Ein kalter Frühlingsbeginn #Ukraine #Orwell

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Die letzten Tage habe ich mir Oliver Stones Interviews mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angesehen, die er zwischen 2015 und 2017 gegeben hatte. Irgendwo in den Weiten der Internetprärie bin ich auf diese 4-teilige TV-Serie gestoßen. Sehr zu empfehlen, wenn man sich einmal mit der anderen Seite der Medaille auseinandersetzen möchte. Im Westen hat man längst Moskaufreundliche Medienkanäle ausgesperrt und damit den seit vielen Jahren bestehenden Informationskrieg zwischen Ost und West eskaliert. Willkommen im Kalten Krieg 2.0.

Die gegenwärtige politische Situation zeigt ein weiteres Mal, dass es mit dem Demokratieverständnis im Westen nicht weit her ist. Bereits die inszenierte Pandemie reichte aus, um Bürgerrechte einzuschränken, Meinungsäußerungen zu verbieten und Verfassungen auszuhebeln. Der Ukraine-Konflikt führt diese herrschaftliche Machtausweitung weiter. Diesmal ist das vorgebrachte Argument nicht eine „todbringende Infektionskrankheit“, sondern ein „psychopathischer Präsident aus Russland“.

Objektivität in den Medien gibt es längst nicht mehr. In den Redaktionsstuben weiß ein jeder, was er zu schreiben und zu sagen hat. Niemand beißt die „transatlantische“ Hand, die ihn füttert.

Die westliche Presse überbietet sich gegenwärtig in einer wild um sich schlagenden Propaganda und vergisst dabei das Warum. Welche Forderungen stellt Moskau? Bitte sehr:

  • Ukraine bleibt neutral – analog Österreich oder Schweden. Kein NATO-Beitritt. Keine Waffensysteme, die eine Gefährdung für Russland darstellen.
  • Die ukrainischen Provinzen im Osten, die Mehrheit stellt eine russische Bevölkerung, werden von Kiew als unabhängig anerkannt.
  • Kiews Verzicht auf die Halbinsel Krim, die sich durch einen Volksentscheid Russland angeschlossen hatte; auch hier hat die russische Bevölkerung eine klare Mehrheit. Das Vorgehen ist mit der Loslösung des Kosovo von Serbien zu vergleichen oder mit der Abstimmung in Kärnten 1920 („Selbstbestimmungsrecht der Völker“).

Wie Sie sehen, trifft in diesem Fall die Maxime von Clausewitz „Krieg ist die Fortführung der Politik mit anderen Mittel“ genau ins Schwarze. Von einer Besetzung oder gar Einverleibung der Ukraine ins „russische Reich“ kann keine Rede sein. Deshalb macht es auch keinen Sinn, wenn die Führung in Kiew eine 49-jährige Mutter ins Rampenlicht stellt, die sich freiwillig meldete, um für „ihr Land und ihre Kinder“ zu kämpfen. Tatsächlich kämpft sie für eine kaltblütige Elite in Washington.

Durch diese Propaganda-Kampagnen wird die Zahl der verwundeten und getöteten Ukrainer nur ansteigen. Zu glauben, man könne in Zeiten wie diesen, russisches Militär in einem Mehrfrontenkonflikt „aufhalten“, ist geradezu lächerlich. Moskau hat nicht die Absicht, das Land zu überrollen und zu verwüsten – vielmehr will man unnötigen Blutverlust vermeiden. Im Gegensatz zu Washington, das mit einer „shock and awe“ genannten Strategie flächendeckend Infrastruktur- und Kommunikationseinrichtungen des Gegners in Schutt und Asche legt – und Kollateralschäden unter der Zivilbevölkerung achselzuckend in Kauf nimmt.

Je näher es dem Ende des Konflikts zugeht, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit einer false flag, einer verdeckten Operation, die darauf abzielt, ein selbst begangenes Unrecht dem Feind in die Schuhe zu schieben. Schon jetzt heißt es, dass die russische Militärführung „Chemiewaffen“ einsetzen könnte. In Syrien wurden immer wieder solche „Chemieangriffe“ (stümperhaft) von der Gegenseite in Szene gesetzt. Dank gutgläubiger Medienleute wurden die Behauptungen trotzdem für bare Münze gehalten und mit viel Emotion auf die Titelseiten geklatscht. Die dadurch ausgelöste Entrüstung in der westlichen Bevölkerung wurde wiederum von Washington zum Anlass genommen, weitreichendere Sanktionen bzw. militärische Gegenschläge zu lancieren.

De facto ist die militärische Operation von russischer Seite beendet. Kiews Ziel ist es, auf Zeit zu spielen und die Welt gegen Moskau aufzubringen. Tatsächlich will das korrupte Regime – seinerzeit eingesetzt von Washington – so viel Schaden wie nur möglich auf beiden Seiten anrichten. Ein widerwärtiges und perfides Vorgehen einer politischen Führung, die das eigene Volk als Bauernopfer betrachtet, um das große Ziel Washingtons – die völlige Isolation Russlands* – zu erreichen.

Somit ist ein jeder, der sich für die „Freiheit“ der Ukraine einsetzt, mitverantwortlich für ihre Zerstörung. Der Dialog sollte gefordert, nicht Waffen geliefert werden. Aber die leichtgläubige Bevölkerung beklatscht gerade die orwellsche Maxime „Krieg ist Frieden“.

Ja, „Unwissenheit ist Stärke“.

*) Ein wirtschaftlich und gesellschaftlich angeschlagenes Russland stellt für China einen Unruheherd in Asien dar und würde somit Pekings Ambitionen bremsen. Europa wiederum würde sich von Russland und China distanzieren. Sehr zur Freude Washingtons.

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