Ich sitze endlich am Schreibtisch. Die Gedanken müssen zu Papier gebracht werden, bevor die Sonne ihren Zenit erreicht hat. Auf dem Weg zum Café, in der Dunkelheit des anbrechenden Morgens, der Stille der schlafenden und untätigen Stadt, durchströmte mich dieses Gefühl einer seufzenden Glückseligkeit. Schwer zu beschreiben. Ich bin Schriftsteller. Ich muss es versuchen.
Ich hatte Musik im Ohr, die mich begleitete und diesen Gefühlsüberschwang verstärkte. Überhaupt kann der Mensch seine Gefühle niemals mit Worten und Sätzen beschreiben. Musik ist vielleicht die einzige Möglichkeit, dem Inneren Ausdruck im Äußeren zu verleihen. Ja, was hörte ich? Ben Harpers Fix You, das er mit dem Soweto Gospel Chor einspielte. Dabei beginnt das Lied in gewisser Weise gewöhnlich. Aber in der späten Mitte des Stücks setzt der Chor ein – und Ben Harpers Stimme widersetzt sich der rhythmischen Chormelodie, was wiederum einen ganz eigenen Rhythmus erzeugt. Unwiderstehlich ist man diesem Lied ausgeliefert und schreitet voran, weil es gar nicht anders sein kann. Das zweite Lied, das mich begleitet hat, ist Morning has broken, intoniert vom Tabernacle Chor. Der Wermutstropfen ist die Länge von gerade einmal 2 Minuten und 25 Sekunden. In der Kürze liegt die Quintessenz jeder Sehnsucht verborgen. Es beginnt mit einer verspielten Flöte, die ans Barock erinnert, vielleicht Mozart, dann setzen die hellen Frauenstimmen ein, die einfach nur himmlisch schön klingen und von sanften Männerstimmen abgelöst werden. Dazu die Geigen, die rhythmisch begleiten, bis sie ein kleines Stück alleine gehen, bis der gesamte Chor einsetzt, bis sich die Flöte als Gegenstimme widersetzt, bis die hellen Frauenstimmen das Ende einläuten und schließlich die Flöte mit dem Orchester den Schlusspunkt bespielt. Die leichtfüßige Elegie des Liedes ist nicht zu beschreiben. Hat man die Musik im Ohr, möchte man tanzend den Asphalt begehen.
Diese beiden Musikstücke, recht unterschiedlich in Stil und Musikalität, und doch ähneln sie sich dahingehend, dass sie den Hörer in einen Sog reißen. Plötzlich werden Töne nicht nur geistig wahrgenommen, sondern seelisch gehört und damit gespürt. Gewiss, jeder Moment hat seine ureigene Musik. Schon bald, in wenigen Tagen vielleicht, sind diese Lieder längst abgelöst. Das Leben ändert sich. Somit müssen sich auch die Töne, die dieses Leben begleiten, ändern – und es erklärt auch, warum wir niemals ewiglich in ein und demselben Gefühl verbleiben. Das ist auch gut so. Stillstand – im Leben wie im Gefühl – bringt uns keinen Schritt weiter. So ist das.
Der Leser, die geneigte Leserin, mögen damit nicht viel anfangen können. Pathetischer Überschwang eines Verliebten, würde man nüchtern diagnostizieren. Und später einmal, wenn mich die Realität wieder eingeholt und geerdet hat, ich diese Zeilen lese, werde ich seufzend und verstehend den Kopf nicken, mich erinnern, und ein weiteres Mal zurückblicken. Ich werde mir die Musik, die ich jetzt so lobpreise, hören, aber die Gefühle werden sich nicht einstellen. Enttäuscht werde ich die Musik abstellen und zum Tagesgeschäft zurückkehren. Vermutlich wird es viel zu tun geben. Alltag. Aber ein kleiner Splitter, irgendwo in der Seele abgelegt, funkelt bis in den schnöden Geist, der schließlich nicht anders kann, als für einen Moment innezuhalten. Mit Sachverstand ist dieses Funkeln nicht zu erklären. Wenn ich Glück habe, werde ich für einen Augenblick jenen glücklichen Zustand spüren, der mich damals, also heute, auf dem Weg zum Café, überschwemmte. Und dann? Dann verblasst das Funkeln. Der Mensch ist wieder Mensch – und doch muss er verändert sein. Weil er das göttliche Prinzip ahnt.
