Die Glutwelle ging über uns hin … Das Ringen zwischen Ost und West um eine Weltordnung

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„Entsetzlich Träume: Atombombenabwurf, Menschen, in feuchte Tücher gehüllt, an die Erde gepreßt, die Glutwelle ging über uns hin (oh Gott, und ich fühlte sie), dann das Ende, Wüste, keine Häuser, keine Bäume, kein Gras mehr, fußhoch weiße Asche; mein Gesicht war mit Brandwunden bedeckt“, schreibt die damals 27-jährige Brigitte Reimann am 29. März 1960 in ihr Tagebuch.

Die Zukunft lässt sich für gewöhnlich nicht fassen. Und doch planen wir oftmals viele Monate im Voraus. Mein neues Buch Azadeh soll im September erscheinen. Über 23 Jahre liegen zwischen Inspiration und Publikation. Viel ist zwischenzeitlich auf der Weltbühne geschehen und ich frage mich, ob es überhaupt noch Literatur geben kann, nach 9/11 und einem Internet, das (wenigstens für kurze Zeit) den Zauberer von Oz vor den Vorhang holte.

Die schöne Literatur, die gut zu unterhalten weiß, aber keine Einblicke ins innere und äußere Gewirk gewährt, ist demnach sinnlos – sieht man einmal davon ab, dass Unterhaltung auch zu trösten und zu stärken weiß. Es gab mal eine Zeit, in der junge Menschen Angst vor dem Ende der Welt hatten. Die Autorin in der damaligen DDR Brigitte Reimann alpträumte in den 1960er Jahren, durch Atombomben zerrissen zu werden. Ich selbst wurde in den frühen 1980ern daran erinnert, dass die Welt jederzeit explodieren könne. Aber mit dem Fall der Berliner Mauer und Glasnost, löste sich die Gefahr eines atomaren Weltkrieges zwischen Ost und West in Luft auf. Alles schien (oberflächlich betrachtet) rosig. Wäre da nicht im Jahr 2001 das neue Pearl Harbor geschehen. Ein Ereignis, das den Startschuss für eine geopolitische Neuordnung gab. Die Marschrichtung wurde von Washington vorgegeben, die restliche Welt hatte sich zu fügen.

Während die Fußballklub-Weltmeisterschaft in den USA bei sengender Hitze und zahlreichen Wetterkapriolen mit multikulturellen Begeisterungsstürmen über den Rasen geht, ringen Ost und West weiterhin um die Weltordnung. Deshalb ist jeder Konflikt, im Kleinen wie im Großen, militärisch wie wirtschaftlich, nur die Wirkung einer größeren Ursache. Auf den springenden Punkt gebracht: Jede politische Entscheidung ist diesem exorbitantem Gerangel um Weltmachtanspruch unterworfen. So es ein tatsächliches Gerangel gibt. Vielleicht ist alles doch nur Bühne. Bis heute rätsle ich, wie es zu einer Verständigung zwischen Peking und Washington in Bezug auf Covid-19 geben konnte. Alle zogen von Anfang an am gleichen Strang – und niemand – vom damaligen Präsident Donald Trump abgesehen – getraute sich, diesem tollwütigen Wahnsinn entgegenzutreten, der schlussendlich nur eine gut inszenierte Imagination war, ausgedacht in Thinktank-Laboren, vorangetrieben von einflussreichen Organisationen, akzeptiert von Medienhäusern und verordnet von Politbüros. Ja, diese Epidemie, die keine war, könnte vielleicht Licht in das größte Rätsel der Menschheitsgeschichte bringen: Wer zieht die Fäden in dieser Welt?

Wie bei allen rätselhaften Großereignissen wird es niemals eine ernsthafte Aufarbeitung geben können. Alles bleibt vage und nebulös. Zu viele Personen, die Dreck am Stecken haben und deshalb alles tun, um den Deckel draufzuhalten. Gewiss, jeder ist herzlichst eingeladen, seine Interpretation vorzustellen. Aber es bleibt nur Mutmaßung, weil der gewöhnliche Bürger niemals alle Daten und Informationen erhält.

