Finale der Fußball-Europameisterschaft der Frauen und die Frage, was die Zukunft bereithält: Ballett oder Schlammcatchen

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Spanien : England 1:1 1:3 n.E. Gestern war es, als die englischen Gals die spanischen Chicas im Finale der Fußballeuropameisterschaft besiegten.

Und wieder einmal zeigt es sich, dass Fußball – egal ob männliche oder weibliche Beine im Spiel sind – im Kopf entschieden wird. Die Spanierinnen spielerisch um eine Klasse besser, gingen verdient mit 1:0 in Führung und ließen ihre Gegnerinnen von der Insel müde aussehen. Aber nach dem Ausgleich – das Tor fiel gegen den Spielverlauf – zeigten die Lionesses die Krallen und schüchterten so die Damen von der iberischen Halbinsel sichtlich ein. Bis die Kraft der einen nachließ und die anderen die letzten Reserven herausholten. Die Spanierinnen hätten das Finale frühzeitig für sich entscheiden können – aber es fehlte am Ende die Kaltschnäuzigkeit. Schlussendlich versagten im Elfmeterschießen auch noch die spanischen Nerven, somit durfte sich England ein weiteres Mal zum Europameister krönen.

Guckt ein Mann Frauenfußball läuft er immer Gefahr, seinem natürlichen Instinkt zu folgen und Bewertungen der Begehrlichkeit anzustellen. Selten, dass er die Gelegenheit erhält, 90 Minuten lang 44 nackte Beine zu bewundern, die sich anschicken, einen schweren Fußball zu treten oder sich mit anderen zu verhaken. Es gab mal einen Zeit – lang ist sie her – in der, so erzählt es Stefan Zweig in seinen Erinnerungen – der Anblick eines Frauenknöchels das Blut eines Mannes zum Köcheln bringen konnte. Das änderte sich in den 1960er und 1970er Jahren, damals, als die sexuelle Revolution ausgerufen und der Körper freizügig zur Schau gestellt wurde. Die feministische Revolution erkämpfte später auch noch die Gleichheit der Geschlechter. Deshalb darf sich die 24-jährige englische Torfrau Hannah Hampton ins Strafraumgetümmel werfen, was selten ohne Blessuren abgeht.

Torhüter im Fußball sind eine besondere Spezies von Mensch, der sich und andere nicht schont. Der tschechische Weltklasse-Torhüter Petr Cech hätte eigentlich nach einem schweren Zusammenprall, der zu einem Schädelbasisbruch führte, nie wieder zwischen den Pfosten stehen sollen, ginge es nach den Ärzten. Aber wie gesagt, die besten Goalies dieser Welt sind nicht mit gewöhnlichen Maßstäben zu messen. Cech ließ sich nach seiner Regeneration einen Helm anfertigen und weiter ging es mit dem Tore hüten. Während sich Männer oftmals wie dumme Jungs aufführen und jeden gefährlichen Blödsinn mitmachen, hat die Natur den Frauen gottlob eine analytische Sicherheitsfahrschaltung mitgegeben, die zwischen Gefährlichkeit und Nützlichkeit unterscheidet. Somit sind Torfrauen im Besonderen hervorzuheben, müssen sie gegen ihre Natur handeln. Habe ich erwähnt, dass mir Hannah Hamptom, die zwei Elfmeter halten konnte, gefällt? Ich denke, Sie wissen, wie es gemeint ist.

Der Frauenfußball entwickelt sich stetig weiter. Wesentlich bei alledem ist, dass das Fußballspiel im besten Falle einer Theateraufführung mit mehreren Akten ähnelt. Als Zuschauer wünscht man sich diese besondere Dramaturgie, wenn der Underdog den Favoriten bezwingt oder das Unmögliche doch noch möglich gemacht wird, kurz, wenn sich am Rasen ein spannendes Drama (oder eine lustige Komödie) frei nach Shakespeare abspielt, dann will man unbedingt (live) dabei gewesen sein.

Bei alledem dürfen wir die Emotion nicht vergessen, diesen unbändigen Willen, das Glück zu biegen und den Gegner zu brechen. Gegenwärtig sind die Fußballerinnen zu vorsichtig, zu bedächtig, zu achtsam, zu zurückhaltend – und doch konnte man gestern hie und da ein sliding tackling sehen, das aus der Emotion kam. Früher oder später wird es eine Frauenfußballmannschaft geben, die mit männlichen (Un)Tugenden ein körperbetontes Spiel aufzieht. Dann könnte aus dem Fußball-Ballett ein Schlammcatchen werden, in der sich die Gegnerinnen die Augen auskratzen möchten. Das klingt heute sehr unwahrscheinlich, zugegeben, aber wenn einmal der obszöne Geldregen einsetzt, wird es kein Halten geben. In unserer Gesellschaft gibt einem der Erfolg am Ende immer Recht.

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