Klub-WM 2025: alle Finalspiele

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Hier meine Eindrücke aller Finalspiele der Klub-WM 2025 in den USA.

FINALE

Chelsea FC: PSG 3:0
Erstens kommt es anders und zweitens als alle Experten denken.

Die erste Halbzeit ist reich an Überraschungen. Um genau zu sein: drei Überraschungen, nämlich drei Tore. Chelsea muss man Respekt zollen. Perfekt eingestellt, spielen sie von Anfang an mit dem Favoriten aus Paris Katz und Maus. Zum einen neutralisieren sie das sonst so spielstarke Mittelfeld mit knochenharter Manndeckung – mit Moises Caicedo, Reece James und Enzo Fernandez ist nicht gut Kirschen essen – zum anderen haben sie mit Cole Palmer und ihrem neuen Stürmerstar Joao Pedro torgefährliche Kicker, die Blut geleckt haben. So machen die Engländer das Zentrum dicht, doppeln die Außenspieler der Franzosen, scheuen sich auch nicht vor taktischen Fouls und spielen lange Bälle hinter die Kette – auf diese Weise ziehen sie den Franzosen den letzten Nerv. PSG bräuchte ein fehlerloses Direktspiel oder eine technische Einzelaktion, um Chelseas Defensive vor Probleme zu stellen. Aber gerade am Finaltag ist irgendwie der Wurm drinnen. Oder ist es Überheblichkeit? In der zweiten Halbzeit versucht PSG noch einmal einen Gang höher zu schalten. Die eine oder andere gefährliche Aktion entseht, aber der so wichtige Anschlusstreffer will nicht gelingen. Aus Sicht der Franzosen ist das Finale wie verhext. Nichts geht zusammen. Gegen Ende verstolpert der eingewechselte Goncalo Ramos auch noch eine klare Torchance äußerst unglücklich. Obwohl PSG mit drei Toren zurückliegt, kämpfen die Spieler bis zur letzten Minute. Joao Neves muss mit Rot frühzeitig unter die Dusche, da er Cucurella an den Haaren zog. Tja. Ausgerechnet jener Spanier, der mir immer wieder ungut auffällt, da er gerne unter der Gürtellinie austeilt, aber wenn er einmal einsteckt, dann spielt er die heilige Primadonna und windet sich minutenlang „vor Schmerzen“. Widerlich. Überhaupt dürften die Engländer den Franzosen ordentlich auf die Füße gestiegen sein – kein Wunder also, wenn die Emotionen nach dem Schlusspfiff hochkochen und es zu hitzigen Kontroversen und gehässigen Schubsereien kommt. Von der Einstellung war es ein würdiges Finale. Hätte PSG den Anschlusstreffer gemacht, gut möglich, dass noch einmal Spannung aufgekommen wäre. Aber Chelsea war mental und physisch den Franzosen überlegen – und der gameplan ihres Trainers Maresca war spot on. Ich schätze, Trainer Luis Enrique und seine Spieler dürsten nach einer Revanche. Falls es in der Champions League tatsächlich dazu kommen sollte, können wir davon ausgehen, dass die Fetzen (und gelben Karten) fliegen werden. Yeah. Das ist Fußball. Kindergeburtstag war gestern.

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HALBFINALSPIELE

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Fluminense : Chelsea 0:2
Real Madrid : PSG 0:4
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PSG : Real Madrid 4:0
Kampf der Titanen? Nope. David gegen Goliath!

Es sollte ein Schlagabtausch der Titanen des Fußballs werden. Aber nach 9 Minuten steht es bereits 2:0 für PSG – dank zweier Patzer in der spanischen Innenverteidigung. Die Spieler von Real Madrid mit dem Kopf nicht anwesend, sie stehen viel zu weit von ihren Gegenspielern und lassen somit den spielfreudigen Parisern allen Platz der Welt. Nach dem 3:0 in der 24. Minute hatte man bereits Mitleid mit den Königlichen aus Madrid. Erbärmlicher Auftritt. Der Halbzeitpfiff erlöste die Mannen von Trainer Xabi Alonso, der sich nicht beklagen hätte dürfen, würde es das eine oder andere Gegentor mehr gegeben haben. Die zweite Halbzeit ähnelt der ersten. Real Madrid sichtlich bemüht, aber es will nichts gelingen. Hie und da eine „Drangphase“ – aber da gab es bereits die ersten Auswechselungen auf Seiten von PSG, die längst einen Gang runtergeschaltet haben. Schließlich setzt sogar Goncalo Ramos, längst nicht mehr erste Wahl im Kader von PSG, den Schlusspunkt mit dem 4:0 Minuten vor dem Ende. Nachspielzeit gibt es keine. Der Schiedsrichter hatte ein Einsehen. Real Madrid? Vorgeführt. PSG? Meisterhaft. Da fällt mir ein, Luka Modric durfte noch einmal im Trikot von Real Madrid auflaufen und nach 13 gemeinsamen Jahren Abschied nehmen. Was für eine Karriere. Im Alter von 39 Jahren zieht er weiter. Respekt.

