Gruppe E: Rumänien : Ukraine 3:0
Gruppe E: Belgien : Slowakei 0:1
Gruppe F: Türkei : Georgien 3:1
Gruppe F: Portugal : Tschechien 2:1
Gruppe E: Rumänien : Ukraine 3:0
Hola. Wer hätte gedacht, dass dieses Gruppenspiel beste Unterhaltung bietet. Dank einer rumänischen Mannschaft, die heißspornig die Flucht nach vorne suchte, bissig in die Zweikämpfe ging und mental voll aufgeladen war. Auch wenn anfänglich ihre Offensiv-Aktionen wirkungslos verpufften, man merkte als Zuschauer dieses unbedingte Wollen, ein Tor zu machen. Und nicht nur ein Tor machten sie. Drei waren es an der Zahl. Der Kracher von Stanciu ins Kreuzeck ist ein fußballerischer Augenschmaus. Dass dieser Stanciu auch ein Meister der ruhenden Bälle ist, bewies er mit einem Eckball, den er an die Latte drehte. Das wäre dann wohl die Höchststrafe für den ukrainischen Torhüter Lunin gewesen, der sein Geld bei Real Madrid verdient. Habe ich schon erwähnt, dass nicht nur der Führungstreffer, sondern auch das 2:0 auf seine Kappe ging? Ja, so kann es gehen: Bei Real Madrid Top, im Nationalteam Flop. Ich frage mich, ob die Rumänen jemals Mitleid mit der Situation der ukrainischen Spieler hatten. Vermutlich nicht am Rasen. Da zählt nur eines: Tore schießen, keines bekommen und als Sieger vom Platz zu gehen. Politik hat im Sport bekanntlich nichts verloren – deshalb ist die Entscheidung, die Ukraine am EM-Turnier teilnehmen zu lassen, höchst problematisch. Man stelle sich vor, Deutschland oder Frankreich müssten im Achtelfinale gegen die Ukraine antreten und würden sie vom Platz schießen? Was gäb es da für Schlagzeilen am nächsten Morgen? Die Rumänen, so viel ist sicher, haben nur an eines gedacht: Ein Sieg muss her. Punktum.
Gruppe E: Belgien : Slowakei 0:1
Deshalb lieben wir Fußball. Weil auch mal ein krasser Außenseiter einen Top-Favoriten ins Straucheln, wenn nicht gar zu Fall bringen kann. In diesem Fall waren es aufopfernd kämpfende Slowaken, die eine in die Jahre gekommene belgische Mannschaft besiegte. Zugegeben, das Glück war ein Vogerl und auf der Seite des Underdogs. Zweimal ließ sich Lukaku als Torschütze feiern. Zweimal hatte der VAR etwas dagegen. Aberkannt. Einmal ein hauchdünnes Abseits. Einmal ein kaum wahrnehmbares Handspiel – das der Sensor im Ball festhielt. Dabei hätten die Belgier, nein, hätte Lukaku in den ersten Minuten alles klarmachen können. Aber der in vielen Szenen recht ungelenk wirkende Stürmer vergab die guten Chancen fahrlässig. Der Siegestreffer der Slowaken war praktisch ein Eigentor, schupfte der bei Manchester City aufspielende Doku den Ball im eigenen Strafraum zu einem Slowaken. Somit steht bereits Mit-Favorit Belgien, deren vormals goldene Generation zu spät in der Blüte stand, unter Zugzwang. Bei der WM 2022 enttäuschten sie maßlos und schieden bereits in der Gruppenphase aus. Ob sie sich diesmal ins Achtelfinale retten können? Die Qualität dürften sie schon haben, aber falls auch beim nächsten Spiel das Pech an ihren Füßen klebt oder Rumänien den euphorischen Sturmlauf fortsetzt, dann heißt es wohl Koffer packen. Die Slowaken wiederum haben Herz und Hirn gezeigt. Das Glück haben sie freilich in diesem Spiel zur Gänze aufgebraucht. Jetzt heißt es tüchtig ackern.
