Die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen Paris von 1916 und Kiew von 2023 #Ukraine #Geschichte #Medien

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Es ist schon seltsam, wie sich die Historie oftmals anschickt, in die Gegenwart zu schleichen. Wenige, denen es auffällt, ist das Mediengetöse so intensiv laut, dass man jeden ernsthaften Gedanken sofort wieder vergisst. Ich habe ein weiteres Mal in das Buch „Verdun“ des US-Militärhistorikers John Mosier geblättert, das sich sehr detailliert mit den Angriffsoperationen rund um die französischen Verteidigungsstellungen von Verdun zwischen 1914 und 1918 auseinandersetzt.

One could develop a complete theory about modern France under the heading: failure seen as success.

Jean Dutourd (Schriftsteller und Mitglied der Académie française) in seinem 1956 erschienen Buch ‚Les Taxis de la Marne‘.

Bereits vor über 100 Jahren haben es Generäle, Politiker und Medienleute in London genauso wie in Paris verstanden, dass sie der Welt etwas vorlügen mussten, wollten sie diesen großen Krieg gewinnen. Während die Deutschen – Monarchie hin oder her – die Wahrheit gehörig ausschlachteten, blieben sie immer am Boden der Tatsachen. Eigene Verluste wurden verlautbart und im Parlament von den Fraktionen diskutiert. Im Gegensatz dazu ließ sich das französische Hauptquartier niemals in die Karten blicken und verlautbarte Ereignisse und Zahlen, die völlig aus der Luft gegriffen waren. Diese verlautbarten Daten, die tatsächlich keine waren, griffen die willfährigen britischen und französischen Medien auf und posaunten sie mit Lobeshymnen für die eigene Seite bzw. ekelerregenden Anschuldigungen gegenüber der Gegenseite hinaus. Die Regierungen in Paris und London saßen praktisch bis zum Schluss im Dunkel und konnten sich niemals sicher sein, ob sie vom Hauptquartier – wenn überhaupt – akkurate Informationen erhielten: So wurden verlorene Schlachten in Siege verwandelt, die eigenen erlittenen enormen Verluste an Mensch und Material dem Gegner angedichtet und immer wieder betont, dass die nächste Angriffsoperation den Sieg bringen würde (tatsächlich aber nur tausenden und abertausenden Soldaten das Leben kostete). Durch diese gezielte Desinformation – nennen wir es Propaganda oder Zensur – hatten die Bürger in Frankreich und Großbritannien die absurdesten Vorstellungen über den Kriegsverlauf. Colonel Repington schreibt darüber während des Krieges:

Die Unwissenheit der Menschen gegenüber dem Krieg ist dank der Zensur nicht zu glauben. Mittagessen im [Restaurant] Hautboy [wo] … der Besitzer – ein gutbürgerlicher, intelligent aussehender Mann – sagte mir, dass die Serben die Deutschen besiegen würden; dass vor unserer Armee in Frankreich nichts stünde; und dass wir in zehn Tagen in Konstantinopel sein würden. Dies ist die Art der Überzeugung, in das dieses Land durch die Zensur manipuliert worden ist.


The ignorance of the people concening the war, owing to the Censorship, is unbelievable. Lunching at the Hautboy [where] … the propiertor – a good-class intelligent looking man – told me that the Serbians were going to beat the Germans; that there was nothing in front of our Army in France; and that we were going to be in Constantinople in ten days‘ time. These are the kind of beliefs into which the country has been chloroformed by the Censorship.

2 Antworten zu „Die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen Paris von 1916 und Kiew von 2023 #Ukraine #Geschichte #Medien”.

  1. Avatar von Andreas Müller

    Kurz vor Kriegsbeginn wurde in Paris Jean Jaurès ermordet, der unermüdlich gegen den Krieg gekämpft hatte, angeblich von einem franz. Nationalisten.
    Schau Dir mal den Wikipedia-Eintrag des Täters an:https://de.wikipedia.org/wiki/Raoul_Villain
    Dieser franz. Nationalist hatte nach dem “Sieg” nichts Besseres zu tun, als als Groupier nach Danzig zu ziehen, nicht ins befreite Elsaß-Lothringen, sondern ausgerechnet nach Danzig, wo in 20 Jahren der nächste Krieg beginnen würde. Was macht ein “franz. Nationalist” in Danzig?
    Pünktlich zum span. Bürgerkrieg hat er sich dann auf Ibiza niedergelassen, wo ihn 4 Jahre später Republikaner verdächtigten, ein Spion zu sein, und ermordeten.
    Sie hatten wahrscheinlich Recht: der Mann war immer ein bezahlter Agent gewesen. Um irgendein nachvollziehbares Anliegen kann es ihm bei seiner Herumirrerei in Kriegen nie gegangen sein.

    1. Avatar von Richard K. Breuer

      An gut bezahlten Handlangern hat es leider nie gemangelt und wird es auch in Zukunft nicht mangeln, weil nun mal jeder Krieg ein „Bombengeschäft“ ist und die Elite genügend finanzielle Überzeugungskraft hat, Politiker, Medienleute und Meuchelmörder von der „richtigen Sache“ zu überzeugen. Die Geschäftsleute mussten freilich nicht überredet werden, sie saßen ja gut beschützt im Hinterland.

      „Gemäß den besten Buchhaltungszahlen kostete es etwa [inflationsbereinigt 2011] 500.000 Dollar, um einen Soldaten während des 1. Weltkriegs zu töten.“

      War is a racket. Plain and simple.

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