EM 2024: 3. Spieltag Gruppe A bis Gruppe F #Fußball

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Gruppe A: Schweiz : Deutschland 1:1
Gruppe A: Schottland : Ungarn 0:1

Gruppe B: Albanien : Spanien 0:1
Gruppe B: Kroatien : Italien 1:1

Gruppe C: England : Slowenien 0:0
Gruppe C: Dänemark : Serbien 0:0

Gruppe D: Niederlande : Österreich 2:3
Gruppe D: Frankreich : Polen 1:1

Gruppe E: Slowakei : Rumänien 1:1
Gruppe E: Ukraine : Belgien 0:0

Gruppe F: Georgien : Portugal 2:0
Gruppe F: Tschechien : Türkei 1:2

Gruppe A: Schweiz : Deutschland 1:1

Da war wieder dieses seltsame Gefühl, das einen oftmals beschlich, wenn die deutsche Elf mäßig spielte und trotzdem als Sieger vom Platz ging. Als Österreicher fühlte man sich betrogen, weil unsereins das germanische Selbstbewusstsein fehlt und wir zu viel vom slawischen Minderwertigkeitskomplex haben. Wenigstens versucht Trainer Rangnick das Beste aus zwei Welten zu vereinen – ob es gelingt, wird sich zeigen. Jedenfalls haben die Eidgenossen den Deutschen gezeigt, was es heißt, gegen einen geordneten und disziplinierten Gegner zu spielen, dem es an spielerischer Qualität nicht mangelt. Ndoye schiebt in der 28. Minute den scharfen Querpass unhaltbar ins Kreuzeck. Wenig später zappelt der Ball erneut im Tor von Neuer – aber ein knappes Abseits lässt die angezählte Nagelmannstruppe weiter hoffen. Der Lucky Punch – ein Kopfball vom eingewechselten Füllkrug – stellt in der 92. Minute die fußballerische Weltordnung wieder her: Deutschland beendet die Gruppenphase am 1. Platz, gefolgt von der Schweiz, die keinerlei Ambitionen zeigte, gegen Ende des Spiels dagegenzuhalten. Das Umschaltspiel wurde nicht konsequent ausgeführt – vielleicht fehlte es auch an frischen Kräften. Man stelle sich vor, Shaqiri wäre noch eingewechselt worden. Gut möglich, dass es dieses Kraftpaket allein mit der deutschen Hintermannschaft aufgenommen hätte. Die Schweizer hatten Angst vor der eigenen Courage – frei nach Linekers Bonmot: „Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen!“ – und gingen deshalb recht halbherzig zu Werke. Schade. Die deutsche Elf hat jedenfalls nicht überzeugt – aber das Potenzial ist natürlich vorhanden. Ob sie es abrufen können, wenn es gegen Gegner auf Augenhöhe geht, wird sich zeigen.

Gruppe A: Schottland : Ungarn 0:1

Ich hätte ja Haus und Hof verwettet, im festen Glauben, die beiden Mannschaften würden von der 1. Minute an die Entscheidung suchen und ein intensives Feuerwerk zünden. Gezündet hat nichts. Gar nichts. Erst in der langen Nachspielzeit von 10 Minuten, die einem fürchterlichen Zusammenstoß geschuldet ist, ist es das Spiel, das man sich erwarten hätte können: Schlagabtausch. Es ging hin und her. Die Schotten in ihrer spielerischen Qualität natürlich limitiert, die Ungarn gefälliger, gefährlicher und haben mit Szoboslai einen Hochkaräter in ihren Reihen. So war es der klassische Konter nach einem schottischen Eckball, der die Entscheidung brachte und Torschütze Kevin Csoboth unsterblich machen wird. Wenigstens für die Dauer der Europameisterschaft. Noch ist nicht gesagt, ob Ungarn mit 3 Punkten und einer negativen Tordifferenz von -3 ins Achtelfinale aufsteigt, aber zu wünschen wäre es ihnen. Vielleicht geht ihnen dann der Knopf auf und wir sehen jenes Ungarn, das im Vorfeld so viel versprochen hat. Den Schotten fehlte es jedenfalls an Überzeugung. Es brauchte mehr als 90 Minuten, bis sie den ersten Schuss aufs Tor der Ungarn bringen konnten. Erbärmliche Vorstellung. Seien wir froh, dass solch eine Truppe nach Hause fährt.

Gruppe B: Albanien : Spanien 0:1
Gruppe B: Kroatien : Italien 1:1

Spanien ließ mit der B-Garnitur keinen Zweifel, wer der EM-Favorit ist. Punkt. Im Schlager Kroatien : Italien fehlten den Kroaten keine zehn Sekunden bis zum Aufstieg, führten sie mit einem Tor von Modric. Doch dann kam das Wundertor von Zaccagni, der vom linken Strafraum den Ball wunderschön in die rechte obere Torecke schlenzte. Bei den Italienern brachen alle Dämme, ein ganzes Land im Freudentaumel, während Modric & Co und ganz Kroatien zu Boden gingen und das Ausscheiden beweinten. Hätte Peresic eine Minute zuvor nicht den Ball ins Tor-Out gedroschen – was ging ihm da nur durch den Kopf? – dann hätte es keinen letzten Angriff der Italiener gegeben und … Das war er also, der Schwanengesang der goldenen Generation Kroatiens. Hand aufs Herz, dieses kroatische Ballbesitzherumgeschiebe im Mittelfeld ist nicht zum Anschauen. Sogar Spanien hat längst erkannt, dass es auch ein schnelles Umschaltspiel mit sprintstarken Spielern braucht, will man anschreiben. Kroatien wird es auch noch lernen.

