Das belehrende Zitat vom damaligen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky im Jahr 1981 „Lernen’S Geschichte, Herr Reporter“ gilt heute mehr denn je. Wobei, wenn wir wiederum das Zitat von Upton Sinclair heranziehen, dann hilft vermutlich kein Lernen:
„Es ist schwierig, einen Menschen [respektive Reporter] dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht.“
Wie soll dann der gewöhnliche Bürger, der weder Zeit noch Wissen im Überfluss hat, die gegenwärtigen geopolitischen Eskapaden verstehen können? Und so ist für jene Kräfte, die gerade „am Ruder“ sind, ein Leichtes, die bürgerliche Meinung zu beeinflussen und die politische Richtung vorzugeben.
Iran 1953 & Guatemala 1954
Wussten Sie beispielsweise, dass Großbritanniens Auslandsgeheimdienst MI6 in Zusammenarbeit mit der CIA im Jahr 1953 den demokratisch gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh zu Fall brachte und den Schah installierte?
Die Idee, einen souveränen Staat nicht mit kriegerischen (und damit teuren) Mitteln zu unterwerfen, sondern die Führung in loyale Hände zu geben, wurde seinerzeit in die Tat umgesetzt. Dieser erste Regime Change nach 1945 war ein so durchschlagender Erfolg, dass er als Blaupause bis heute herhält. Der Iran zog unter dem von London und Washington neu installierten Schah die Verstaatlichung der Erdölfelder zurück und überließ diese dem britischen Unternehmen (dem späteren British Petroleum).
Ein Jahr später war Guatemala dran. Auch dort wollte der demokratisch gewählte Präsident die kolonialen Auswüchse eines westlichen Unternehmens im Land eindämmen. Das US-Unternehmen United Fruit (aus dem später Chiquita hervorgehen sollte) ließ sich das nicht gefallen und intervenierte in Washington. Zusätzlich engagierte man den Meister der Public Relations, Edward Bernays, ein Doppelneffe Sigmund Freuds, der für die nötige medial aufgeheizte Stimmung sorgte. Wenig später wurde Präsident Arbenz, im Mainstream als brutaler Schlächter defamiert, aus dem Amt gejagt und durch eine Militärdiktatur ersetzt, die gleich mal mögliche Widerständler beseitigte und den im Land befindlichen US-Unternehmen Carte Blanche zur Ausbeutung gewährte.
Dort, wo ein Regime Change mit den üblichen kostengünstigen Mitteln keinen Erfolg hatte, beispielsweise in Libyen, schickte man gut ausgerüstete Söldner ins Land, bombardierte dank Luftüberlegenheit jeglichen Widerstand und befeuerte die westlichen Medien mit dem Slogan „Freiheit fürs Volk“. Ergebnis: Libyen, das seinerzeit als der fortschrittlichste afrikanische Staat eine Vorzeigerolle innehatte, zerfiel in einen brutalen Kleinkrieg zwischen (vom Westen bewaffneten) Warlords. Sklavenmärkte und Repressalien für die Bevölkerung, die „befreit“ wurde, sind nun fester Bestandteil der Gegenwart. Syrien? Auch dort wurde die Bevölkerung „befreit“ und muss einen hohen Preis zahlen.
Afghanistan 1980 & Iran 2026
Für den Iran ist selbige „Befreiung“ vorgesehen. Zuerst will man militärischen Widerstand aus der Luft beseitigen, dann die bezahlte Söldnerschar – ISIS, al-Qaida, IS und wie sie alle heißen – ins Land bringen. Deren Ziel ist es, mit brutalsten Methoden die Bevölkerung zu traumatisieren und damit zu „entwaffnen“. Die sogenannten „Todesschwadronen“, die während des Kalten Krieges von der CIA und vom US Militär in den „von Kommunisten“ besetzten Gebieten auf der Südhalbkugel eingesetzt wurden, gingen gegen eine unbewaffnete und unschuldige Zivilbevölkerung mit den brutalsten Mitteln vor. Ja, der Kalte Krieg rechtfertigte die gröbsten Menschenrechtsverletzungen. Hellhörig wurde die westliche Intelligentsia erst, als Noam Chomsky und Edward S. Herman auf diesen Sachverhalt aufmerksam machten. Prof. Herman von der University of Pennsylvania ging noch einen Schritt weiter, und erklärte in seinem Buch The Real Terror Network (1982), wie westliche Geheimdienste in vielen (souveränen) Ländern ein Terrornetzwerk etablierten, um die Bevölkerungen im Einflussbereich der Westmächte in Angst und Schrecken zu versetzen. Zu glauben, dass Washington oder London nur im Entferntesten das Leben von Menschen achten würden, ist absurd. Wir wissen, wie sehr Macht korrumpiert und je höher der Einsatz, desto bereitwilliger, werden Grenzen überschritten. Bestes Beispiel dafür ist die Unterredung im April 1972 zwischen Präsident Richard Nixon und seinem Außenminister Henry Kissinger im Oval Office in Bezug auf den Vietnamkrieg:
NIXON »Die Atombombe [einzusetzen], bekümmert dich das? Ich möchte doch nur,
dass du im großen Stil denkst, Henry, Herrgott noch mal! Die einzige Stelle, an der wir unterschiedlicher Meinung sind, hat mit der Bombardierung [von Nordvietnam] zu tun. Du bist so gottverdammt besorgt um die Zivilisten und mich scheren die einen Dreck. Die sind mir egal.«
KISSINGER »Ich bin um die Zivilisten [deshalb] besorgt, weil ich nicht möchte, dass sich die Welt gegen dich als Schlächter mobilisiert.«
Als im Februar 2022 russische Truppen über die ukrainische Grenze gingen, hätte der Konflikt nach wenigen Wochen am Verhandlungstisch unblutig beendet werden können. Aber Washington sah den Konflikt als eine gute Gelegenheit, Russland zu schwächen und für Regime Change vorzubereiten. Es erinnerte nicht von ungefähr an 1980, als die sowjetische Armee in Afghanistan „einmarschierte“. Sieht man aber hinter die westliche Propaganda, dann wurden die sowjetischen Truppen auf Einladung der afghanischen Regierung ins Land geholt. Warum? Weil Söldner mit muslimischem Hintergrund von der CIA und MI6 rekrutiert, ausgebildet, zu Dschihad-Kämpfern indoktriniert und im Sommer 1979 nach Afghanistan geschleust wurden, um dort mittels Terror Chaos zu verursachen und so Moskau zu einer „Invasion“ zu zwingen.

