Bonmot-Kisterl gesucht

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Während der Kaffee brodelt, noch schnell einen Eintrag (aha, heut fließt es richtig aus der Feder. Ja, manchmal gibt es diese besonderen Stunden, da könntest du ewiglich schreiben und dir käme es eigentümlich vor, wenn man dir sagte, dass es auch viele leere Stunden gibt, die keinen einzigen Satz aufs Papier zwingen).

Gester Abend die Abschlusspräsentation der AbsolventInnen des Verlegerseminars 2006/2007 unter der Leitung von Prof. Mazakarini besucht. Als ein Ehemaliger des Jahrganges 2004/2005 durfte ich natürlich nicht fehlen (warum dachte ich mir das?).

Dort kam es zu folgendem Dialog mit E.

„Hallo Richard. Entschuldige, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe … aber ich muss gestehen, ich hab dein Buch noch gar nicht gelesen … deshalb hab ich auch nicht den Feedback-Fragebogen ausgefüllt. Es ist nicht so meines … ich hab’s dir ja nur deshalb abgekauft … als Künstlerförderung, weißt? Ich hoffe, du denkst dann auch an mich, wenn es mal so weit ist.“

Nein, darauf hab ich nichts gesagt. Ich denke noch darüber nach. Was hätte wohl ein Oscar Wild oder George Bernard Shaw oder Alfred Polgar oder Karl Kraus in dieser Situation gesagt? Ärgerlich, dass mein Bonmot-Kisterl so wenig hergibt. Dass muss sich ändern. Gibt’s einen Workshop dafür?

Dann läuft mir S. über den Weg, die sich vor einem Jahr aus dem E-Mail-Verteiler herausgenommen hat („weil der Austausch der gegenseitigen Denkanstöße versiegt“ – da hat sie natürlich Recht gehabt; auf etwaige Anfragen zu einem Treffen per E-Mail- Aussendung fand es der eine, die andere nicht der Mühe wert, kurz zu antworten – das ist übrigens die neue Mentalität der schnellen Kommunikation: in Deckung gehen und sich tot stellen, bis der andere hoffentlich abhaut). Nur war ich aber jener welcher, der brav geantwortet und auch einiges mit ihr unternommen hat. Diese pauschale Absage hat mich dann doch gegiftet. Und nach einem Jahr steht sie wieder vor dir. Was tust du? Wie reagierst du?

Deshalb, ein guter Ratschlag, der nichts kostet: wenn du Bekanntschaften loswerden möchtest, dann solltest du dir vorher überlegen, ob es noch etwaige berufliche oder bekanntschaftliche Schnittpunkte gibt. Jemanden ans Bein zu pissen (drastischer: „fick dich“ – ja, wir sind hier nicht im Kindergarten-Blog) ist nur dann gerechtfertigt, wenn du mit der Bekanntschaft wahrlich brechen möchtest. Aber wenn es dir egal ist, wenn er oder sie dir in Zukunft über den Weg läuft, dann lässt man die lose Beziehung einfach ausrollen – anstoßen kann man sie später immer noch, wenn es sich ergibt und Sinn macht- aber nicht stoppen.

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2 Antworten zu „Bonmot-Kisterl gesucht”.

  1. Avatar von LillY
    LillY

    Jetza tust di aber net kränken.

  2. Avatar von Richard K. Breuer

    Für die LillY muss ich Extra-Würsteln braten – deine Kommentare liegen no immer im Spam-Ordner. Schlapperlot. Na, für dich hol ich sie natürlich gern aus dem Müllkorb.
    Kränken ist net das richtige Wort. Giften, ja, giften tut’s ein bisserl. Die Dosis reicht, um meinen Puls um 1 oder 2 Schläge zu erhöhen. Bei meiner phlegmatischen Seele schadet das ja eh net, oderrr?

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