„Wollt ihr den totalen Krieg?“ – Die geistige Massentollheit und Stefan Zweigs Erkenntnisse

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Wo fange ich da nur an? Ich schreibe diese Blogbeiträge auch für die kommenden Generationen. Wenn viel Wasser die Donau hinuntergeflossen ist, wenn der Menschenverstand wieder gesundet ist und die Propaganda ihre Wirkung verloren hat, kurz, wenn der gewöhnliche Bürger wieder zu Sinn und Verstand gekommen ist, wie viele Jahre es auch dauern mag, dann wird er nach Antworten dürsten.

Wie konnte es geschehen? Warum haben so viele Menschen mitgemacht? Wozu all das Leid? Wer war dafür verantwortlich?

Nach 1918 und nach 1945 gab es keine Aufarbeitung der vergangenen Geschehnisse. Noch heute läuft man Gefahr, vor Gericht gestellt bzw. seiner Existenzgrundlage beraubt zu werden, wollte man den „Überfall“ der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion Stalins als „Präventivkrieg“ oder den „Einmarsch“ in Polen als „Fortführung der Politik mit anderen Mitteln“ erklären.

Das einzig erlaubte Narrativ des 2. Weltkriegs wurde über Jahrzehnte in die Gehirne nachfolgender Generationen beinahe täglich gehämmert. Auf die Frage, wie das höchststehende Kulturvolk innerhalb weniger Jahre in die Barbarei verfallen konnte, gab und gibt es als Antwort nur den Namen eines Soldaten-Politikers, der die Kunst der Massenhypnose auf eine Weise perfektionierte, wie noch nie jemand zuvor. Die Bevölkerung, so wird hinzugefügt, hätte den totalen Krieg gewollt und am Ende die fürchterlichen Früchte der Saat, die sie säte, geerntet.

Während westliche Journalisten und solche, die sich dafür halten, über Zerstörungen im gegenwärtigen Konflikt im Osten Europas, im Westen Asiens, befinden, blenden sie aus, dass der sogenannte Kollateralschaden schon immer Teil des legitimen Mordens war, den wir Krieg nennen. Als die Barockstadt Dresden 1945 innerhalb weniger Tage in Schutt und Asche gelegt wurde, obwohl die Stadt keinerlei militärische Relevanz hatte, wussten die Militärstrategen, dass man dieses Inferno dem amerikanischen Bürger nicht zumuten konnte und kehrte es für lange Jahre unter den Teppich. Der amerikanische Autor Kurt Vonnegut, der seinerzeit als Kriegsgefangener die Bombardierung miterleben musste, war schockiert, als er, zurück in den USA, bemerkte, dass die Amerikaner zu Hause nichts darüber wussten.

Während die westlichen Presseleute darüber lamentieren, dass der Feind nun die Möglichkeit hat, ganzen Städten Strom und Wasser willentlich vorzuenthalten, applaudierten diese Leute seinerzeit der „zielgenauen“ Bombardierung wichtiger Infrastruktureinrichtungen im Irak. Wiederum Jahre davor akzeptierte man die „Ausschaltung“ des serbischen Rundfunks mittels eines Luftschlags.

Die Beispiele der Heuchelei, die man als orwellsches Doppeldenk erklären kann, sind so zahlreich und so entlarvend, dass sich die politische Elite nur noch damit zu helfen weiß, jede Kritik, jedes Infragestellen der „gerechten Sache“ unter Strafe zu stellen. Schließlich geht es um die „Erneuerung der Welt“.

Konflikte werden geschürt, Kriege geführt, Nöte erzwungen, um eine „Welt von Morgen“ aus den Trümmern der gegenwärtigen aufzurichten. So ist es heute. So war es gestern.

Stefan Zweig schildert in seiner Autobiographie Die Welt von Gestern eindrücklich die „geistige Massentollheit“ bei Kriegsausbruch 1914. Jahre später, nach dem Diktat von Versailles, musste jeder erkennen, was diese erste industrielle Schlächterei den Völkern gebracht hat – mit Ausnahme der elitären Profiteure, die die gesellschaftliche Depression als „Goldene Zwanziger“ erlebten:

„Verelendung statt Bereicherung, Verbitterung statt Befriedigung, Hungersnot, Geldentwertung, Revolten, Verlust der bürgerlichen Freiheit, Versklavung an den Staat, eine nervenzerstörende Unsicherheit, das Mißtrauen aller gegen alle“.

Ist es wirklich so verwunderlich, wenn sich eine geschundene und gedemütigte Bevölkerung nach Recht und Ordnung und ein bisschen Hoffnung sehnt?

Wie leicht kann man diese Sehnsucht für politische Zwecke und niederträchtige Motive instrumentalisieren.

Wenn einmal alles in Trümmer liegt – sei es geistig-spiritueller, sei es materieller Natur -, braucht es gezwungenermaßen einen Neuanfang.

Willkommen im Zeitalter von The Great Reset.


Doug Macgregor, ein pensionierte amerikanische Colonel erklärt in einem empfehlenswerten Gespräch die militärische Realpolitik des gegenwärtigen Konflikts.

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