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Fluminense : Chelsea 0:2
Flu mit Ambitionen. Chelsea mit Joao Pedro.

Spannung wollte nicht aufkommen. Die ersten 25 Minuten gehörten Chelsea. Der Schlenzer von knapp außerhalb des Strafraums vom neuen Mann der Blues Joao Pedro, der in Fluminense ausgebildet wurde, ist sehenswerte Ballmagie und führte zum 1:0. Die Führung verstärkte das kontrollierte Aufbauspiel der Engländer: einen Pass nach vor, zwei Pässe zurück und drei Pässe quer. Bei der Hitze von 34 ° C durchaus verständlich, aber zum Anschauen ist das freilich nicht. Die Brasiliander merkten schon bald, dass Chelsea zurückschaltet und beginnen, Druck zu machen. Ein Schuss von Hercules wird von der Torlinie gekratzt. Es sollte die größte Chance im Spiel für die Brasilianer sein. Ein Handselfmeter gegen Chelsea wird nach Videostudium wieder zurückgenommen. Der Ausgleich wäre somit nicht völlig unverdient. In der zweiten Halbzeit ist Chelsea wieder am Drücker und erneut ist es Joao Pedro, der den Ball unhaltbar ins Tor katapultiert. Sehenswerter Abschluss. Damit war das Match in der 56. Minute gelaufen. Chelsea viel zu abgebrüht, um sich eine Blöße zu geben. Fluminense wirkte angezählt und ideenlos. Die neu eingewechselten Offensivspieler zeigten wenig Wirkung. Überhaupt kamen sie mir recht eigensinnig und wenig ballverliebt vor, also recht unbrasilianisch. Schade – aber Flair schießt weder Tore noch verhindert es welche. Das Finale wird zeigen, wie gut Chelsea wirklich ist. Superstar Cole Palmer scheint mir wenig Licht und viel Schatten. Da gibt es Verbesserungspotenzial.

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VIERTELFINALSPIELE

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PSG : Bayern München 2:0
Fluminense : Al Hilal 2:1
Palmeiras : Chelsea 1:2
Real Madrid : BVB 3:2
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PSG : Bayern München 2:0
Schlagabtausch der Giganten. Die Bayern dominant, die Pariser kaltschnäuzig. Am Ende verlieren die Münchner nicht nur das Spiel, sondern auch noch Musiala.

Der Schlagabtausch der Fußballgiganten hatte es durchaus in sich. Überraschend, dass sich PSG von den extrem bissigen Bayern die Schneid abkaufen ließen. Das bayrische Pressing setzte die Franzosen dermaßen unter Druck, dass es oft zu Fehlpässen beim Herausspielen kam – das war die größte Überraschung. Die Qualität in den Reihen der beiden Mannschaften unbestritten. Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit verletzt sich Superstar Musiala schwer. Diagnose: Wadenbeinbruch. Die Zeitlupe des Zusammenstoßes mit Torhüter Donnarumma ist nichts für zarte Gemüter. Damit fällt er bis zum Ende des Jahres aus. Hat man die Bilder gesehen, bangte man, ob er überhaupt jemals wieder auf den Rasen Fußballspielen würde können. Der Schock saß in der Bayern Mannschaft natürlich tief. Die Bayern kontrollierten im Großen und Ganzen das Spiel – aber gute Chancen waren Mangelware (zwei Abseitstore!). Im Gegensatz dazu zeigte PSG, warum sie so torgefährlich sind: lässt man ihnen auch nur ein wenig Platz, können sie aus dem Nichts ein Tor machen. Man dachte bereits an eine mögliche Verlängerung, als Doué in der 78. Minute den Führungstreffer schießt. Von da an wirft Bayern alles nach vorne. Die Zweikämpfe werden intensiver. Resultat: Minuten nach dem Führungstreffer erhält Verteidiger Pacho die rote Karte und darf Duschen gehen. In der Nachspielzeit erhält auch noch der eingewechselte Hernandez eine rote Karte und muss ebenfalls vom Feld. Die letzten Minuten des Spiels äußerst hitzig. Als Zuschauer traute man seinen Augen nicht, PSG setzte die Bayern sogar mit zwei Feldspielern weniger unter Druck. Das Ergebnis ist das 2:0 durch Dembele – vorangegangen war ein Dribbling von Hakimi, der drei Bayern-Spieler wie Schulbuben aussehen ließ. PSG hat erneut gezeigt, was möglich ist, wenn sich spielerische Qualität und konditionelle Stärke mit einem extremen Selbstbewusstsein paart.