If Israel nuked Chicago, Congress would approve. — Fred Reed

Der Konflikt zwischen Israel und Iran war vorherzusehen, nach dem der Irak unter Saddam Hussein, Libyen unter Gaddafi und Syrien unter Assad nicht mehr als Gegengewichte bzw. Pufferzonen dienen konnten. Meine Interpretation geht dahin, dass Washington eine von langer Hand geplante Regime-Change-Operation im Iran in Gang setzte. Präsident Donald Trump wurde vor vollendete Tatsachen gestellt – was wiederum an John F. Kennedy und die Invasion der Schweinebucht in Kuba erinnert. Diese Regime-Change-Operation dürfte nicht erfolgreich gewesen sein. Unmöglich festzustellen, warum sie scheiterte. Vielleicht ist sie auch noch im Gange, köchelt weiterhin auf kleiner Flamme und wartet auf eine günstige Gelegenheit. Recht ironisch, wenn man bedenkt, dass der Westen bereits Anfang der 1950er Jahre Auslöser einer „Regierungsumbildung“ im Iran war. Damals ging es schlicht und einfach um (britisches) Öl.

They don’t know what the f*ck they are doing. Do you understand that? — US-Präsident Donald Trump

Was mag nun die Rolle in alledem von Präsident Trump sein? Versucht er die Kriegstreiber in Washington vorzuführen? Man erinnere sich zurück, damals in Syrien, noch unter Assad, da funktionierte das US-Raketentheater anstandslos: man bewerfe den „Feind“ mit ein paar Raketen – auf Ziele, die nicht von Bedeutung sind, spreche es insgeheim mit der Gegenseite ab und zeige der Weltbevölkerung, dass die USA Stärke bewiesen habe. Mission accomplished, war avoided. Deshalb stellen die großen Medienhäuser den Militärschlag im Iran als erfolglos hin, um Präsident Trump zu weiteren blutigen Aktionen zu bewegen. Wen wundert es, dass er sich persönlich angegriffen fühlt und mit verbalen Rundumschlägen kontert?

Nicht vergessen dürfen wir den Umstand, dass der Iran seit 2024 Mitglied der BRICS-Wirtschaftsvereinigung ist, was dem Westen natürlich ein Dorn im Auge sein muss. Mit der Road-and-Belt-Initiative Pekings, einer modernen Seidenstraße, will der Osten den Güteraustausch auf die Schiene bringen – eine Bahnverbindung zwischen China und Iran ist im Werden und würde somit nicht nur kürzere Transportzeiten bedeuten, sondern auch einen feindlichen Zugriff von See her verhindern. Das erinnert wiederum an die angedachte deutsch-türkische Eisenbahnlinie um 1900. Das Britische Empire als Seemacht konnte solch ein Unternehmen seinerzeit niemals akzeptieren. Ja, history repeats itself. Besser: Same sh*t, different smell.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Öffnung Russlands in den 1990er Jahren, wurde alles unternommen, um eine mögliche Annäherung Berlins an Moskau zu verhindern – was nur eine Fortführung der Alliierten-Politik nach 1945 war. Der damalige Mitherausgeber der FAZ Paul Sethe konnte bis zu seinem Tod nicht begreifen, warum die deutsche Regierung unter Adenauer keinerlei Ambitionen zeigte, wenigstens das Gespräch mit Moskau zu suchen, um eine Wiedervereinigung zwischen BRD und DDR in die Wege zu leiten. Wie dem auch sei, man stelle sich eine Kooperation zwischen Berlin und Moskau vor und die sich daraus ergebenden unerschöpflichen Möglichkeiten. Die Zeit für solch ein Zusammengehen läuft freilich ab. Bald hat man den Deutschen ihren Ordnungsfanatismus und ihre geliebte Ingenieurskunsttüftelei ausgetrieben. Schafft sich Deutschland in Zukunft tatsächlich ab? Und führt der teutonische Verfall zur endgültigen Bedeutungslosigkeit Europas?

In der Fußballklub-Weltmeisterschaft ist die Gruppenphase abgeschlossen, beginnen die entscheidenden Finalspiele. Wie angenehm, wenn wir uns zurücklehnen dürfen, ohne Angst haben zu müssen, dass einmal eine Glutwelle über uns hinweggeht.

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