Die Verantwortlichen in Washington, unter anderem Zbigniew Brzeziński, waren sichtlich stolz darauf, durch diese Falle das Ende der Sowjetunion beschleunigt zu haben. Damals, wir reden hier vom Jahr 1979, wurde somit der Dschihad von den USA als Mittel zum Zweck eingesetzt. Saudi-Arabien, der Vasallenstaat der USA, das mit westlicher Hilfe einen militanten Islamismus (Wahhabismus) installierte, schickte Osama bin Laden als Unterstützung für die CIA, der seinen Anteil an diesem „Dschihad“ gegen die Sowjetunion hatte. Osama bin Laden war übrigens niemals Drahtzieher – er war nur ein Name und ein Gesicht, die allen (medialen) Hass auf sich ziehen sollten (analog Goldstein in Orwells 1984). Im September 2001 befand er sich in einem US-Militärhospital in Pakistan und dürfte nicht lange danach eines natürlichen Todes verstorben sein. Übrigens wurden am 11. September Mitglieder der einflussreichen Bin Laden-Familie, die sich gerade in den USA aufhielten, auf Anweisung des Weißen Hauses ausgeflogen. So ist das.
Was ich hier erzähle, ist freilich nur die Spitze des Eisbergs. Schließlich kann ich nicht mehr wissen als öffentlich zugänglich ist. Ansonsten beginnt man zu spekulieren, dreht sich im Kreis und phantasiert sich eine Erklärung zusammen. Deshalb sollte man sich immer im Klaren sein, wo Wahrheit endet und Spekulation beginnt.
Zu glauben, die Trump-Regierung wäre inkompetent, in Bezug auf den neuerlichen Konflikt mit dem Iran, ist grob fahrlässig. Schließlich müssen die Planungen seit mehreren Jahrzehnten vorangetrieben worden sein. Im Jahr 2007 hat US-General Wesley Clark in einem Interview erzählt, dass bereits Wochen nach 9/11 im Pentagon mit der Planung begonnen wurde, sieben Länder in „5 Jahren“ zu destabilisieren:
Irak, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan, Syrien und Iran.
Die Frage, die sich einem Skeptiker stellt ist jene: Warum durfte General Wesley Clark diese Behauptung in einem Interview machen? War sie Teil einer psychologischen Kriegsführung?
Durch den Konflikt mit dem Iran wird der Weltwirtschaft (und damit vor allem China) die Daumenschrauben angelegt. Laut Präsident Putin verliert der Weltmarkt etwa 14 Million Barrel Öl pro Tag. Die dadurch zu erwartende Verknappung führt zu einer massiven Erhöhung der Öl- und Gaspreise, was wiederum eine flächendeckende Verteuerung und steigende Lebenshaltungskosten vor allem für die Bevölkerung in Europa nach sich zieht. Brüssel wird durch den Exportstopp von LNG aus der Golfregion mit heruntergelassener Hose kalt erwischt und ist nun noch mehr auf Washingtons Energielieferungen angewiesen, die sicherlich ihren Preis haben werden. Präsident Putin verlautbarte, dass die Zeit gekommen ist, sich vom europäischen Markt zurückzuziehen und „reliable“, das heißt verlässliche Partner im asiatischen Raum zu bedienen, die gerade händeringend den Verlust an Öl- und Gasimporten aus den Golfstaaten zu kompensieren versuchen. Explizit nannte er Ungarn und die Slowakei, die als verlässliche Partner weiterhin beliefert werden sollen. Im Übrigen merkte Präsident Putin an, dass er ernsthafte Bemühungen europäischer Staaten, die eine längerfristige und verlässliche Zusammenarbeit anstreben, nicht zurückweisen würde. Falls sich der Energiemarkt in naher Zukunft nicht normalisiert, muss es durch die einseitige Politik Brüssels unweigerlich zu einer Konfrontation innerhalb der Europäischen Union kommen.
After blindly following Washington in containing Russia, after sacrificing Ukraine on the altar of Washington’s geopolitical ambitions, Europe will be left with only two options: to live with a strong Russia as its neighbor, or to fight it. — Dr. Rein Müllerson (Artikel)
Es steht somit zu befürchten, die Historie ist ein guter Lehrmeister, dass die politische Elite in Europa nur noch einen Ausweg aus der (selbst verursachten) Misere sieht: eine militärische Intervention („Schutzmaßnahme für die ukrainische Bevölkerung“) in der Westukraine und damit einhergehend eine direkte Konfrontation mit den widerspenstigen pro-Moskau-Regierungen in Europa. Brüssel geht davon aus, dass Präsident Putin es nicht wagen wird, „Friedenstruppen“ im Westen der Ukraine anzugreifen. Es ist ein Chicken Game, ein Feiglingsspiel. Der Einsatz: alles oder nichts. Faites vos jeux, Mesdames et Messieurs.

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