Vor Tagen habe ich mich in die Tiefen der filmischen Editierkunst gestürzt. Aller Anfang ist schwer. Natürlich. Vor allem, wenn man sich mit einer professionellen Software wie DaVinci Resolve 20 von Blackmagic Design auseinanderzusetzen hat, die mehr Knöpfe und Schieberegler hat als die Leitstelle eines Atomkraftwerks. Es blieb mir nichts übrig, ich guckte ein Tutorial-Video, um den Einstieg zu finden. Connor ist ein sympathischer junger Kerl, der sein Handwerk versteht und anschaulich zeigt, worauf man zu achten hat. Das Tutorial auf YouTube kann ich nur wärmstens empfehlen. Dabei reicht es, vorerst, die erste Stunde in sich aufzunehmen. Danach gilt es, die Ärmel hochzustricken und sich wagemutig ans Werk zu machen. Ich wollte unbedingt einen Buchtrailer für Azadeh hübsch in Szene setzen. Das Endergebnis gibt es hier zu sehen:
Youtube Story: https://youtube.com/shorts/kV8dzXGrpU0?si=ZzwUZp9ifoz1ZV1S
Instagram Story: https://www.instagram.com/reel/DUVyi1SD_fB/
Youtube Breit NEU: https://youtu.be/CqWaJJ5iXe4Youtub Breit ALT: https://youtu.be/ebBywDdyecw?si=4qgbwfO8af7TgG7q
Facebook Breit: https://www.facebook.com/reel/790105377459452

Theorie und Praxis des Editierens
Aber wie so oft ist die Theorie eine Sache, die Praxis eine ganz andere. Es brauchte viel Geduld (die ich für gewöhnlich nicht aufbringen will), bis ich mit den wichtigsten Grundparametern einigermaßen vertraut war. Zu editieren ist keine große Hexerei und erinnert ein wenig an einen Lego-Bausatz. Man schiebt so lange herum, bis alles an seinem Platz ist. Mit ein wenig Glück ist das Ergebnis sehens- und hörenswert. Freilich, ich habe vorerst nur die Spitze des Eisbergs mit hängender Zunge erklommen. Aber ein Anfang ist gemacht. Habe ich übrigen schon einmal erwähnt, dass ich in jungen Jahren Filmregisseur werden wollte? Für den Sommerkurs an der University of New York – ich ließ mir Unterlagen zukommen – reichte mein Tatendrang Anfang der 1990er Jahre dann doch nicht aus und blieb brav in Wien.
Buchtrailer im Breit- und Hochformat
Soundeffekte: Kutschenfahrt, Stadtgeräusche, Glockenläuten, Applaus, Musketenschuss und Stromzischen
Der Trailer im Querformat 1080 (YouTube, X und Facebook) stellte für mich kein allzu großes Problem dar, konnte ich auf eine Vielzahl von Bildern zurückgreifen. Der Trailer im Vertikalformat (Smartphones, TikTok, Facebook Story, YouTube Story) hingegen, bereitete mir größte Kopfzerbrechen. Ich musste bereits befürchten, mit all den Umrechnungen von Quer auf Hoch durchzudrehen. Schlussendlich fand sich doch noch eine praktikable Lösung. Wie so oft muss man nur eine Nacht darüber schlafen, dann kommen die guten Ideen von allein.
Ich bin zufrieden mit den beiden Buchtrailern zu Azadeh, die ich erstellte. Wir dürfen nicht vergessen, dass ich eine One-Man-Show bin, will heißen, ich muss mir den gesamten Content – von Bildern, Clips, Geräuschen, Effekten, Sprachaufzeichnungen und hundert anderen Dingen – selber im Web suchen oder gar (eventuell mit Hilfe der KI) zusammenbasteln.
Vorderhand braucht es eine Erzählerstimme, die das Um und Auf in einem Buchtrailer ist. Welch glückliche Fügung, dass ich die zwei perfekt passenden KI-Stimmen auf elevenlabs fand, die sich für ein literarisch-sinnliches Projekt eignen. Die beiden Textstellen, die die KI-Stimmen einzusprechen hatten – Klappentext sowie Kommentar – wurden bereits mit Hilfe verschiedener Sprachmodelle in vielen Stunden erstellt und von mir feinjustiert.
