An diesem Tage, vor genau 22 Jahren, war es, als physikalische Gesetze für einen Tag behördlich außer Kraft gesetzt wurden. Da vollbrachten mit Kerosin gefüllte Aluminiumdosen die unglaublichsten Ein- und Durchschläge, aber die Waffenindustrie setzt weiterhin auf Wolfram- oder DU-Munition, um Bunkerbauten oder Stahl zu penetrieren. Merkwürdig allerdings. Da stürzten Gebäude, die noch an Wolken kratzten, unvorstellbare Ausmaße hatten und erst kürzlich gegen terrorism hoch versichert wurden, innerhalb von zwei Augenaufschlägen in sich zusammen – aber wie eine in den Akten vermerkte Pfannkuchenschupferei sah das beileibe nicht aus. Vom dritten Gebäude, mit der Nummer 7, das sich am Nachmittag jenes Tages in Schutt und Staub auflöste, wollte weder die Presse noch die Verantwortlichen Notiz nehmen. War es nicht die BBC, die den Niedergang des gegen Katastrophen geschützten Hochhauses verkündete, in deren Tresoren wichtige Akten und kostbare Schätze gehortet worden sein sollen, obwohl man es im Hintergrund noch vollkommen intakt sehen konnte? Ungereimtheiten hier. Ungereimtheiten da. Die Behörden zogen sich achselzuckend aus der Bredouille, in dem sie das Unmögliche – wie schon 1963 in Dallas – der Magie in die Schuhe schoben. Damals war es eine Bleikugel, die sich künstlich intelligent zu verhalten schien und mehrere Wunden in zwei Männer kapriolenhaft schlug, diesmal war es ein ganzes Passagierflugzeug, das in einem Erdloch zum Verschwinden gebracht wurde. David Copperfield hätte es nicht besser können. So vergehen die Jahre, so werden Märchen erzählt, so werden Märchen geglaubt. Sollte man mich nun fragen, was damals tatsächlich geschah, so kann ich darauf nur antworten, dass ich weiß, dass ich nichts weiß.

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