Zugegeben, eigentlich sollte ich die eine oder andere Schachtel mit Zeugs durchsehen. Kabel hier, Stecker dort. Seit Jahren nicht mehr darin gewühlt. Aber immer dieser ominöse „man könnte das Kabel ja mal brauchen“-Gedanke. Aber seien wir ehrlich: ob es das eine oder das andere Zeug ist, so gut wie alles lässt sich ersetzen oder austauschen. Natürlich ist es eine Kostenfrage. Weshalb ich ja zu der folgenden Erkenntnis gekommen bin: Jeder, der mit einem geringen Budget über die Runden kommen muss, der kann es sich eigentlich nicht leisten, funktionierende und brauchbare Sachen wegzugeben. Sollte dann und wann der Fall eintreten, dass gerade dieses Ding benötigt werden würde, müsste es wieder um teures Geld angeschafft werden. Das Dumme ist aber, dass jene, mit geringem Budget im Normalfall nicht gerade auf großem Fuß leben, will heißen: keine geräumige Wohnung, kein geräumiges Haus haben und deshalb beißt sich hier die Katze in den Schwanz. Während jene, die genügend Geldmittel haben, eigentlich den ganzen „vielleicht“-Plunder nicht bräuchten, weil sie sowieso jederzeit ohne Schwierigkeit in die Geldbörse greifen könnten, gerade diese aber leben auf großem Fuß, will heißen, sie haben viel Stauraum zur Verfügung. Paradoxe Zustände anno 2012. Freilich, das war schon immer so, mit der Ausnahme, dass der gewöhnliche Bürger seine Besitztümer penibelst aufzählen konnte. Früher.

Die wichtigsten Gegenstände sind wohl jene, die in keiner Weise mehr reproduziert werden können und unwiederbringlich verloren sind. Persönliche Gegenstände. Wie zum Beispiel Tagebücher und Zeichnungen aus der Kindheit. Ob diese persönlichen Aufzeichnungen einen Mehrwert für die Gesellschaft haben, das wird wohl nur die Zukunft weisen: „Aha. So hat also ein brotloser Dichter zu Anfang des 21. Jahrhunderts gelebt. Ganz schön arg damals. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, diese vielen Freiheiten.“ – Vielleicht werde ich auch noch eine Autobiographie verfassen. Das wäre dann wohl der Punkt am Ende des Satzes. Beim Herumräumen und Wegwerfen und nachdenklichem Kopf kratzen ist mir bewusst geworden, was es mit dem Abenteuertum tatsächlich auf sich hat und wie es um sogenannte „Hollywood“-Momente steht.
Vermutlich haben wir gutbürgerlichen Leutchen ein verqueres Bild von einem Abenteuer. Manch einer findet es ja schon abenteuerlich, seine Tage in einem Abenteuerpark zu verbringen – oder in einem Survival Camp. Ich denke mir, es ist nicht der Mut, der letzten Endes ausschlaggebend sein wird, ein Abenteuer zu meistern, sondern vielmehr Ausdauer. Nur wer einen langen Atem hat, wird den kalten kargen Winter trotzen und (vielleicht) den Frühling und Sommer genießen dürfen. Wer auf halber Strecke schlapp macht, gewinnt nicht mal einen löchrigen Blumentopf. Natürlich gehört Mut dazu, einen Schritt vor zu machen und ins kalte Wasser zu springen. Aber danach heißt es, sich über Wasser zu halten. Lange. Sehr lange. Dazu braucht es aber freilich keinen Mut mehr.
So. Und jetzt gönne ich mir einen Kaffee. Vielleicht schaue ich später hier noch mal vorbei. Da fällt mir ein und auf, dass dieser Blog-Eintrag wohl der letzte sein wird, an diesem Ort, mit der vorbeiziehenden Donau im Blickfeld (wären nicht immer die Vorhänge zugezogen, könnte man sie sehen) und einem übergroßen Schreibtisch (freie Flächen wurden immer vollgeräumt, bedeutet, dass es für den Schreiber dann doch wieder nur ein kleiner Tisch war). Sonst? Kein wehmütiger Gedanke. Nein, der Gedanke gehört jetzt mal dem Kaffee. Und einem frischen Brot. Das sind nämlich die Dinge, die man nirgends horten und stapeln kann: eine Kiste Freiheit & ein Sack Zufriedenheit!
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