Erzähle A. lang und breit und ausführlich über die Entstehung des Dichters zu Wien. Erste Inspiration. Erster Versuch. Erster Roman. Sehe ein Ginger Ale in der Getränkekarte und bestelle ein Ginger Tonic. Die Dame des Servier-Personals, meiner Sprachmagie nicht ganz gewachsen, sieht mich fragend an und fragt freundlich nach. Ich nicke und sage „Tonic“. Nachdem ich die Hälfte dieses Tonics genüsslich gesüffelt habe, bemerke ich eine leichte Verzerrung in der Wahrnehmung der Umwelt. Zuerst lache ich still in mich hinein, glaubend, dass mein Körper mir nur den Alkohol im Tonic vorgaukelt (so ähnlich geht’s mir manchmal mit dem alkoholfreien Bier). Auf dem Pissoir kommt mir das schon sehr merkwürdig vor, diese Verzerrung. Ich denke nach (ja, da plätschert die Zeit langsam dahin) und frage mich, was Ingwer auf Englisch heißt. Komm nicht drauf. Mir fällt immer nur „Gin“ ein. Gin ist aber alkoholisch, dämmert mir sanft. Hab ich tatsächlich ein Gin Tonic bestellt? Als ich die Toilette verlasse, bin ich mir so gut wie sicher. Die Rechnung bestätigt es wenig später. A. bezahlt die Zeche. Mir ist es peinlich. Irgendwie.
[update 11.5.07]
Der Dichter zu Wien steht (Monate ist’s her) an der Bar, will ein Tonic bestellen und bestellt ein Gin Tonic. Warum sich der „Gin“ hinzugeschmuggelt hat, zum Tonic, ist nicht eindeutig ersichtlich, man kann annehmen, dass das Unbewusste hier die Finger im Spiel hatte.
Er süffelt gerade am Gin Tonic, als neben ihm eine Frau eine „heiße Zitrone“ ordert (es war nach 22 Uhr). Er schielt zur Seite und fragt sich, wer in Teufels Namen zu dieser Uhrzeit in einer schummrigen Bar eine „heiße Zitrone“ trinkt. Jedenfalls, dem Gin (und dem Aussehen der Frau) sei Dank, reißt sich der dschun zusammen, lächelt zur Seite und spricht sie an. eventuell sollte die „heiße Zitrone“ so ähnlich wie das „fallengelassene Taschentuch“ aufgefasst werden. Damit wäre ein für alle Mal die Schwierigkeit des „wie spreche ich einen fremden Mann/eine fremde Frau an“ gebannt. Findet die Frau den neben ihr lümmelnden Mann interessant, bestellt sie eine „heiße Zitrone“. Ansonsten bleibt sie beim üblichen Drink („geben Sie mir das Stärkste, was Sie haben!“)
Die Frau erzählt kurz von sich. Sie ist eine germanische Aktionskünstlerin, die in der Bretagne lebt und in Wien eine Freudin besucht. Ich bin beeindruckt, möchte mehr wissen, aber irgendwie will der Funke nicht überspringen. Ich stell mich vor.
„Ich bin der Richard“
„Du bist Richter?“
An dieser Stelle wäre es das Beste gewesen, sofort die Flucht anzu- treten. Es gibt Momente in einem „ungezwungenen“ Gespräch, die einem klar vor Augen führen, dass die Situation gar nicht so unge- zwungen ist, wie man(n) es gerne hätte.
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