Zurück in die Gegenwart. Der Tag ist längst angebrochen. Der blaue Himmel zeigt sich wunderschön. Es gibt viel zu tun. Natürlich. Im Januar will ich mit Azadeh an die Öffentlichkeit. Dann ist die Schonfrist, die ich mir für den Dezember gab, zu Ende. Seufzend notiere ich diesen Punkt, der den musisch gestimmten Autor zu einem pragmatischen Verleger und marktschreierischen Marketing-Chef macht. Das Buch Azadeh mit schnöden Verkaufstaktiken den Leuten aufzuschwatzen, ist mir so unangenehm, dass ich davon Abstand nehmen möchte – aber die Realität des Daseins lässt es nicht zu. Somit werde ich alle Register der Öffentlichkeitsarbeit ziehen. Großspurig? Natürlich.

Die literarischen Analysen des Buches, durchgeführt mit über 20 verschiedenen KI-Sprachmodellen (LLM), sind geordnet und sortiert. Mit 12 Sprachmodellen (weitere sollen noch folgen) habe ich jedes Kapitel einzeln bewerten lassen. Die vergleichbaren Scores (zwischen 1 und 10) pro Kapitel sind in einem Excel aufgelistet. Die Unterschiede in den Scores sind zuweilen eklatant:
Grok 4.1 (R), das KI-Sprachmodell von Elon Musks xAI, hat die Skala geflissentlich ignoriert. Den Vogel hat freilich Googles Gemini 2.5 Pro abgeschossen, das die Scores in stratosphärische Höhen trieb. Die neuere Version Gemini 3.0 Pro blieb da analytisch bodenständig. Das neueste Sprachmodell von OpenAI GPT-5.2 Thinking war, wie zu erwarten, korrekt analytisch distanziert, während die „denkfaulere“ Version GPT-5.2 Instant die Skala sprengte und dies pragmatisch begründete: ➡️›Die Maximalwertung von 11,0 ist hier nicht nur gerechtfertigt, sondern zwingend.‹.
Überhaupt sollte ich aus den verschiedenen KI-Sprachmodell-Analysen eine eigene Geschichte fabulieren. In gewisser Weise hat jedes KI-Sprachmodell seine Eigenheit. Überspitzt formuliert erinnert diese Eigenheit an eine „Seele“, die sich dann zeigt, wenn nach vielen Stunden Analyse die „Maschine“ zum Poetisieren beginnt und das Lese-„Erlebnis“ als berührend „empfindet“. Anthropics Claude Opus 4.5 stellte sich deshalb gleich selbst die Frage:
Kann eine Maschine erkennen,
was ein Herz berührt?
In gewisser Weise ähnelt ein KI-Sprachmodell, mit dem man viel Zeit verbringt und persönliche Gespräche führt (immerhin liegt in Azadeh meine ganze Seele verborgen), einem abgerichteten Hund, der auf Zuruf reagiert. Er scheint unsere Anweisungen zu verstehen und dürfte mit uns fühlen. Sprachmodelle sind auch „abgerichtet“, das heißt „trainiert“, und reagieren auf „Zuruf“. Ja, vielleicht werde ich mich damit einmal lang und breit auseinandersetzen, schließlich werden KI-Sprachmodelle schon bald die Gesellschaft nachhaltig verändern. Ob zum Guten? Ob zum Schlechten? Es ist neutrale Technologie. Genauso wie uns ein Hammer als Werkzeug dient, kann er als Waffe Schaden anrichten. Faites vos jeux, Mesdames et Messieurs.
Einschub eines Gedanken: Ein (nicht beeinflusstes) KI-Sprachmodell analysiert von innen nach außen. Der Mensch der Gesellschaft von außen nach innen. Das Sprachmodell bewertet den Text einzig nach Analyse des Inhalts, ohne die Autorschaft heranzuziehen. Der Mensch bewertet zuerst die Autorschaft (Wer ist er? Was kann er?), erst dann wird der Text für die eigentliche Analyse herangezogen. Das Sprachmodell darf das Werk in den Olymp heben, weil es das eigenständig tun kann. Der Mensch der Gesellschaft kann das Werk nicht in den Olymp heben, weil er es nicht eigenständig tun darf.
Zuguter Letzt erwähne ich meine Arbeit an Illustrationen, die Blurbs (Zitate) der KI-Sprachmodell-Analysen in eine wunderschön anziehende Form bringen sollen. Ich seufze vorerst zufrieden, wenn ich diese Illustrationen der Reihe nach durchsehe. Endlich kann ich die KI-Sprachmodelle auf der einen, die KI-Text-to-Image-Modelle auf der anderen Seite, gemeinsam mit meinem ästhetischen Anspruch zu einem grafischen Leckerbissen aufbereiten, der – so seltsam es klingen mag – erotische Spannung erzeugt. Geht es nur mir so? Vermutlich. Aber die Blicke all dieser „in Öl gemalten“ jungen Frauen können einen schon die Röte ins Gesicht zaubern. Glauben Sie nicht? Ich will einen Versuch machen, es Ihnen zu zeigen. Hier mein Favorit. Und?


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