Natürlich musste ich mir den neuen Film Der Tiger anschauen, fasziniert mich diese Epoche, die niemals völlig verstanden werden kann, weil jede Generation sie aus vielen kleinen Puzzlestücken zusammenzusetzen hat. Somit wird jede Generation – genauso wie jeder Mensch – sich ein ureigenes Bild der Vergangenheit machen, auch wenn es einzig die Vorstellung des Möglichen bleibt. In der Schule der Historie gibt es das große Faktische, das zur Wahrheit erklärt wird. Aber über das Leben des Einzelnen erfahren wir dadurch nichts. So bleibt es Büchern und Filmen vorbehalten, späteren Generationen einen Blick in ein vergangenes Leben zu gewähren.
Der Film, der sich um eine 5-köpfige Besatzung eines Panzers an der Ostfront des 2. Weltkriegs dreht, hätte sich an dem erfolgreichen TV-Film von 1981 Das Boot orientieren können. Aber die Verantwortlichen scheuten davor zurück. Somit ist wieder eine gute Chance vertan, den Menschen aus jener Epoche in all seinen Widersprüchen zu zeigen, ohne sich dabei zu erklären. Stattdessen flüchteten sich die Verantwortlichen, genauso wie die Fahrt des Panzers, in ein Niemandsland.
Die Story, die erzählt wird, ist nicht neu und der Twist am Ende des Films hätte durchaus funktionieren können, hätte man zielgerichtet darauf hingearbeitet. Aber wie so oft hat das Marketingteam das letzte Wort. Schließlich muss das Produkt auch vermarktet werden. Für den Trailer, für das Teasern braucht es entsprechendes Filmmaterial – also müssen die marketingtauglichen Szenen in den Film gezwängt und gepresst werden. Geht nicht anders.
Wie mag sich der Pitch in der Führungsetage von amazon zugetragen haben? Ich könnte mir vorstellen, dass es diese funkensprühende Idee gab, Das Boot in einem international sehr populären Panzer der Wehrmacht (Tiger) spielen zu lassen. Klaustrophobisches Setting mit Charaktertiefe. Zusätzlich würde man sich an der spektakulären Panzer-Action von Fury (2014) halten. Für einen Moment strahlten die Gesichter der Verantwortlichen. Ein Streaming-Hit, ganz bestimmt. Aber dann dämmerte es ihnen. Langsam. Und das Niemandsland wurde einstimmig vereinbart. Ja, wir ernten, was wir säen. Damals. Heute. Morgen.
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P.S.: Ein Experte des Deutschen Panzermuseums (DPM, Munster) erzählt über seine Beratung der Filmleute: Youtube.
P.S.S.: Den einzigen authentischen, das heißt (fahrbereit) erhaltenen the most famous tank in the world Tiger I gibt es im britischen Panzermuseum von Bovington: Youtube
Der Tiger hatte seinerzeit im Film Fury einen spektakulären Auftritt.
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