Gruppe C: England : Slowenien 0:0
Gruppe C: Dänemark : Serbien 0:0

Gähn. Die zwei unattraktivsten Gruppenspiele hatten nichts zu bieten. Serbien, das einen Sieg zum Weiterkommen brauchte, hatte nicht die spielerischen Mittel, eine gute eingestellte dänische Mannschaft zu bezwingen – andererseits hätte Dänemark ruhig mehr Risiko nehmen können, hätten sie England von der Tabellenspitze gestoßen (gut, niemand rechnete ernsthaft, dass sich die Three Lions eine Blöße geben würden). Man stelle sich vor England wäre im Achtelfinale auf Deutschland gestoßen. So muss Dänemark zum Gastgeber.

Gruppe D: Niederlande : Österreich 2:3
Gruppe D: Frankreich : Polen 1:1

Hola. Das war wohl die größte Überraschung des Turniers. Österreich ringt ein geistig und körperlich ausgelaugtes niederländisches Team nieder. Auf der anderen Seite gibt sich Frankreich ausgerechnet gegen den Schwächsten der Gruppe Polen eine Blöße und nimmt nur einen Punkt aus der Partie mit. Obwohl Mbappé mit Gesichtsmaske aufgeboten wurde, konnte er die Entscheidung nicht herbeiführen, obwohl er einen Strafstoß verwandelte. Somit haben die Franzosen in drei Gruppenspielen nur zwei Tore gemacht – und keines aus dem Spiel heraus. Könnte einem zu denken geben.

Gruppe E: Slowakei : Rumänien 1:1
Gruppe E: Ukraine : Belgien 0:0

Neben unserer Gruppe ist Gruppe D auch eine große Überraschung. Top-Favorit Belgien muss sich mit dem zweiten Platz begnügen und damit in jenen Zweig einsteigen, in dem sich bereits die Platzhirsche Deutschland, Spanien und Portugal tummeln. De Bruyne & Co spielten mit angezogener Handbremse, versuchten einfach nur die Kontrolle im Spiel zu behalten, während die Ukraine wie schon in den letzten Matches einfach lasch und verhalten agierte. Erst in den Schlussminuten versuchten sie anzudrücken, hatten auch die eine oder andere Chance, aber die Brechstange wollten sie nicht auspacken – oder hatten einfach nicht die Kondition und/oder mentale Stärke dazu. So reichte im Parallelspiel der Slowakei und Rumänien für das Weiterkommen ein Unentschieden. Rumänien, als Gruppenerster, wird sich nun bis zum Halbfinale mit England, Österreich, Schweiz, Italien messen müssen. Einfacher kann es nicht mehr werden.

Gruppe F: Georgien : Portugal 2:0
Gruppe F: Tschechien : Türkei 1:2

Da schau her. Portugal, das bereits vor dem letzten Spiel als Gruppenerster feststand, bot gegen Georgien nur die zweite Garnitur + Ronaldo auf und wurde prompt bestraft. Gleich in der ersten Minute spielt Antonio Silva einen Fehlpass, der zum 1:0 für die Georgier führte. Eine Stunde später ist es wiederum Antonio Silva, der ein Elfmeter verschuldete. Tja. So drängt man sich wohl nicht für die Kampfmannschaft auf. Der überraschende Sieg des Außenseiters vom Kaukasus ließ ein ganzes Land im Freudentaumel versinken. Achtelfinale. Spanien wartet auf die unerschrockene Elf. Die beiden Teams kennen sich noch von der EM-Qualifikation, da gab es eine ordentliche Klatsche für die Georgier.

In der anderen Partie zwischen Tschechien und Türkei hätte es ein unterhaltsamer Schlagabtausch werden können, hätte nicht ein Tscheche in der 20. Minute Gelb-Rot gesehen. Blöd. Trotzdem haben die Tschechen mit nur 10 Mann alles aufgeboten, um die spielfreudigen Türken im Zaum zu halten. In der letzten halben Stunde ging es hin und her. Die Dramatik war zum Greifen. Hätten nämlich die Türken verloren, wären sie hochkant aus dem Turnier geflogen. Nicht auszudenken, was sich da abgespielt hätte, auf den Straßen von Istanbul und Wien. So kommt es am Dienstag zum Achtelfinale gegen Österreich. Könnte für uns ein Auswärtsspiel werden. Im Vorbereitungsspiel putzten wir die Türken mit 6:1 – freilich, die Karten werden bei einem Turnier neu gemischt. Aber, Hand aufs österreichische Herz, alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Enttäuschung. Hochmütig? Vielleicht.

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