Ich treffe Maw, liberal-alternative Grafikerin mit Dreadlocks, im Café „das moebel“. Zu allererst erzähle ich von den vielen Bänden, die ich nächstes Jahr veröffentlichen möchte. Demzufolge bräuchte ich ein Buch-Cover von ihr. Wir einigen uns. Wunderbar. Sie: „Ich habe schon Kinderbücher illustriert. Aber in der Buchbranche ist leider kein Geld zu verdienen.“
Danach höre ich, wie zeitaufwendig (4 Stunden) und durchaus unangenehm es sein kann, sich Dreadlocks machen zu lassen: „da werden dir einige Haare ausgerissen“; „danach darfst du dir 4 Wochen lang nicht die Haare waschen, was sich aber schlimmer anhört als es dann ist“; wobei die Vorteile den Nachteil dieses Martyriums aufwiegen: „gibt nix besseres als Dreadlocks, das Haar hat immer Volumen und du musst dich in der Früh nicht in den Spiegel schauen, weil du weißt, wie sie aussehen. Außerdem kannst du dann so sein, wie du bist, weil dich die Leute anders wahrnehmen.“ Respekt.
Ich frage sie, warum mir das Freistellen einer Grafik so schwer fällt. Erleichtert höre ich, dass es nun mal nicht einfach ist. Als kleine Aufmerksamkeit habe ich nun ihr „Bild“ freigestellt (ja, sie ist kamerascheu). Ich habe mich wirklich bemüht. Trick: das Bild verkleinern.
Ich erzähle von Tiret und der französischen Revolution, von meinen Absichten und Überlegungen. Der Bogen spannt sich zur Gegenwart, zum Problem, dass die meisten Leute nicht mehr nachdenken wollen. Und was der Einzelne dagegen tun kann (ich: „Ich schreibe ein Buch darüber.“ – sie scherzhaft: „Ich mache Grafiken.“). Überhaupt, dass die monotheistischen Religionen mehr Probleme bereiten als sie lösen. Dass wir Teil des Problems sind – weil wir konsumieren und damit ein Räderwerk am Laufen halten, das niemand durchschauen kann, weder Politiker noch Wirtschaftsbosse, weder Philosophen noch Schrifsteller.
Schließlich kommen wir überein, dass sie und ich, dass wir unseren gerechten Beitrag, soweit möglich, leisten. Ob es fruchtet und etwas bewirkt, nun, das wird sich erst weisen.

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