Revolutionen und das liebe Geld

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Gestern jährte sich der Sturm auf die Bastille und damit der (historisch akzeptierte) Beginn der Französischen Revolution zum 234. Male. Über Ursache und Wirkung wurde und wird viel geschrieben, aber nur sehr wenige, die sich getrauen, abseits der ausgetretenen Pfade zu wandeln. Goethe macht im Gespräch mit Eckermann eine Anmerkung, auf die nicht weiter eingegangen wird, aber Andeutung genug ist:

»Die Konstitution in Frankreich«, sagte er, »bei einem Volke, das so viele verdorbene Elemente in sich hat, ruht auf ganz anderem Fundament als die in England. Es ist in Frankreich alles durch Bestechungen zu erreichen, ja die ganze Französische Revolution ist durch Bestechungen geleitet worden.«

Die Frage, die sich stellt, ist demnach nicht so sehr, dass bestochen wurde, sondern vielmehr, wer die Mittel und die Motivation hatte, zu bestechen. Das Ganze erinnert frappant an den Vorabend der Oktoberrevolution in Russland, als Wall Street Bankiers in New York die bolschewistischen Revolutionäre dringend nötige Finanzmittel zukommen ließen. Recht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Bolschewisten das Großkapital – und damit auch Privatbanken – als ihren Feind betrachteten, den es auszumerzen gelte. Als der „Kassier der Revolutionäre“ Trotzki mit Geldanweisungen in der Tasche in Kanada festgesetzt wurde, intervenierte Präsident Wilson und sein Stab. Trotzki wurde auf freien Fuß gesetzt und schiffte sich nach Schweden ein, wo er die Geldmittel für Lenins Revolution bereitstellen konnte. Recht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die USA mit dem zaristischen Russland „verbündet“ waren, kämpften sie im „Großen Krieg“ Seite an Seite gegen die Mittelmächte. Scheinbar war es einer politischen Gruppe in Washington und New York wichtiger, den Zar zu stürzen und eine marxistische Revolution vom Zaun zu brechen als den Krieg in Europa zu einem Ende zu bringen. Daran soll der gewöhnliche Bürger erkennen, wie das geopolitische Spiel in den höchsten Etagen gespielt wird.

Zurück nach Frankreich und ins Jahr 1794. Robespierre, der Unbestechliche, glaubte sich unangreifbar und drohte in einer langen Rede, die Strippenzieher der Revolution und deren Günstlinge beim Namen zu nennen. Aber so weit kam es natürlich nicht- spannend nachzulesen bei Stefan Zweigs Fouché: ein plötzlicher Aufstand der sonst so duckmäuserischen Abgeordneten beendete Robespierres revolutionäre Karriere und Leben. Mit zerschossenem Kiefer wurde er und seine engsten Vertrauten einen Kopf kürzer gemacht. Von da an verließ die Revolution ihren blutrünstigen Weg des terreur. Das revolutionäre Frankreich wurde gemächlicher im Inneren, ausgreifender im Äußeren. Die neu geschaffene „Volksarmee“ der Franzosen sollte dem ambitionierten Artillerieoffizier Napoleon Bonaparte einen noch nie dagewesenen Karrieresprung in gerade einmal 15 Jahren verschaffen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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