1967

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Als Simon & Garfunkel 1967 dieses Lied ‚Homward Bound‘ zum Besten gaben, war die Welt nicht besser oder schlechter als heute. Eines aber muss sie gewesen sein: in der Stimmung eines Aufbruchs! Das ist das Besondere an all den Revolutionen – und die 1968er waren ja nichts anderes als eine gesellschaftliche Revolution – dass es eine positive Hoffnung gibt, die so viele Menschen kollektiv, gemeinsam zum Träumen bringt. Darin liegt auch der Keim des Niedergangs versteckt: zu viele Träume, zu wenige Taten – oder anders gesagt: die jungen Menschen haben von Liebe und Frieden gesprochen, aber der Magen knurrte und konnte weder mit Musik weggehört, noch mit Sex wegorgasmiert, noch mit Drogen weghalluziniert, noch mit Diskussionen weggeredet werden. Und eh sich die Revolutionäre über ihre Ziele bewusst wurden, waren sie gezwungen (nein, gezwungen hat sie natürlich niemand – außer der Hunger), sich ihr Brot zu verdienen (denn stehlen oder es jemanden wegnehmen wollten sie nicht). Und damit endet aller Versuch eines Neuanfangs. Weil Visionen für ein Stück Brot aufgegeben werden. Das ist die Natur des Menschen. Gestern. Heute. Morgen.

Man sehe sich also nur in Ruhe diese Aufzeichnung an. Aus dem Jahre 1967. 40 Jahre ist es jetzt her. 40 Jahre! Und man meint, das Leben wird nie wieder so einen Moment auf die Bühne bringen. Weil die nächste Revolution, so viel ist mir bewusst und gewiss, keine friedliche sein wird. Und dass sie kommen wird, nun ja, steht außer Frage. Wer möchte daran zweifeln?

Damit ist wieder ein Lebenszeichen gegeben. Und derweil stecke ich erst im Jahre 1788 … da sind die Blutgerüste und Massenverurteilungen noch weit, weit weg.

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6 Antworten zu „1967”.

  1. Avatar von bluna
    bluna

    Ah, ein Lebenszeichen. Immer gut sowas.
    Toller Song. Übrigens.
    Oh, könnte jetzt eine ganze Abhandlung über Revolution etc. schreiben, aber ich bezweifle dass das irgendjemanden hier interessiert 🙂

  2. Avatar von Richard K. Breuer

    Na, wär ja ein Armutszeugnis, wenn es mich net interessieren tät, oderrr? 😉

  3. Avatar von bluna
    bluna

    Aber sag nicht, ich hätte dich net gewarnt!!

  4. Avatar von bluna
    bluna

    Revolution – hier und jetzt ?

    Na, jetzt hab ich vielleicht ein bisschen viel versprochen. Um eine wirkliche Abhandlung über Revolutionen zu schreiben fehlt mir eindeutig die Zeit und ehrlich gesagt auch die Lust.
    Aber was ich verspreche halte ich auch (meistens).

    Aber dein Text hat mich dann doch ein bisschen zu einem klitzekleinen Beitrag inspiriert.

    Nächste Revolution ? Man stelle sich vor, jetzt im Moment steht draußen einer auf der Straße und ruft auf zur großen Revolution. Schrille Alarmglocken bimmeln. Was machen wir ? Heben langsam den Kopf und drehen uns zur Seite.
    Rebellion, was ist das schon ?
    Viel zu anstrengend und bringen tut es eh nix. Und gegen was sollten wir uns überhaupt auflehnen? Wurde ja doch schon gegen alles demonstriert. Haben ja Generationen vor uns schon zur Genüge gemacht. Bei uns gibt es keine Randgruppen mehr. Alles wird toleriert. Wer auffallen will, muss sich schon was besonderes einfallen lassen.
    Wer früher als Punk für seine Ideale kämpfte muss heute mit ansehen wie Scharen von Jugendlichen ins Einkaufscenter stürmen um sich möglichst punkig einzukleiden. Sind natürlich alle gegen den Kapitalismus und alles Böse dieser Welt. Verkehrte Welt !?
    Diese hochgelobte und natürlich auch wichtige Toleranz nimmt uns den Raum für Protest. Punk? Gibt es nicht, kennen wir schon. Hippie ? Auch schon mal gewesen.
    Uns fehlt ganz einfach die Möglichkeit, Protest auszudrücken, wie all die Menschen es vor uns getan haben. Heutzutage besuchen wir ein G8- Gipfel- Konzert, erfreuen uns an den Bands und sehen uns als echten Rebellen.
    Klar sind uns diese Probleme nicht gleichgültig. Natürlich stört uns vieles. Aber das war es auch schon wieder. Die fehlende Ausdruckskraft macht so eine Rebellion müßig.
    Wenn wir uns schon erheben, dann soll ja wohl am Ende auch bitte was bei herauskommen. Aber weil wir wissen, dass es nichts nützt, lassen wir es lieber gleich ganz bleiben.
    Generation Faul ? Nein, na ja, vielleicht ein bisschen. Generation Weiß-nicht-wie wohl eher.

  5. Avatar von Richard K. Breuer

    Mit anderen Worten: Gebt uns einen König, auf dass wir gegen ihn revoltieren können. Das ist ja die Krux der modernen Gesellschaft: man weiß nicht, wem man seine Unzufriedenheit an den Kopf werfen kann – und die Gesellschaft versteht es, einem eindringlich vor Augen zu führen, dass man die eigene Unzufriedenheit selber verschuldet hat. So bleibt nichts anderes über als sich zu fügen. Platz genug auf der Galeere. Jeder hört die Trommeln, die den Takt schlagen, oder?

    Die bluna war fleißig. Gibt ein dickes Plus!

  6. Avatar von bluna
    bluna

    Dito.

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