Pilgern für Anfänger. Von St. Aegyd nach Mariazell.

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Am Wochenende war es, als ich mit meiner Begleitung M. am Samstag zu Mittag von Wien nach St. Aegyd aufbrach, um von dort am Sonntag nach Mariazell zu wandern. Eine kurze Pilgerreise, wenn man so will.

Mehrmaliges Umsteigen war nötig: St. Pölten. Lilienfeld. St. Aegyd. Die Gemeinde anfänglich enttäuschend. Erst durch den Hinweis einer freundlichen Mitarbeiterin im Lebensmittelmarkt erfuhren wir vom Festzelt bei der Kirche. Jagdhornbläsereimeisterschaft – oder so ähnlich. In der Provinz weiß man zu feiern. Auf der Speisekarte gab es Huhn und – den Umständen entsprechend – Wild. Die Qualität stimmte. Bei der versammelten Jägerschaft wohl zu erwarten. Die hausgemachte Erdbeertorte bombig gut. Mit prall gefülltem Bauch der Jagdhornbläserei im Freien gelauscht. Die Aufrechterhaltung einer Tradition, die Städter längst nicht mehr verstehen, ist in Zeiten der Gleichmacherei kulturell lebenswichtig. Dann der Fußmarsch zu unserer Unterkunft, dem Reiterbauernhof Maho, der außerhalb von St. Aegyd und damit auch von der Bundesstraße gelegen ist. Die Idylle ist dort zum Greifen. Pferde, kleine wie große, freuten sich, von einer Hand voll Mädeln geritten und gestreichelt zu werden. Eine Empfehlung.

Das Wetter recht kühl. Nur in der Sonne, da war es angenehm warm. Der Mai zeigte sich dieses Jahr von keiner wonnig-wohligen Seite. Leider. Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, mit Sack und Pack aufgebrochen. Die Umstände machten eine Abkürzung nötig, die uns gut 3 Stunden Fußmarsch ersparte. Wir starteten in hübscher Gegend, gingen entlang eines Baches und kamen alsbald zur Wuchtelwirtin. Rindsuppe mit Leberknödel. Und eine Buchtel mit Vanillesauce – freilich geteilt – der Magen noch vom Frühstück voll. In der Sonntagszeitung geblättert – nur um ein weiteres Mal festzustellen, wie übelwirkend all das gedruckte Gezeter auf meinen vollen Margen wirkt. Von der Wirtin wanderten wir schnurstracks nach Mariazell. Ein mühsamer Aufstieg, der mir ordentlich die Luft raubte, zeigte mir an, dass meine Wanderungen rund um Baden bei Wien schon länger zurückliegen. Dem Wetter ist’s geschuldet. Bald werde ich dort wieder von Burg zur Burg laufen und bei der jungen Inhaberin des Tennisplatzes meine Stärkung einnehmen.

Zurück zum Pilgerweg. Nach etwa fünf Stunden kamen wir in Mariazell an. Die Kirche ist prächtig. Die Kerzerlgrotte ein heißer Fleck. Natürlich eine Kerze angezündet. Die Pilgertagesstätte lud zur Dusche ein – für ein paar Münzen. Warum nicht? Danach die Standeln aufgesucht. Zur vollen Stunde konnte man Gegenstände weihen lassen. Gesagt getan. Auch wenn es uns zu schnell ging. M. bekam immerhin einen geweihten Tropfen auf ihren Daumen ab, der dann meine Füllfeder und kleinere Anhänger weihte.

Ein Geburtstag für Genießer

Der Abschluss der pilgernden Reise ein Festschmaus im Pirker. Auf meinen Geburtstag wurde mit Eierlikör angestoßen. Lecker. Das Taschenbuch Azadeh – Probedruck – war im Rucksack und machte die Reise mit. Literarisches Gepäck, wenn man so will. Die Rückreise nach Wien gestaltete sich langwierig. Die Autobusfahrt nach Mürzzuschlag anregend, die Bahnfahrt nach Wiener Neustadt im überfüllten Zug älteren Datums aufs Gemüt drückend, dafür die Fahrt nach Wien im REX Doppelstock entspannend. So ging meine erste Pilgerreise im Anfänger-Level zu Ende. Und ein Jahr älter bin ich auch geworden.

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