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Fluminense : Al Hilal 2:1
Fußball wurde erst in der 2. Halbzeit gespielt. Gefällig.

Bis zur 40. Minute guckte man ein „orientalisches“ Raschenschach, das lauwarmen Fußball bot, der keine Gemüter erhitzen konnte. Dann stellte Fluminense auf 1:0. Dadurch ging ein Ruck durch Al Hilal. Die zweite Halbzeit gefällig. Ausgleich knapp nach Beginn. Beide Mannschaften versuchten sich an Offensivaktionen, die oftmals nirgendwohin führten – niemand, der seine Abwehr (völlig) entblößen wollte. Schließlich gelang Hercules (was für ein Name!) der Führungs- und spätere Siegestreffer in der 70. Minute. Von da an musste Al Hilal das Tor suchen – die Brasilianer waren sichtlich unbeeindruckt und blieben standhaft. Die brasilianische Abwehr dirigierte der 40-jährige Tiago Silva umsichtig, mit all seiner Erfahrung. Und im Tor stand der 44-jährige Fabio seinen Mann. Respekt. Al Hilal dürfte alles Glück und alle Kraft im Achtelfinalsieg gegen Man City verbraucht haben – Saudi Arabien und ganz Asien – sowie meine Wenigkeit – werden Al Hilal ein Denkmal setzen.

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Palmeiras : Chelsea 1:2
Brasilianische Spielfreude reichte nicht aus, um Chelsea ernstlich zu gefähren. Qualität behielt die Oberhand.

Am Ende des Tages setzte sich die Qualität der einzelnen Spieler durch. Was soll da Palmeiras groß anstellen? Chelsea hatte auf allen Positionen den besseren Spieler stehen. Freilich, an einem guten Tag könnte so ein Match auch andersrum ausgehen (siehe Man Citys Niederlage gegen Al Hilal), Fußball ist niemals vorhersehbar. Deshalb gucken wir auch jede Partie, in der Hoffnung, dass der Underdog endlich einmal das Unmögliche möglich macht. In diesem Spiel sollte es nicht sein. Am Ende hat die bessere Mannschaft gewonnen.

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Real Madrid : BVB 3:2
Langweilige Überheblichkeit, dramatische Schlussminuten.

Ich versuchte wach zu bleiben, ehrlich. Der Anpfiff, der um 3 Uhr früh erfolgte, stellte meine Konstitution auf die Probe. Aber als bereits nach 20 Minuten die Favoriten aus Madrid den Dortmundern keine Chance ließen, es bereits 2:0 stand, kämpfte ich bereits gegen eine bleierne Müdigkeit – war das Match für mich längst gelaufen – und ohne Spannung kein Adrenalin. Also fiel ich zum Halbzeitpfiff todmüde auf die Couch und hörte den Kommentar im Halbschlaf. Als ich wieder zu mir kam, wurde das Spiel gerade abgepfiffen. Schlaftrunken traute ich meinen Augen nicht. Es stand 3:2. Tatsächlich hatten es die letzten Minuten in sich. Aber wirkliche Spannung gab es nur ganze zwei Minuten lang, dann stellte Mbappe den zwei Tore Vorsprung wieder her. Dass ausgerechnet der sonst so überragende spanische Innenverteidiger Huijsen in der letzten Minute ein Blackout hatte und mit Rot vom Platz flog (Torraub), ist ein herber Verlust für das Halbfinale gegen PSG. Gewiss, diese müssen mit Pacho ebenfalls ihren besten Innenverteidiger vorgeben. Somit ist es wieder ausgeglichen. Es zeigt sich, dass Madrid auch unter den ersten Spielen von Trainer Alonso noch immer überheblich agiert und die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen lässt. Wir können davon ausgehen, dass Alonso den Superstars diese Lässigkeit austreiben wird. Fußball ist oftmals harte Arbeit. Die Kunst ist, es nicht so aussehen zu lassen.

