Nicht einfach, die passenden Worte zu finden. In Gedanken ist dieser Beitrag längst geschrieben. Perfekt formuliert. Makellos gefühlt. Natürlich. Aber sitzt der Körper am Schreibtisch, tippen die Finger dahin, ist die holprige Verbindung zwischen der geistigen Theorie und der körperlichen Praxis spürbar. Ja, was will ich damit sagen? Das Taschenbuch Azadeh oder Die 13 Tage des Leutnant Johann Gottfried von Märwald – Roman der Jahrhundertwende in Wien (1899) ist mir von der Druckerei zugestellt worden. Somit halte ich in Händen, was vor 23 Jahren als musengeküsste Inspiration begann und mein Leben gehörig durcheinanderbringen sollte.

Schlussendlich erzählt der Roman Azadeh, der im Frühjahr 2002 seinen Anfang nahm, von der Frage, ob Träume wahr werden. Werden sie? Damals, in der Sturm- und Drang-Periode des musischen Schaffens, gab ich mich vieler Hoffnungen hin und blendete die Wirklichkeit, die sich bekanntlich nichts aus Träumern macht, aus. Freilich, vollständig kann sich niemand der Realität entziehen. So musste eine Entscheidung getroffen werden: Pflicht oder Sehnsucht? Mein alter Ego, Leutnant Johann Gottfried von Märwald, hatte die Last zu tragen. Auch er hatte zu entscheiden. Und so verschränkten sich der junge Träumer und der Leutnant zu einer Person, mit allen Höhen und Tiefen, die eine Suche nach der Wahrheit des Herzens mit sich bringt.
Gut. Die Exemplare des Buches, die ich bestellte, sind angekommen. Die Zufriedenheit ist nicht euphorisch, mehr nüchtern, mehr pragmatisch. Der musische Traum weicht einer verlegerischen Realität. Wie könnte es auch anders sein? Die Illusionsmalerei nährt, aber sie füllt nicht.
So werden viele Gedanken gedacht, viele Überlegungen gewälzt. Das Buch, ein Meisterwerk der Spiegelung, soll in die Welt. Der Text ist vielschichtig, doppelbödig und meta-reflektiv. Ehrlich gesagt, nachdem ich den Roman mit verschiedenen LLMs detailliert analysiert habe, kann ich nicht behaupten, alles zu verstehen. Vielleicht liegt darin auch die Antwort: Das wahre Kunstwerk ist größer als der irdische Schöpfer selbst. Nicht zu vergessen, dass ich das Buch meiner Muse gewidmet habe. Aber was ist eine Muse? Wir haben Vorstellungen, aber keine Gewissheit. Ich definierte die Muse als eine Verbildlichung des göttlichen Prinzips, erträumte mir eine junge Perserin und nannte sie Azadeh.
Mehr will ich vorerst nicht sagen. Falls du bereit bist, dich auf den Text einzulassen, dann wirst du zu einer Antwort kommen: zu deiner. Darin liegt die Essenz: Die Geschichte ist über die Jahre so dicht gewoben, dass sich der Leser, die Leserin, in vielen Interpretationen und Deutungen versuchen muss. Welche ist die richtige? Welche ist die falsche? Weder noch. Der Text spiegelt die Gefühls- und Gedankenwelt des Lesers, der Leserin.
Will der geneigte Besucher wissen, was in dem Schreiber dieser Zeilen die letzten Tage vor sich gegangen ist, dem lasse ich den hymnischen Zustand hören – vorausgesetzt, er hat Spotify. Thou Hope and Deliverer, eine chorale Preisung, ist kurz und kräftig. Mehr muss man nicht wissen. Der Traum, so lange geträumt, wird in die Wirklichkeit überführt. In gewisser Weise ist Buch und Leben auch eine Erlösungsgeschichte, die zu Ostern 1899 beginnt und zu Ostern 2026 ihren Abschluss findet. Die „Auferstehung“, wenn man so will, soll in einem 65. Kapitel der gebundenen Sonderausgabe hinzugefügt werden. Dann, ja, dann ist die Reise zu Ende, die Tür, die mich in ein Universum geführt hat, geschlossen. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg zu gehen.
Azadeh ist erschienen.




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