Vor genau 22 Jahren war es, als um diese Zeit die Inspiration zu Azadeh gar zauberhaft in Körper und Seele des Schreibers dieser Zeilen fuhr. Damit wurde eine Weiche gestellt, ein neuer Weg eingeschlagen und mutig begangen. Wohin er mich führen würde, das wusste ich natürlich nicht. Und noch heute, viele Jahre später, ist das Ende – kann es überhaupt ein Ziel geben? – nicht erreicht. Immer weiter geht es. Das Leben ist bekanntlich ein Fluss und niemand, der dieser Strömung etwas entgegenzusetzen hat. Das Schicksal setzt den Hobel an. Natürlich.
In den letzten Jahren war meine Muse durchaus gnädig, ließ mich in Gefühlen und Stimmungen eintauchen, die mir seltsam fremd waren, aber ein besonderes Projekt – im Inneren wie im Äußeren, einmal geschrieben, einmal gelebt – auslösten. Dankbar habe ich zu sein. Doch das Spiel der musischen Kräfte konnte ich niemals durchschauen, blieb oftmals nur Gast, merkwürdig geduldet, merkwürdig verabschiedet. Immer die Hoffnung, es gäbe ein nächstes Mal. Das gab es. Und auch wieder nicht. Alles Musische war märchenhaft undurchdringlich, egal, wie sehr ich mich bemühte, diese Dornenhecke zu überwinden. Was blieb, was bleibt, sind diese Qualen, die ein Tantalus erleben musste: beinahe durfte er seine Sehnsucht stillen, beinahe, es fehlte wirklich nicht viel, so könnte man meinen, beinahe hätte sich die Welt vor ihm zu Füßen gelegt. Doch kurz vor dem Ziel (also doch ein Ziel!), kurz vor der Berührung, dreht ihm das Schicksal eine lange Nase und das Besondere verfliegt, die Banalität des Lebens setzt ein. Wie oft musste der Schreiber dieser Zeilen sich betrübt seufzend zurückziehen, nur um auf eine neuerliche Begegnung zu hoffen, immer im festen Glauben, beim nächsten Mal würde ihm die Gunst der Götter zuteil. Ja, verfluchte Hoffnung.
In all diesen Jahren durchlebte ich mit meiner Muse die Höhen und Tiefen des schreibenden und lebenden Daseins. Eins geht ins andere und umgekehrt. Doch mit einem Male, ein genaues Datum ist nicht zu nennen, ist es vorerst nur ein vages Gefühl, das einen klitzekleinen Gedanken aus dem Innersten hervorkitzelte, gesellte sich eine Fee an die Seite des Dichters. Sie erfüllt Wünsche – sind es drei? ist es doch nur einer? – mit einem sanften Blick, flüstert Antworten in sein Ohr, deren Frage er noch gar nicht gestellt hat. Sonderbar, denkt er. Sonderbar, fühlst er. Eine Fee, die sich in dieser lauten Welt nach dem Zarten und Stillen sehnt, kreuzte seinen Weg. Verblüfft war er. Verblüfft bin ich.
Vielleicht ist es ein erstes schicksalshafte Zeichen, jetzt, wo mein Erstlingswerk Azadeh aufs Taschenbuch-Papier gedruckt wird – wenngleich es noch allerlei Hürden zu nehmen gilt. 22 Jahre sind eine lange Zeit und auch wieder nicht, nicht im musischen Universum jedenfalls. Wer weiß, vielleicht war und ist es am Ende meine Muse, die mir diese Fee aus dem Märchenlande schickte. Warum sie es tat? Solch eine Frage ist niemals zu stellen. Eine Muse tut. Der Dichter gehorcht.
Und doch! Was mag es zu bedeuten haben?
Alles. Nichts.

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