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ACHTELFINALE

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Palmeiras : Botafogo 1:0 n.V.
Benfica Lissabon : Chelsea 1:4
Paris Saint Germain : Inter Miami 4:0
Flamengo : Bayern München 2:4
Inter Mailand : Fluminense 0:2
Manchester City : Al Hilal 3:4
Real Madrid : Juventus Turin 1:0
Borussia Dortmund : Monterrey 2:1
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Palmeiras : Botafogo 1:0 n. V.
Brasilianisches Rasenschach zum Gähnen, eine spannende Verlängerung und am Ende gewinnen die Schweine aus Rio de Janeiro. Oink.

Brasilianisches Derby in Philadelphia zur Mittagszeit in den USA. Während Palmeiras in der Gruppenphase den FC Porto nach Hause schickte, ließ Botafogo überraschend Athletico Madrid die Koffer packen und den amtierenden Championsleague-Titelträger PSG alt aussehen. Aber wie es nun einmal bei Turnierveranstaltungen so ist, darf man Gruppenspiele niemals als Gradmesser heranziehen. Erst mit den KO-Spielen geht es um alles, ist jede Mannschaft bereit, bis ans Limit zu gehen. Die beiden Mannschaften aus Rio agierten von Beginn an, nun ja, verhalten. Einzig die hie und da robust geführten Zweikämpfe zeigten, dass weder die einen noch die anderen zurückstecken wollten. In der ersten Halbzeit köchelte es lauwarm dahin. In der zweiten versuchte Palmeiras, liebevoll „die Schweine“ genannt, offensive Nadelstiche zu setzen. Nach torlosen 90 Minuten ging es in die Verlängerung. Fußball wurde erst ab der 100. Minute gespielt. Der Führungstreffer von Palmeiras ließ Botafogo keine Wahl, sie mussten nun beherzter die Offensive suchen. Ihr Stadtrivale machte es ihnen leichter: einerseits verloren sie ihren Kapitän durch ein dummes Vergehen mit Gelb-Rot, andererseits droschen sie nur noch den Ball weg. Es folgten durchaus spannende Schlussminuten, die halbwegs für das zuvor einschläfernde Gekicke entschädigten. Palmeiras ist klar und deutlich der verdiente Sieger, die Elf versuchte es wenigstens mit dem Tore schießen, während die Spieler von Botafogo gefühlt von der 1. Minute an auf ein Elfmeterschießen warteten und träge auf und ab trabten. Das erwartete brasilianische Feuerwerk entpuppte sich als Rohrkrepierer. Pustekuchen. Der Fußball kann nur besser werden.

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Benfica Lissabon : Chelsea 1:4
Die Engländer verputzen die Portugiesen in der zweiten Hälfte der Verlängerung zum Frühstück. Wohl bekomms.

Die Engländer legen gleich mal wie die Feuerwehr im Stadion von Charlotte, North Carolina, los und berennen das Tor der Portugiesen und kommen zu der einen oder anderen guten Chance. Benfica Goalie Trubin hatte da einiges zu tun. Im Gegensatz zum zuvor gesehenen brasilianischen Rasenschach ist Chelsea bemüht, die Offensive zu suchen. Benfica mauert auf italienisch und kontert auf portugiesisch – die gefährlichen Bälle wollen freilich nicht ankommen. Torschüsse in der ersten Halbzeit: 0. Nach der Halbzeit ein besseres Spiel. In der 64. Minute verwandelt Reece James einen Freistoß aus spitzem Winkel – Goalie Trubin sieht da gar nicht gut aus. Fünf Minuten vor dem Ende braut sich ein Unwetter über Charlotte zusammen, deshalb Spielabbruch. Da ich keine Lust hatte, auf den Wiederanpfiff zu warten – ich war bereits müde wie ein Stein – ging ich zu Bett. Es wurde tatsächlich noch mal spannend – in den Schlussminuten ein dummes Handspiel und Elfmeter für Benfica. Ausgleich. Verlängerung. Rote Karte für Prestianni von Benfica. Und ein englischer Torregen in der zweiten Halbzeit der Verlängerung. Verdient zieht Chelsea ins Viertelfinale.

