Mikrokosmos Erfolg

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„Du bist ein Genie!“, empfängt mich S. an der Rezeption ihrer Firma. So fühlt es sich also an, wenn man bejubelt und beklatscht, hofiert und herumgereicht wird. Im Kleinen. Sozusagen durch das Mikroskop betrachtet. Aber was im Kleinen gefühlt und gedacht wird, wird auch im Großen gefühlt und gedacht. Keine gravierenden Unterschiede.

S. hat gute Kontakte zur Filmwirtschaft. Sie arbeitete ein paar Jahre in Hollywood (sagen wir: Los Angeles), ist wieder in Österreich und versucht seit längerem etwas auf die Beine zu stellen. Sie erzählt mir von amerikanischen TV-Komödien, die sie begeistern, die es aber noch nicht über den großen Teich geschafft haben. Sie gibt mir DVDs „zur Inspiration“. Und so kommt eines zum anderen. Wir erarbeiten in aller Schnelle ein Konzept für eine TV-Komödie und ich schreibe einmal ein grobes Gerüst für eine Episode. Ich gehe es mit ihr durch, sie will, dass ich daraus ein Drehbuch mache.

Gesagt, getan. Nach einer Woche liefere ich die erste Fassung ab. Sie gelingt nicht schlecht – aber es gibt Einwände („die Sprache ist zu heftig, Frauen könnten sich beleidigt fühlen“). Also überarbeite ich das Script. Glätte und schleife die Ecken ab. Zwei Tage später schicke ich ihr also Version Numero 2. Nach wenigen Minuten ruft sie mich an. Ist außer Atem, vor Aufregung. Obwohl sie nur die ersten Seiten gelesen hat, bemerkt sie, die Änderungen und ist hin und weg („als wäre es ein neues Drehbuch“).

script2

Tage später pitcht* sie das Drehbuch einem Produzenten.
Er wird es lesen.

Nun warten wir gespannt, was daraus wird. S. ist euphorisch, ich kann sie nicht zügeln („ich wüsste keinen Grund, warum er es nicht nehmen sollte“), sie spekuliert, sie träumt, sie hofft, sie wünscht. All das kennt ein Künstler zur Genüge. Seltsam ist es, wenn ein anderer sich in Illusionen verliert, die man selbst in die Welt geschrieben hat. Irgendwie faszinierend. Wenn gleich an diesem Drehbuch nicht mein Herz hängt. Apropos. Habe ich schon gesagt, dass ich heute Lektorin N. treffe, die mein Erstlingswerk gelesen hat? Ich werde heute mit ihr über eine mögliche Veröffentlichung reden. Ja, da bekomm ich Herz- flattern, wenn ich an die kleine Azadeh denke …

* pitchen/pitching: jemand von etwas überzeugen; zumeist handelt es sich dabei um Projekte im Kino-, TV- und Showbuisness.

6 Antworten zu „Mikrokosmos Erfolg“

  1. Avatar von pebowski

    Er wird ja doch noch reich, berühmt und hochverehrt, unser guter RKB! 😉

  2. Avatar von Sue

    Und wenn er einmal reich und berühmt und hochverehrt (ist er letzteres nicht schon), wird er wohl sich unserer nicht mehr erinnern, nach Amerika auswandern, einen Stern bekommen, vielen Leuten die Hand schütteln, den Oscar gewinnen, ev. sogar die „Goldene Himbeere“ (Man darf ja noch ein bisschen träumen),…
    … und unsereins wird dann vereinsamt auf den nächsten Teil von Tiret warten. *seufz* 😦

  3. Avatar von Richard K. Breuer

    Und wenn er einmal arm und vergessen und belächelt (ist er letzteres nicht schon), wird man sich an seiner nicht mehr erinnern, nach Albanien (der Lebenshaltungskosten wegen) auswandern, eine am Schädel bekommen (und Sterne sehen), vielen Leuten die Hand schütteln (um Bücher, Scripts und dergleichen mehr zu verkaufen), den Oscar gewinnen (der Freund vom Augustin) und an einer sauren Himbeere lutschen (man darf ja noch ein bisschen schwarz malen), …

    … und wer wartet da noch auf den „nächsten Teil von Tiret“? Bitte durchzählen.

  4. Avatar von Sue

    Ich *handindieHöhereck*, hab‘ nämlich noch Geld übrig, hab’s beim ersten Teil gespart. *lach* 🙂

  5. Avatar von pebowski

    Me 2

  6. Avatar von Richard K. Breuer

    Aha. Schau mal einer an. Sue und Pebo sind hartnäckiger als ich dachte. Na, dann würd ich sagen, ich kopier euch einfach das Manuskript 😉

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