Wenige Tage nur noch, dann heißt es Abschied nehmen und den Zaubergarten, der mir Schatten und Ruhe gab, zurückzulassen. Wie so oft, wenn sich die Ferien dem Ende nähern, erinnert man sich an die vorangegangenen Sommertage und seufzt still in sich hinein. Niemals mehr werden sie wiederkommen. Weil wir auch niemals in denselben Fluss steigen. Andere Sommertage – so es Himmel und Erde wollen – werden kommen. Und wieder gehen. Der Lauf der Dinge. Und wenn du Glück hast, findest du das Dao. Besser gesagt: es findet dich.
Natürlich konnte ich viele Gedanken denken und die eine oder andere Idee wälzen. Ich schrieb ins Tagebuch, las in Büchern, die über ein gelebtes Leben erzählen – unterhaltend und nachdenklich machend, skizzierte den Anfang eines Textes, der als Comic erscheinen soll, schrieb persönliche Briefe an eine Frau, die in eine Sackgasse führte(n), ich sah am späten Abend japanisches Animationstheater am großen Bildschirm und fühlte mich überraschenderweise angesprochen, ja, ich hörte während der Dämmerung, im Hängestuhl sitzend, Musik, die mich in meine Jugend führte und schließlich löste ich dort, meinem Vater nicht unähnlich, das eine oder andere Sudoku um den Kopf freizubekommen und immer wieder der Blick zum blauen Himmel, der mir seine Geschichte erzählte.
Der Wind frischt auf und fährt durch die Blätter. Es ergibt eine Melodie, die einzig die Natur hervorbringen und deshalb tief gefühlt werden kann. Gäbe es nicht so viele von Menschen gemachte Lügengespinste rund um Vergangenheit und Gegenwart, wir würden endlich darangehen, die Rätsel dieser Welt verstehen zu lernen. Lösen werden wir sie nicht können. Zu sehr sind wir dem linearen Denken – Anfang – Mitte – Ende – verhaftet. Will man das Dao verstehen, ist man dem göttlichen Prinzip näher als dem menschlichen Sein. Das Dao ist freilich nicht zu enträtseln, weil es dir alles nimmt und nichts gibt, weil es dir alles gibt und nichts nimmt.
Voltaire schloss sein komödiantisches Pamphlet Candide mit den Worten:
Und Panglos sagte manchmal zu Kandide: Jegliche Begebenheit im menschlichen Leben gehört in die Kette der Dinge. Denn wären Sie nicht Baroneß Kunegundens halber mit derben Fußtritten aus dem schönsten aller Schlössser gejagt, von der Inquisition nicht eingezogen worden, hätten Sie nicht Amerika zu Fuße durchwandert, dem Herrn Baron nicht einen tüchtigen Stoß mit dem Degen versetzt, nicht all‘ ihre Hammel aus dem guten Lande Eldorado eingebüßt, so würden Sie jetzt nicht hier eingemachten Zedrat und Pistazien essen. „Gut gesagt! Recht gut!“, sagte Kandide, „Allein wir müssen unsern Garten bestellen“.

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