EM 2024: 1. Spieltag: Gruppe A und Gruppe B #Fußball

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GRUPPE A: Deutschland : Schottland 5:1
GRUPPE A: Ungarn : Schweiz 1:3
GRUPPE B: Spanien : Kroatien 3:0
GRUPPE B: Italien : Albanien 2:1

GRUPPE A: Deutschland : Schottland 5:1

Das Sommermärchen2.0 kann also beginnen. Weil eine in der Vorbereitung schwächelnde deutsche Nationalmannschaft es mit einem Gegner zu tun bekam, der starr vor Angst vergisst, Fußball zu spielen. Dabei hätte man meinen können, die Schotten würden nichts zu verlieren haben und auf Teufel komm raus den Rasen mit Kampfgeist und Hurray umackern. Stattdessen führten sie einen Eiertanz auf und glaubten sich auf dünnem Eis, ließen Musiala & Wirtz sträflich unbehelligt, weil sie nur im Raum verteidigen wollten und kassierten ein Tor nach dem anderen. Die schottische Grätsch-Attacke im Strafraum beim Stand von 2:0 hätte vermutlich sogar bei Rugby einen Platzverweis zur Folge gehabt. Ein Wunder, dass Gündogans Knöchel heil blieben. Die Folge war das 3:0 und die Rote Karte. Ja, was soll da eine verängstigte schottische Nationalmannschaft auch machen? Immerhin war Rüdiger so freundlich, den Schotten einen Ehrentreffer zu schenken. Abgefälscht. Eigentor. Jubelstimmung im schottischen Fansektor. Wer weiß, wie viele Tore Neuer noch zulassen wird, bei dieser WM. Am Ende tankten die Mannen rund um Trainer Nagelsmann so viel Selbstbewusstsein, dass es ihnen beim nächsten Ankick bestimmt aus den Ohren laufen wird. Die kommenden Gegner – Ungarn und die Schweiz – sollten sich demnach warm anziehen. Ach, man kennt das ja, aus einer längst vergangenen Epoche, als Gary Linekers Bonmot noch zählte: „Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen!“ Für den neutralen Zuschauer war das Eröffnungsspiel eine blanke Enttäuschung. Ich gestehe, ich hatte nach 70 Minuten genug und schaltete ab. Ich wollte nämlich ein Fußballspiel sehen, keine Demütigung. Hoffentlich wird’s fußballerisch besser. Nau, schlechter kann es bei Gott nicht mehr werden.

GRUPPE A: Ungarn : Schweiz 1:3

Es brauchte über 60 Spielminuten, bis unser östlicher Nachbar das Heft in die Hand nahm und endlich begann, Fußball zu spielen. Davor ließen sie sich von unserem westlichen Nachbarn nach Strich und Faden vorführen und lagen alsbald 2:0 zurück. Niemand hätte einen Pfifferling auf die Ungarn gesetzt, aber der Anschlusstreffer, wie aus dem Nichts, löste die Starre, vertrieb die Angst. Siehe da, die Ungarn ließen ihr spielerisches Potenzial aufblitzen. Leider merkte man aber doch die mangelnde Spielerqualität in ihren Reihen. So erzielten die Ungarn in den Schlussminuten nicht mehr den Ausgleich, sondern kassierten das entscheidende 3. Tor durch eine verhunzte Rückgabe. Die Schweizer wiederum agierten recht selbstbewusst, kauften den Ungarn in den Anfangsminuten die Schneid ab und ließen in der ersten Halbzeit nichts anbrennen. So kennt man sie, die Eidgenossen: schnörkellos und effizient ins Achtelfinale aufsteigen; den Zauberfußball überlassen sie anderen Mannschaften.


GRUPPE B: Spanien : Kroatien 3:0

Die goldene Generation der Kroaten, längst in die Jahre gekommen, hatte sich bei der WM 2022 in Qatar noch einmal gegen das unausweichliche Ende gestemmt und mit Glück und viel Routine eine überhebliche brasilianische Traumtänzertruppe aus dem Turnier geworfen. So wurde der Fußballwelt das so sehnsüchtig erwartete Halbfinale Argentinien : Brasilien gestohlen. Dafür hätte ich die Kroaten am liebsten auf den Mond geschossen. Andererseits, so ist nun mal Fußball – nicht die bessere Mannschaft gewinnt, sondern die effizienteste. In diesem Eröffnungsspiel der Gruppe B waren es die Spanier, die aus ihren Torchancen auch Tore machten, während die Kroaten sogar einen geschenkten Elfmeter verhauten. Abschreiben sollte man Modric & Co deshalb noch lange nicht. Die Iberer haben jedenfalls in Selbstbewusstsein gebadet. Der kommende Superstar Yamal, der in ein paar Wochen 17 Jahre wird, hat beeindruckend aufgezeigt. Respekt. Und doch sind es die Oldies, die den Laden zusammenhalten. Was wäre das spanische Team nur ohne Rodri? Oder Carvajal? Sogar ein Jesus Navas sitzt mit seinen 38 Jahren auf der Ersatzbank. Auf der anderen Seite wurde Ivan Peresic mit 35 Jahren ein- und der bald 39-jährige Modric ausgewechselt. Und war es nicht Toni Kroos – 34 Jahre jung – der einer taumelnden deutschen Nationalmannschaft die nötige Ruhe und Stabilität brachte? Vielleicht ist die EM 2024 der Abgesang auf Spieler der goldenen Generationen, hüben wie drüben. Melancholisch kann man da schon werden, nicht?

GRUPPE B: Italien : Albanien 2:1

Da schaltest du ein paar Minuten später ein und schon steht es 1:0 für Albanien. What? Ja, ich traute meinen Augen nicht. Wie war das überhaupt möglich? Das schnellste Tor der EM-Geschichte, dank Mithilfe von DiMarco, der seinen Einwurf völlig verpatzte und den Ball vor die Füße von Bejrami rollte. Sein Abschluss, spitzer Winkel, kurzes Tormanneck – man vergesse nicht, dass da ein Donnarumma im Tor steht, der zu den besten der Welt zählt – war beeindruckend abgebrüht gemacht. Das verdient Respekt. Den haben sich freilich die Italiener auch verdient, denn für exakt 15 Minuten packten diese die Brechstange aus und zeigten, was unbedingtes Wollen für Kräfte freisetzt. Die Albaner mussten sich im falschen Film glauben. Hatten sie nicht gerade die Italiener mit dem Führungstreffer geschockt? Sollte nicht die Mannschaft mit dem klaren Heimvorteil – nach der Lautstärke der Fans zu urteilen – nun das Heft in die Hand nehmen? Mitnichten. Die Squadra Azzura berannte das Tor der Albaner als gäb’s kein Morgen. Nach zehn Minuten der Ausgleich, fünf Minuten später der Führungstreffer. Damit war die fußballerische Ordnung wieder hergestellt, das heißt, es folgte das altbekannte Ballbesitzspiel des Favoriten, der den Underdog laufen lässt. Immerhin setzten die Albaner bissige Nadelstiche, aber Hollywood wollten sie auch in den letzten Minuten nicht spielen – und trotzdem hätten sie beinahe noch den Ausgleich gemacht. Erfreulich, dass sich die Albaner nie hängen, hie und da sogar ihre spielerischen Qualitäten aufblitzen ließen und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein an den Tag und auf den Rasen legten. Sie hätten sich offensiv vielleicht mehr zutrauen sollen, andererseits, diese Italiener können im Umschaltspiel brandgefährlich sein – wer will da ins offene Messer laufen? Kurz und gut, mit Italien ist zu rechnen. Und Albanien hat Blut geleckt.

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