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Paris Saint Germain : Inter Miami 4:0
Französische Lehrstunde für den amerikanischen Fußball.

Nach 5 Minuten landet der Ball bereits im Tor der Fußballtruppe aus Florida. Nach 25 Minuten kommen die Amerikaner zum ersten Mal in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Und nach 45 Minuten führen die Championsleague-Sieger aus Frankreich mit 4:0. Hand aufs Herz, niemand getraute Messi & Co vor dem Match eine Sensation zu. Nicht gegen diese spielfreudigen und selbstbewussten Kicker von PSG. Die zweite Halbzeit war dann ein Geplätschere. Die Franzosen wollten und die Amerikaner konnten nicht. Hie und da blitzte die alte Garde mit Lionel Messi, Jordi Alba und Suarez auf. Letzterer verstolperte kurz nach Wiederbeginn der zweiten Halbzeit eine Zuckerflanke von Messi recht stümperhaft. Man hätte ihnen ein Tor vergönnt, aber es sollte nicht sein. Jetzt wartet auf die Meistermannschaft von Trainer Enrique ausgerechnet Bayern München, eine Elf, die generell keine Gefangenen macht. Spannend. Oui, oui.

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Flamengo : Bayern München 2:4
Brasilianischer Samba trifft auf Bayrische Pressingmaschine.

Bereits nach 9 Minuten steht es 2:0 für die Bayern, die von Beginn an zeigen, wer der Herr im Hause ist. DIe Brasilianer mit dem druckvollen teutonischen Pressing überfordert – nur selten gelingt es ihnen, sich spielerisch zu befreien. In der 32. Minute der Anschlusstreffer, der wie eine Rakete ins Tor von Manuel Neuer einschlägt. Das Spiel wird dadurch hitziger. Dann ist es Goretzka, der mit seinem Weitschuss auf 3:1 erhöht. Flamengo ist ratlos. In der zweiten Halbzeit beginnen die Brasilianer ambitionierter. Einen zugesprochenen Elfmeter verwandelt Jorginho in der 54. Minute. Die Bayern dadurch unsicher, die Brasilianer wiederum wittern ihre Chance. Es entwickelt sich ein munterer Schlagabtausch, angetrieben durch eine südländische Begeisterung auf den Rängen. Die dauerte leider nicht lange. Weil Kane in der 72. Minute das 4:2 schießt. Damit ist der Stecker gezogen. Flamengo bemüht, aber gegen die Qualität Bayerns sind sie am Ende chancenlos. Hätte es nicht diesen unglücklichen Beginn mit zwei Gegentoren gegeben, wer weiß, was die Brasilianer auf den Rasen gezaubert hätten. Hie und da blitzte ihre Ballverspieltheit hervor. Die selbstbewussten Münchner haben jedenfalls gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist.

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Inter Mailand : Fluminense 0:2
Das Glück ist ein brasilianisches Vögerl.

Bereits in der 3. Minute landet der Ball im Tor der Italiener. Zuerst ein unglücklicher Pressball, dann eine abgefälschte Flanke, die auf den Kopf von Stürmer Cano fällt. Überraschend. Inter bemüht, das Spiel an sich zu reißen, aber die gefällig aufspielenden Brasilianer machen es ihnen nicht leicht. Trotzdem kommen die Mailänder zu ihren guten Chancen – aber entweder ist der 44-jährige (!) Goalie Fabio im Weg oder die Stange rettet. Allerhand. Bei tropisch heißen Temperaturen war es für die Milanesen kein leichtes Unterfangen, Tempo zu machen. Starstürmer Lautaro Martinez schleppte sich übers Feld – und trotzdem war er auch noch MInuten vor Schluss torgefährlich. Respekt. Auf der anderen Seite zeigte der Kolumbianer Arias alle Vorzüge eines technisch versierten Stürmers. Würde mich nicht wundern, wenn er nach der Klub-WM nach Europa wechselt. Für das angezählte Inter Mailand ist diese Niederlage natürlich eine Katastrophe. Aber so ist der heutige Fußball. Da entscheiden oftmals Millimeter zwischen Sieg und Niederlage. Bestes Beispiel dafür der Kracher von Di Marco in der Nachspielzeit, der exakt ans Lattenkreuz ging. Für den Fußball ist der Sieg von Fluminense natürlich ein Gewinn. Brasilianisches Temperament auf dem Rasen und auf den Rängen, Fußballherz, was willst du mehr?

