Zwei Tage vor der Abreise die Einladung zu einem Fest Noz, einem Nachtfest der Bretonen in Plestin-les-Grèves. Wer kann da schon nein sagen? Mit Carine (meiner Schweizer Gastgeberin, die schon seit Jahren hier lebt) und zwei ihrer Zürcher Freunde zum Fest.
Der größere Saal ist mit einer Bühne ausgestattet, auf der zwei Musiker Platz genommen haben. Die Leute stehen an den Seiten, so dass der größte Teil des Saales leer ist. Eigenartig, denk ich mir. Bis die Musik einsetzt und die tanzfreudigen Bretonen in die Mitte gehen, sich aufstellen, sich einhängen und sich gemeinsam im Takt der Musik (die sich für mich sehr irisch anhört) bewegen. Beim zweiten Lied darf ich auch mitmachen – weil mich eine Dame aufs Parkett entführt. Sie zeigt mir kurz die Schrittfolge – nach dem ich ihr sage, dass ich aus Österreich komme, kramt sie ein paar deutsche Wörter aus (sie hat Freunde in Bayern) und zählt für mich: „vier … acht … vier … acht …“ – dabei ist immer das Linke Bein ein wenig anzuheben, seitlich abzustellen. Die Dame bildet die Spitze (wie ich später erfahre, ist derjenige, der an der Spitze der Schlange ist, jener, an dem sich die anderen orientieren – BRAVO! Vermutlich fragen sich alle, wer der Kerl mit den langen Haaren ist, der da so unbeholfen neben ihr herumstolpert). Wenigstens, denk ich mir, machen auch schon die kleinen Kinder mit – und schlechter als die, mach ich’s auch nicht. Äh … behaupte ich mal.
Nach einigen Tänzen darf ich sagen, die attraktivsten Bretoninnen aus der Gegend von Plestin an der Hand bzw. am kleinen Finger gehabt zu haben. Das muss mir mal erst jemand nachmachen. Besonders das Einhaken der kleinen Finger finde ich grenzwertig gut. Gerade in Zeiten, in denen man sich berührungstechnisch aus dem Weg geht. Und irgendwie, das getraue ich mir zu sagen, schießt einem die wohlige Kraft von hundert Menschenseelen in den Körper. Ja, solche gemeinschaftlichen Tänze sollte es mehr geben – denn Herkunft und Sprache ist kein Hindernis, nein, es gilt, einfach in der Balance zu sein – und im Takt. Der Rest ergibt sich. Wunderbar!
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