Neben dem neuen Laptop, der meinen in die Jahre gekommenen PC ersetzen soll, musste ich auch in ein neues Smartphone investieren, ging dem alten die Akku-Luft viel zu schnell aus. Als kreativer Geist, der überall und nirgends die Inspiration oder wenigstens einen Gedankenblitz in Worte und Sätze fassen muss und das Geschreibsel kommunizierend der Welt oder der Liebsten mitteilen möchte, daneben noch seinen Wissensdurst stillen will, für diesen Genius hat das Werkzeug zu funktionieren und seinen Dienst zu tun. Jede Ablenkung, jede Störung kann katastrophale Folgen im kreativen Ablauf haben und die musische Tagträumerei verpuffen lassen. Die Erfahrung zeigt, dass jedes Thema ihre ganz spezielle Zeit hat. Verabsäumt man in diesem Zeitfenster Nägel mit Köpfen zu machen, ist die Chance vertan und kommt nie wieder oder in einem gänzlich anderen Kleid.
Der moderne Mensch umgibt sich mit Technik und Technologie und hat sein Scherflein zum Verständnis beizutragen. Während man in einem anderen Zeitalter, das ich freilich noch erlebt habe, mit relativ geringem geistigen Aufwand den Dämon in der Flasche bändigen konnte, ist das heute nur noch mit weltweiter Webhilfe möglich. Wehe dem, der das Internet ausschließlich für Vergnügung und Ablenkung oder zum Shoppen nutzt.
Ich habe mich in jungen Jahren mit allerlei technischen Firlefanz auseinandergesetzt, ohne tief oder professionell einzudringen. Ich scheute den Aufwand nicht, Videos mit zwei Videorekordern zu „schneiden“ und sogar mit einer Musik zu unterlegen. Das Kabelwirrwarr und die technischen Einschränkungen konnten einen schon zur Verzweiflung bringen, aber der junge Geist giert förmlich danach, das Unmögliche möglich zu machen und sich einzig mit Lob und Applaus für seine Arbeit bezahlen zu lassen.
Das neue Smartphone muss im Alltag integriert werden. Langsam werden die alten Handgriffe, die im Vorbewusstsein abgespeichert wurden, durch die neuen ersetzt werden. Aber es braucht dafür Zeit. Bis dahin ist der Weg holprig und steinig, wollen neue Funktionen erlernt, sollen alte vergessen werden. In ein paar Wochen oder Monaten werde ich nur noch mit Schaudern das alte Smartphone in die Hand nehmen und den Kopf schütteln. So ist es immer. Nur zu aller Anfang, da sehnt man sich nach dem Altbekannten, will nichts von neuen Ufern hören, trotz stürmischer See. Bis das Neue wieder alt wird. Dann beginnt die Reise ein weiteres Mal, wiederholt sich und ist doch immer wieder anders, weil der Mensch und die Welt sich in Zeit und Raum fortbewegen.
Wenn ich einen Ratschlag für Unwillige habe, die sich lange sträuben, das Gewohnte mit Neuem auszutauschen, so ist es, dass man es tun sollte, solange das alte Smartphone (oder PC oder Laptop) seinen Dienst einigermaßen tut. Eine zweite SIM-Karte (Prepaid) zuerst ins neue Smartphone, somit können all die Neuerungen ohne Stress erlernt werden, kann man beginnen, Daten und Apps zu übertragen und einzurichten. Irgendwann sollte der Zeitpunkt erreicht sein, wenn man gewillt ist, umzusteigen. Zwar bedeutet der Wechsel der SIM-Karte erneut Arbeit, aber mit ein wenig Herzklopfen sollte der Umstieg gelingen. Dann beginnt das Gehirntraining und mit jedem Tag wird mehr und mehr ins Vorbewusstsein geschoben – bis alles wie von selbst läuft.
Die Technik, heißt es, soll dem Menschen dienen, seltsamerweise befällt mich manchmal das Gefühl, dass wir mit jedem Tag von Bits und Bytes mehr abhängiger, ja, dass wir durch diese in unserem Leben immer weiter eingeschränkt werden. Bald kommt die Zeit, in der künstlich intelligente Rechenzentren über Versicherungsschutz oder Finanzamtszahlungen bestimmen und gegenüber Einsprüchen immun sind. Wir werden uns in einer kafkaesken Welt wiederfinden, in der wir eine automatisierte Anklageschrift erhalten, aber niemand, der uns Näheres darüber sagen könnte. Wir machen uns zum Justizministerium auf, um jenen Sachbearbeiter zu finden, der für die Schrift verantwortlich ist und werden ihn niemals zu Gesicht bekommen. Je näher wir unserem Ziel kommen, umso weiter werden wir uns entfernen. Bis wir die Anklage akzeptieren, weil wir mit der Ungewissheit keinen weiteren Tag mehr leben können und niemand, der von unserem Verschwinden Notiz nehmen würde.
Das ist die Moderne, an der wir heute bereits arbeiten.

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