Dass ich in den Genuss kam, die Pariser Lebensart Hautnah zu erleben, ist dem Umstand zu verdanken, Bewohner in einem kleinen Wohnhaus mit schmaler Wendeltreppe und herzigem Kleinstinnen- und Lichthof für 7 Tage zu sein. Dabei kommt es einmal zu folgender Situation: einer der Nachbarn dreht seine Stereolage derart laut auf, dass er damit den Innenhof und damit das ganze Haus beschallt. Nach einer (halben?) Stunde oder so, bequemt sich ein älterer Herr mit seiner Frau zum Nachbar, klopft lautstark an. Die Türe wird geöffnet, die Musik leiser gedreht und dann viele lange Minuten ein Gespräch geführt, das ich freilich nicht verstehe. Ich frage mich jetzt noch, was haben die sich lang und breit erzählt?
In Wien würde die Situation so behandelt werden:
10. Bezirk (Arbeiterbezirk): ein Fenster würde aufgerissen werden und jemand herausschreien: „Hearst, bist deppert! Mach die Musik leisa oder i kumm umma!“
6./7. Bezirk (Kreativbezirk): „Du, würde es dir was ausmachen, die Musik vielleicht eine Spur leiser zu drehen. Ich bin gerade dabei, einen House-Sampler zusammenzustellen. Wenn du willst, lass ich dich mal reinhören.“
1. Bezirk (Nobelbezirk): „Ich möchte Sie bitten, die Musik leiser zu machen. Danke! [falls das nicht geschieht] Haben Sie nicht gehört? Ich kann das auch anders regeln, wenn Sie das möchten. Gut. Sie hören von meinem Anwalt.“
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