Gruppe F: Türkei : Georgien 3:1
Halleluja. Georgien, zum ersten Mal bei einem Turnier dabei, zeigte auf. Viel hätte nicht gefehlt und sie hätten den Türken die Show gestohlen. Apropos. Zwei Tore aufseiten der Türken sind nicht von schlechten Eltern. Muss man gesehen haben. Im Besonderen die Volley-Abbnahme von Mert Müldür, die ein Zidane nicht besser hätte machen können. Sehenswert auch der ins Kreuzeck gezirkelte Schuss von Jungstar Adam Güler. Die Partie hätte ja längst für die Türken entschieden sein können, aber der VAR hatte etwas dagegen und stellte nicht auf 2:0. Stattdessen gab es im Gegenzug den Ausgleich. Von da an war es eine offene Partie, kein Schlagabtausch, mit leichten türkischen Vorteilen. In der zweiten Hälfte machten die Georgier ernst, packten die Brechstange aus und hätten beinahe noch den Ausgleich gemacht. Einmal Latte (69.). Einmal stümperhaft vergeben, weil sich zwei Georgier beim Abschluss gegenseitig auf die Füße traten (92.). Dass die Türken schlussendlich ein Geschenk in Form des 3. Tores bekommen, ist der Unerfahrenheit der Georgier zu verdanken: letzte Minute. Eckball. Torhüter nach vor geholt. Alles riskiert. Letzter Mann verliert den Ball. Aktürkoğlu sprintet auf das leere Tor zu und schießt ein. Das Stadion bebt. Die Georgier am Boden. Aus. Vorbei. Im nächsten Spiel wollen wir mal sehen, ob die Georgier nicht Blut geleckt haben. Die Türken? Licht und Schatten.
Gruppe F: Portugal : Tschechien 2:1
Beinahe hätte Mitfavorit Portugal gegen eine gute eingestellte tschechische Mannschaft das Nachsehen gehabt. Lange Zeit machten die Tschechen den Laden und den Strafraum dicht, setzten immer wieder gefährliche Konter, mit denen die portugiesische Abwehr oftmals völlig überfordert war, trotz der Erfahrung eines 41-jährigen Pepes, dem ältesten Spieler einer EM-Endrunde. Gut möglich, dass Ronaldo, mit seinen 39 Jahren, diesen Rekord bei der nächsten Weltmeisterschaft einstellen wird. An der Einstellung und seiner Physis dürfte es nicht scheitern. Die Portugiesen, die eine formidable Qualifikation spielten, fanden lange Zeit kein Rezept gegen die tief stehenden Tschechen, die sicherlich die bis dato beste Defensivleistung im Turnier zeigten. Erst als Trainer Martinez die 3-er zu einer 4-er Kette umstellte, der Druck an den Flügeln zunahm, mit Jota ein zusätzlicher Stürmer neben Ronaldo im Strafraum für Gefahr sorgte, konnte man zumindest in Ansätzen die unglaubliche Offensivqualität erkennen. Man bedenke, dass ein João Félix gar nicht erst eingewechselt wurde. Ja, nur schwer vorstellbar. Viel hätte nicht gefehlt, und die Portugiesen wären mit Null Punkten und leeren Händen dagestanden. Aber ein unglückliches Eigentor führte zum Ausgleich. Von da an berannten Ronaldo & Co das gegnerische Tor, wenngleich die Tschechen noch immer mutig in Vorstöße investierte. Respekt! So war es der Müdigkeit geschuldet, dass der eingewechselte Conceição einen Fehler in der bis zur völligen Erschöpfung verteidigenden tschechischen Hintermannschaft ausnutzen und in der 92. Minute den Siegestreffer machen konnte. Ende gut, alles gut. Sieht man sich den Kader der Portugiesen an, kann einem schon mulmig werden. Die Qualität ist beeindruckend. Jetzt muss sich nur noch Ronaldo in den Dienst der Mannschaft stellen und die hängende Spitze hinter einem Stoßstürmer einnehmen. Denn, wenn wir gestern eines gesehen haben, dann ist es, dass Ronaldo überall und nirgends ist. Kann funktionieren. Muss aber nicht.

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