Da hat der Autor dieser Zeilen also ein Theaterstückl geschrieben (Idee und Inspirationsquelle und Inszenierung Uli Sykora), förmlich aus dem dichtenden Ärmel geschüttelt. Die erste Version mit den SchauspielerInnen gelesen – und sogar gelacht). Dann hat Uli den Text zusammengekürzt und inszeniert und gleich mal eine Rolle einstudieren müssen (weil eine Schauspielerin ausgefallen ist). Am Samstag, 28. April 07 dann die Premiere im Theater Westliches Weinviertel (TWW) in Guntersdorf bei Hollabrunn.
Was ist die Liebe, Katarine?
eine musikalische Entdeckungsreise

Ich habe keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. Das Theater, mit gerade mal 5 Sitzreihen, ist schmal, aber heimelig. Glücklicherweise nicht so intim, wie es die Kleinkunstbühnen sind (wo du aufpassen musst, dem Schauspieler nicht ins Gesicht zu husten). Die Bühne ist geräumig und das Bühnenbild gefällt mir.
Dann geht es los (zuvor musste ich noch ein Achterl trinken). Nach den ersten Zeilen darf ich bemerken, dass an den Dialogen so gut wie nichts verändert wurde. Erfreulich. Dumm, dass ich nun ein wenig ins Publikum höre. Wann wird wo gelacht? Wo geschmunzelt? Überlege, ob es am Geschriebenen, Inszenierten oder Publikum liegt, wenn eine Pointe nicht wahrgenommen wird. Dafür wieder verblüffend feststellen müssen, dass man mit sehr wenig sehr viele Lacher erzielen kann. Hier ist der Uli zu gratulieren – weil sie es (mit ihrer Bühnenerfahrung) verstanden hat, das das Gesagte alleine nicht ausreicht. Es muss mit Gesten und einer Mimik begleitet werden, während die Kostüme, die Aufmachung es auf den Punkt bringen müssen. Während der Dichter seine Charaktere viele Tage und Nächte durchdenkt, muss der Zuschauer in kürzester Zeit eine Ahnung bekommen, wer sich hinter dem „Peterchen“ oder dem „Katrinchen“ verbirgt.
Die Songeinlagen („eine musikalische Entdeckungsreise“) können mich überzeugen (da war ich anfänglich skeptisch), das Kontrabass, das durch Zufall zu den restlichen Musikinstrumenten (Klavier, Gitarre) stieß, ist eine wundervolle Bereicherung. Im Besonderen (und wie zu erwarten war) singt sich Janne in die Erotik. Das gefällt natürlich.
Vor der letzten Szene gibt es eine Pause, was mich anfänglich verwirrt (warum erst jetzt?), bis ich bemerke, dass die Bühne ja umgebaut werden muss. Auch hier – die Fragestellung (ein Raum füllt sich mit Protagonisten – wo haben sie zu stehen, was zu tun?) ist keine einfache – kann ich nichts bemängeln.
Die Kürzungen und kleinen Veränderungen fallen nicht sonderlich ins Gewicht – ich kann es gut verkraften (was aber nicht heißt, dass ich sie vergessen habe – jetzt weiß ich wenigstens, wie sich ein Dramatiker fühlen muss, wenn der Dramaturg oder Regisseur den Stift nimmt und zu streichen beginnt)
Zu guter Letzt darf geklatscht und gejubelt werden!
Ich werde auf die Bühne gerufen [aha, so schaut es also von da oben aus] und verneige mich, als hätte ich einen Besen geschluckt, weiß nicht, wo ich meine Hände hingeben soll. Ich glaube, ich sollte Schauspielunterricht nehmen („Monsieur, Sie bewegen sich ja wie ein Stück Holz. Mehr Grazie, mehr Leichtigkeit, wenn ich bitten darf. Also, von vorne!“).
Jetzt bin ich natürlich gespannt wie ein Pfitschipfeil, auf die nächsten Vorstellungen und wie sie ausfallen werden. [sagt man nicht, dass eine Premiere generell die schlechteste Vorstellung ist, weil es seine Zeit braucht, bis es sich eingespielt hat?]. Freilich geh ich noch mal hin! Das hab ich mir verdient, oder?
Schön war’s!
*klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch * (c) Foto: Scan der Programmzeitschrift des TWWs No 1 2007

[inhalt]
Jedes gute Theaterstück fängt mit einer Frage an. Eine Frage, die alle und keine Antworten erwartet. Eine Frage, die uns immer beschäftigt. Nie loslässt. Kein Wunder also, dass Katarine, noch jung, noch gänzlich unschuldig, nicht wissend, wie schnell ihr Herz schlagen kann, eines Tages die Frage stellt. Und damit beginnt ihre Reise.
„Was ist die Liebe?“
Einmal gestellt, keinmal beantwortet. Ihr Vater redet viel, sagt aber nichts. Ihre Mutter fühlt sich verlassen und ist jene, die verlässt. Ihr Jugendfreund Peter meint es gut und meint es doch nur gut. Was bleibt über, als den Blick nach außen zu wenden. Ist da nicht ein Zirkus in der Stadt? Und, als wär’s ein Zeichen, wird sie bemerkt. Ein Dichter, ein Pariser Bohème, der mit dem Zirkus reist, erwählt sie als seine Muse. Er schreibt ihr Antworten, ersinnt Gedichte. Über die Göttlichkeit, die eine wahre Liebe schenkt und vergibt. Und doch bewahrheitet es sich. Dass Papier geduldig ist. Was bleibt über, als den Blick nach außen zu wenden. Ist da nicht ein Theatertruppe in der Stadt? Und als wär’s ein Zeichen, wird sie bemerkt. Ein Sänger, ein italienischer Gigolo, der mit der Theatertruppe reist, erwählt sie als seine Geliebte. Er singt ihr Antworten, ersinnt Lieder. Über die Leidenschaft, die eine gelebte Liebe fordert und verlangt. Und doch bewahrheitet es sich. Dass Musik den Körper und den Geist in Schwingung versetzt. Aber nur für kurze Zeit. Nicht für immer, nie für ewig. Was bleibt über, als den Blick nach außen zu wenden. Ist da nicht ein Schiff im Hafen? Und als wär’s ein Zeichen, wird sie bemerkt. Eine Malerin, eine amerikanische Künstlerin, die ins freizügige New York reist, erwählt sie als ihr Modell. Sie malt ihr leidenschaftliche Bilder, ersinnt sinnliche Farben und weibliche Formen. Über die Extase, die eine hingebungsvolle Liebe fordert und verzehrt. Und doch bewahrheitet es sich. Dass Malerei das Auge und das Herz berührt. Aber nur für kurze Zeit. Nicht für immer, nie für ewig. Was bleibt über, als den Blick nach außen zu wenden. Und als wär’s ein Zeichen, bleibt das Zeichen aus. Aber jedes gute Theaterstück, das mit einer Frage beginnt, endet mit einer Antwort.

Hinterlasse eine Antwort zu stefferl Antwort abbrechen