Heut mit M. viele Stunden im Café Prückel verbracht. Dort hält man’s aus. Da kann ich dann guten Gewissens das Fräulein Laura mit- nehmen. Rotzfreche Kellner gibt’s da nicht, höchstens überforderte Kellnerinnen.
Jedenfalls erzählte mir M. im bunten Cinemascope von ihrer mehrere Monate dauernden Reise in Peru und den Erlebnissen, die für drei Romane reichen würden. Mitten im Dschungel trifft sie ihre große Liebe – einen ehemaligen Priester, dessen Wurzeln in Öster- reich liegen. Erkrankt an Lungenentzündung. Durchlebt Nahtod- Erfahrungen (Steinschlag, Wildpferde, Murenabgänge, Unwetter am See, ‚Entführung‘ in eines der Armenviertel) und heilt den entzundenen Fuß eines Ur-Tirolers (ja, es gibt ein kleines Dorf, in dem die Alteingesessenen noch die tirolerische Mundart pflegen: „Huck di her da und nimm an Kas.“) durch eine simple Fußmassage. Mitarbeit in einem Spital. Die Belegschaft bekniete sie, länger zu bleiben. Schließlich kommt sie nach Wien zurück. Und will am liebsten wieder nach Peru.
Sie wird mir ihre in Peru verfassten intimen E-Mails zukommen lassen. Vielleicht machen wir daraus einen wildromantischen Schlüsselroman. Beruht ja alles auf einer wahren Begebenheit. Soll mir keiner kommen und sagen, das war schon hundert Mal da – oder ich hätte nicht genug Phantasie – oder zu viel. Das Leben schreibt nämlich immer noch die besten Geschichten.
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