Gestern war’s, als ich von Laura wissen wollte, ob sie mehr Kopf- oder Bauchmensch sei. Jedenfalls gab sie dem Kopfmensch die folgenden Eigenschaften:
ernst
kalt
nachtragend
gefühllos
Generell hätte ich es unterschrieben, bis mir bewusst wurde, dass ich/wir vielleicht einem Trugschluss aufsitzen. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass der Bauch egozentrisch ist. Alles will sich um ihn, um den Menschen, der fühlt, drehen. Die Natur, die nur das Beste für die Spezies will, kann gar nicht anders handeln. Sehr vereinfacht gesagt: wenn du hungrig oder durstig bist, also wirklich großen Hunger, großen Durst verspürst, dann wirst du dem anderen wohl kaum das Brot, das Wasser abgeben. Bist du sexuell motiviert (gilt für den Mann in erster Linie) bzw. verliebt, also an einer längerfristigen Beziehung interessiert (gilt für die Frau in erster Linie), so werden alle Register der Lieblichkeit, der Bösartigkeit gezogen, um an das Ziel der kurz- bzw. längerfristigen Begierde zu gelangen.
Kurz: wer seinen Gefühlen folgt, ist vermutlich mit sich im Reinen und zufrieden, aber für die Gesellschaft würde es ein Schlag ins Gesicht sein. Nur das Formen, Reglementieren und stetige Hinter- fragen der Gefühle macht ein Zusammenleben unter (zivilisierten) Menschen erst möglich. Wenn wir von Gefühlen und Bauch- entscheidungen sprechen, so verfallen wir dem Trugschluss zu glauben, sie sind gut und rein und warm und herzlich usw. Sie können es sein, durchaus, aber sie sind auch das Gegenteil. Hass! Neid! Wut! Aggression! Wer also vermeint, er solle mehr Gefühle zulassen (im Besonderen ist es ja zu meist die Frau, die ihren Mann überzeugen will, mehr Gefühle zuzulassen und sich wundert, dass sie am Ende nicht nur hübsche, wohlriechende Blumen, sondern auch hässliche, zuweilen schmerzhafte Kakteen bekommt), steht mit einem Bein außerhalb der Gesellschaft.
Denn, das sagt uns die chinesische Philosophie über den Dualismus, ist das eine ohne dem anderen nicht denkbar. Wer also unendlich zu lieben versteht, wird auch unendlich hassen können. Nur die positiven Gefühle zuzulassen, das ist gut gemeint, aber eben nicht möglich. Es gibt nur das gesamte Gefühls-Package im Angebot.
Die Ratio, die gestrenge Vernunft ist es also, die unsere Gefühle bändigt, sie verwahrt und (bei guter Führung) gerne mal für kurze Zeit in die Freiheit entlässt (wehe, sie kommen nicht mehr zurück!).
Gong!
Die 1. Runde ist damit zu Ende.
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