Die Bilder vom alten Wien wurden eingescannten Ansichtskarten aus jener Epoche entnommen, freundlicherweise bereits (damals noch von Hand) coloriert. Somit lag der prächtige Übergang von Schwarzweiß zu Farbe auf der Hand (abgeschaut von Peter Jacksons Dokumentarfilm They shall not grow old). An vorinstallierten Übergängen (Transitions) zwischen den Bildern herrscht in DaVinci kein Mangel und man ist schnell begeistert von all den vielen Effekten, die sich da vor einem auftun. Trotzdem heißt es, ja nicht zu übertreiben und den Clip mit zu vielen oder störenden Effekten zu überfrachten – vorausgesetzt, man möchte einen Inhalt vermitteln.
Die Porträts der attraktiven Damen wurden mittels eines lokal installierten Text-to-Image-Modells (ComfyUI) erstellt – was seine Zeit brauchte. Die „gemalten“ Porträts wurden dann im Affinity Publisher 2 zu einer stimmungsvollen Collage zusammengefügt, hie und da das eine oder andere Bild zuvor in Affinity Photo 2 überarbeitet.
Schließlich brauchte es noch Soundeffekte, die ich auf der Seite von sounddino suchte. Aber die Auswahl, das Reinhören und das Abwägen können einen sehr schnell frustrieren – weil man im Kopf bereits den perfekten Soundeffekt hat, aber diesen tatsächlich zu finden, das ist eine andere Geschichte. Da es unzählige Webseiten mit Soundeffekten gibt, müsste man wohl die Nadel im Heuhaufen suchen gehen, falls man auf Perfektion achtet und die dafür nötige Ausdauer hat.
Ja, und dann müssen die Videoclips natürlich auf die verschiedenen Social-Media-Plattformen hochgeladen werden. Da gibt es, wie nicht anders zu erwarten, weitere Hürden zu nehmen. Auf Instagram wurde die Erstellung mit einem Fehler beendet, nachdem ich mir die Mühe machte, alle Informationen einzustellen. Wenigstens klappte es beim zweiten Mal. Für ein Short auf YouTube kann man das Thumbnail nur über die mobile App ändern – aber dann auch nur vorgeschlagene Frames aus dem Clip wählen. Seltsam. Die Untertitel mit einer Textdatei in YouTube funktioniert anstandslos. Die Untertitel, die ich mittels DaVinci Resolve einfügte, habe ich zwar in einer Version „eingebrannt“, wollte diese aber nicht hochladen – dahingehend will ich noch experimentieren.
Die Quintessenz des kreativen Schaffens
Die Quintessenz des kreativen Tuns: Das Endergebnis ist immer vom verwendeten Datenmaterial (Content) abhängig. Bist du bereits beim Editieren, hilft dir weder das professionellste Schnittprogramm wie DaVinci noch der leistungsstärkste PC. Dabei sollte man niemals vergessen, dass wir in einer schnelllebigen Zeit leben. Ein perfekter Videoclip wird genauso achselzuckend wahrgenommen wie ein durchschnittlicher. Wir leben in der Epoche des Klicks und des Scheins. Immer öfter lässt sich feststellen, dass auch bereits seriöse Content Creators eine Form des Clickbaits anwenden. Ja, die Konkurrenz ist längst überwältigend, deshalb sollte man sich keine Hoffnung machen, für seinen Content überdurchschnittliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Erfolg wächst freilich nicht auf Bäumen. Es braucht vielmehr Ausdauer, Lernbereitschaft (Talent schadet freilich nicht), ein sehr dickes Fell und die nötige Portion Glück. So ist das, würde Kurt Vonnegut nickend feststellen.
KI & Literatur!
Die erste filmische Hürde ist somit einmal genommen. Nun folgt die Auseinandersetzung mit Tik Tok. Ist längst an der Zeit, nicht? Vielleicht werde ich endlich einmal selber vor die Kamera treten und mich präsentieren. Zu erzählen hätte ich genug. Aber als Schriftsteller möchte man seine Schreibtischkomfortzone nicht verlassen und am liebsten ewig in seinem Wolkenkuckucksheim dahinschreiben dürfen.
Nebenbei will ich mich wieder dem Thema KI & Literatur widmen und die vielen Blurbs (Zitate) zu Azadeh in eine verständliche Form bringen und szenisch-visuell in kleinen Clips aufbereiten. Noch fehlt mir das Heureka. Also heißt es, das Reißbrett abzustauben und dorthin zurückzukehren. Oder ich gehe schlafen.
Update: Mich kitzelte eine Idee aus dem Bett. So ist das.

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