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Manchester City : Al Hilal 3:4
What?

Da das Match um 3 Uhr Früh angepfiffen wurde und ich von einem klaren Sieg der Engländer ausging, stellte ich mir keinen Wecker. Aber auch wenn ich mich aus dem Bett gequält hätte, das frühe Führungstor von Silva in der 9. Minute hätte gereicht, um gähnend wieder ins Bett zu fallen. Chancen hatte die Pep-Guardiola-Truppe, die sicherlich als Favorit für das Turnier galt, reichlich, aber Goalie Bounou stand seinen Mann und die arabische Verteidigungslinien wurden konsequent gehalten. Haalands Schupfer ins leere Tor schlägt ein Verteidiger spektakulär von der Linie. Und der Konter von Al Hilal zum 2:1 ist wie aus dem Bilderbuch: Malcom sprintet aus der eigenen Hälfte los und lässt die hinterherhechelnden Verteidiger wie Schulbuben aussehen. Hier rächt sich diese im modernen Fußball praktizierte und auf völlige Dominaz ausgelegte hoch stehende Abwehrlinie. Der Ausgleich folgt nur wenige Minuten später. Nach 90 Minuten geht es in die Verlängerung. Al Hilals Coulibaly macht kurz nach Anpfiff der Verlängerung mit einem Kopfball den Führungstreffer. Foden gleich mit einem Volley knapp vor der ersten Hälfte der Verlängerung aus. Ja, und in der 112. Minute stolpert Stürmer Leonardo mit einem Krampf im Bein den Ball über die Torlinie. Beeindruckend, solch ein Einsatz. Hand aufs Herz, natürlich ärgere ich mich, das Match nicht live erlebt zu haben, vor allem, weil am Ende die richtige Mannschaft gewonnen hat. Niemand will das alte Manchester City mit ihrem schnöd schnarchnasigen Guardiolo-Ballbesitzfußball erneut aufkommen sehen. Der Dank der Fußballwelt geht somit nach Al Hilal.

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Real Madrid : Juventus Turin 1:0
Die alte Dame braucht ein Aufputschmittel.

Die erste Halbzeit verläuft zwischen den Königlichen aus Madrid und der alten Dame aus Turin ausgeglichen. Große Torchancen sind Mangelware. Während Malcom im Spiel gegen Man City – alleine auf das Tor zulaufend – den Treffer macht, vergeigt Kolo Muani solch eine Möglichkeit: Er schupft den Ball über Goalie Courtois Tor. Die Hitze macht den Spielern ziemlich zu schaffen. Das Tempo bei Real ist abwartend bedächtig. Juve steigt im Umschaltspiel aufs Gas – was leider nicht oft vorkommt. In der zweiten Halbzeit fährt Real das Tempo hoch, während Juve nur noch passiv abwartend verteidigt und sich schleppend dem gegnerischen Tor nähert. Emotionale Fußballspiele sehen anders aus. Ich sehnte den Abpiff herbei, um nicht nur mich zu erlösen, sondern auch Juve.

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Borussia Dortmund : Monterrey 2:1
Die Dortmunder waren doppelt so gut wie die Mexikaner.
Sagt jedenfalls der xG-Wert: 1,61 : 0,85.

Also, nein, für das Match bin ich nicht um 3 Uhr früh aus dem Bett. Die Zusammenfassung zeigt ein munteres Spielchen – und beinahe hätte das Schicksal der 40-jährigen Real Madrid Legende Sergio Ramos den Ausgleichstreffer vor die Füße respektive auf den Kopf gelegt. Aber sein Kopfball ging knapp daneben. Das wäre eine Geschichte gewesen. Apropos. Von allen noch verbliebenen Fußballklubs scheint mir der BVB das wenigste Flair zu haben. Aber kicken können sie. Und darum geht es (auch).

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