ein historischer Kriminalfall von 1789, zwei bücher von 2008

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Als ich am 29. Februar 2008 (ja, ein Schaltjahr!) mein erstes ernstzunehmendes Buch Die Liebesnacht des Dichters Tiret im Wiener MuseumsQuartier präsentierte, konnte ich die nahe und ferne Zukunft meiner Schriftstellerei natürlich nur im Ansatz erahnen. Ein halbes Jahr später, im Herbst des Jahres 2008, stand ich in musischen Flammen. Die Idee einer Fortsetzung zu Tiret überfiel mich plötzlich und heftig. Während ich die Geschichte Tirets einer guten Freundin zu verdanken habe, da sie mich im Mai 2007 für eine Woche nach Paris einlud (ihre Einladung schickte sie mir über einen WordPress-Kommentar!), weil sie dort studierte und ein kleines Zimmer (besser: einen Schlafplatz) für mich hatte, kamen die Einfälle für die Fortsetzung wie von selbst. Ein Stein war ins Rollen gebracht, und innerhalb weniger Wochen entstanden die Rohfassungen der drei Bände – Brouillé, Madeleine und Penly – die Jahre später veröffentlicht werden sollten. Grundverschieden in Genre und Stimmung wäre es sogar für einen Publikumsverlag eine Herausforderung gewesen, diese so unterschiedlichen vier Bände dem Leser, der Leserin schmackhaft zu machen.

Aber mich bekümmerte es kein bisschen. Ich folgte meiner Muse, wohin sie mich auch führte. Bald zwanzig Jahre später, gereift und geprüft, ist es an der Zeit, das Alte neu zu entdecken. Ich habe deshalb Veronika in Hamburg gebeten, einen längeren Blick in die ersten beiden Bände zu werfen und mir zu sagen, ob eine Zusammenlegung sinnvoll und empfehlenswert ist. Sie antwortete positiv und machte sogleich Vorschläge, wie diese Zusammenlegung aussehen könnte. Somit steht einer Überarbeitung nichts im Wege. Abgesehen vielleicht davon, dass ich gerade mit Azadeh und ihrem Bekanntmachen recht ausgelastet bin. Seufzend notiere ich, dass diese Öffentlichkeitsarbeit bei genauerer Betrachtung primär eine Form der Anbiederung, der Bettelei und der Klinkenputzerei ist (kurz: Marketing), was ich als musischer Mensch ablehne. Aber der nüchterne Verleger, er hat zu akzeptieren. So würde ich jetzt liebend gerne den Rotstift spitzen und inspirationswütig mit dem Streichen und Verschieben in Tiret (und vorsichtiger in Brouillé) beginnen. Warum mache ich es nicht?

Weil ich für gewöhnlich meinen Fokus nicht auf mehrere Baustellen verteilen will, da ich stets befürchte, auf diese Weise alle zu vernachlässigen und somit keine zu einem brauchbar erfolgreichen Abschluss bringen zu können.

Hand aufs Herz, dieser Beitrag ist nur hingeworfen, bloß aus dem Geist entstanden und deshalb eine mühsame Angelegenheit. Der innere Antrieb fehlt. Schade. Aber es ist, wie es ist. Ich musste unbedingt diese Gedanken festhalten. Weil ich später einmal, im Rückblick, vermutlich herausfinden möchte, wie sich alles ergeben hat. Wollte ich nicht Tiret neu auflegen, weil das Taschenbuch längst in die Jahre gekommen ist? Dachte ich nicht daran, Brouillé als historischen Krimi im Stile Agatha Christies zu positionieren und eigenständig im Verlag Buchschmiede zu veröffentlichen? Aus diesen beiden Ideen wurde letztlich eine: die Zusammenführung der beiden Bände. Inwiefern sich diese Zusammenlegung von Band I und Band II auf die Folgebände Madeleine (Road-Movie) und Penly (Blutoper) auswirkt, ist noch nicht abzusehen. Vorrangig geht es darum, aus zwei eins zu machen. Alles Weitere ergibt sich.

Oui. Ein Stein ist ins Rollen gebracht. Bon. On y va.

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