Da war er also wieder, dieser magische Moment, wenn einen die Muse an der Hand nimmt und ins Schlafgemach führt. In Azadeh – Kapitel 37 – habe ich diese wunderbare Fügung zu Papier gebracht. Dieser so kostbare Augenblick, wenn sich Schriftsteller und Muse ineinander verschlingen, Geist und Gefühl eins werden, der Mensch für eine kurze Zeitspanne von der Unendlichkeit kosten darf, dann kann nur noch die Kunst das Erlebte verewigen. Die wunderbare Erinnerung, sie wird mit jedem Tag gewöhnlicher, gar banaler. Deshalb ist es so wichtig, diese Zeilen zu schreiben, wenn einem das Erlebte frisch und frech vor Augen steht. Warum es zu alledem kam, nun, das ist nicht zu ergründen. Die anstrengende Woche im Salzburgischen, die strapaziöse Heimreise, die mit Regen begann und mit tief sitzenden Wolken über den Hügeln endete und damit zu einer Müdigkeit führte, die Körper und Geist lähmte. Endlich angekommen, ließ ich mich fallen. Schon dachte ich, zu Bett zu gehen, den Tag zu einem Ende zu bringen, als meine Muse herabstieg und mich empfing. Ich sah sie förmlich vor mir, am Hochtisch sitzend, zu mir sehend und wohlig weiche Worte flüsternd, während ich auf der Couch lümmelte, dabei die Füße von mir streckte und die bleierne Müdigkeit erwartete. Da durchzuckte es mich sanft. War es ein Blick? Eine Geste? Ein Satz, der nicht ausgesprochen, aber einen ganzen Kosmos in meinem Kopf malte. Die Müdigkeit verschwand. Ich musste aufstehen, zum Hochtisch gehen und die Feder übers Papier gleiten lassen. Meine Muse ließ geschehen, verströmte den Duft der Hingabe, bekräftigte meine Entschlossenheit und führte mich wenig später in ihr Schlafgemach. Lange habe ich geschrieben. Lange konnte ich die Feder nicht vom Papier nehmen. Bis die Geschichte erzählt, das Ende gekommen war. Zärtlich strich ich über die mit Tinte vollgeschriebenen Seiten. Eine allerherrlichste Seligkeit setzte ein und ging in bunte Träume über. Ich durfte für eine Weile im Schlafgemach bleiben. Bis mich meine Muse in meine Bettstatt wies. Schweren Herzens schloss ich die Tür zum Gemach. Wissend, dass damit der magische Augenblick nur noch Vergangenheit ist, gelebt in einer Gegenwart, festgehalten in naher Zukunft. Heute.

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