Zugegeben, die E-Mail, die ich gestern von vd bekam, ist eine per- sönliche. Trotzdem erlaube ich mir, die Nachricht zu veröffentlichen. Warum? Weil diese Zeilen jedermann und jederfrau gehören. Egal, wo sich der Leser, die Leserin gerade aufhält. Ob in West- Deutschland. Ob in Österreich. Ob in der Schweiz. Überall gibt es ein „Ostdeutschland“. Aber dieses „Ostdeutschland“ definiert kein Land. Es definiert vielmehr eine Einstellung.
Man höre hierzu Wolfgang Ambros A Mensch möcht I bleibn
[TEXT] Ich verstehe diese Leute nicht, ich verstehe dieses Land [Ostdeutschland] nicht. Keiner hat ein gutes Wort für den anderen, alle meckern nur und können nicht schätzen das, was sie haben. Ich möchte nach Westdeutschland. Wessis haben eine völlig andere Ausstrahlung, andere Manieren und sind mehr gebildet und kultiviert. Es gibt hier so gut wie keine, die von Ideen, von überzeugungen leben, die anderen helfen.
Ich dachte, hier lebt das Volk der Dichter und Denker, stattdessen sehe ich hier eine Konsumgesellschaft, die kein Hochdeutsch kann. Ich möchte jetzt nicht schlecht reden, es gibt auch hier genung Akademiker und Intellektuelle. Deswegen sagt dir kein Verleger: Mensch, Richard, ich glaube an dich, ich bin auch bereit, in dich zu investieren. Nein, sie wollen einfach den Umsatz machen.
Ich habe hier von einer Frau gehört, Deutschland erlebe jetzt seinen Untergang.
Ich finde das unendlich traurig. Ich finde auch traurig, wenn eine Frau aus Indien an der Kasse im Supermarkt nicht begrüsst wird, oder wenn Polen im Zug einander erzählen (auf polnisch natürlich), dass sie sich hier ausgeschlossen fühlen.
Was aber wirklich schlimm ist, dass wir nicht mehr so begeisterungsfähig und unschuldig sind, wie kleine Kinder.

Hinterlasse eine Antwort zu Richard K. Breuer Antwort abbrechen