Big Brother, watch me, please!

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Das Web eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, einerseits über sich viele Informationen preizugeben, andererseits über andere viele Informationen einzuholen. Gestern lernte ich A. kennen. Sie ist die neue Freundin von M., den ich schon seit Ewigkeiten kenne. Als ich mich nach einer netten Plauderei verabschiedete, fragte ich nach ihrer WebSite, von der sie im Gespräch erzählte. Sie gab mir die Adresse.

Heute habe ich sie mir durchgesehen, die WebSite. Und bin einigermaßen verblüfft. Weil ich dachte, die Menschen halten sich wohlweislich bedeckt, aus der Befürchtung (Angst) heraus, dass jemand die privaten Informationen auszunutzen oder missbräuchlich zu verwenden weiß. Da kann die LillY ja ein „Stalker“-Lied singen.

A. hat hier aber keinerlei Ängste. Mehr noch, ich konnte auch ihre privaten Tagebucheinträge lesen, die das eine oder andere, sehr persönliche, Detail verrieten. Wie geht man als Außenstehender damit eigentlich um? Wenn man Web-Puzzlestücke mit dem wirklichen Leben in Verbindung setzen kann? Wenn man mehr weiß, als man vielleicht wissen wollte?

Erinnert mich an Tom, dem ich einmal eine Geschichte erzählte und er mir sagte, dass er es schon auf meinem Blog gelesen habe. Merkwürdig ist es, wenn es in Zukunft nicht mehr heißt: „Hab ich dir das schon erzählt?“ sondern: „Hast du’s schon gelesen?“

Und was, wenn andere meine Web-Puzzlestück (davon gibt’s genügend) mit meinem richtigen Leben in Verbindung setzen? Dann ist das nicht nur dumm gelaufen, sondern blöd gebloggt. Sozusagen.

9 Antworten zu „Big Brother, watch me, please!“

  1. Avatar von wortman

    stimmt…“hast du’s schon gelesen“ dürfte in zukunft eine größere rolle spielen.

    was man auf einer webseite von sich preisgibt, inwieweit es persönlich, sehr privat etc. ist, das bestimmt die person. dementsprechend sollte man auch wissen, dass andere immer irgendwelche linien durch das „unbekannte gegenüber leben“ ziehen werden.
    am interessantesten sind die pages für personen, die gelernt haben, zwischen den zeilen zu lesen. da weiß man manchmal mehr als der eigentliche schreiber 😉

    ob nun blöd gebloggt oder dumm gelaufen, im grunde setz ich doch voraus, dass man/frau sich ein bild von mir macht…selber schuld, wenn man nicht nachfragt, ob das bild stimmt, oder?

  2. Avatar von Richard K. Breuer

    fragt sich nur, für wen es am Ende blöd ist.

    Wenn es stimmt, machen sich auch Headhunter oder Personalberater über potenzielle Bewerber im Web schlau. Klar. Würde ich auch machen, wenn ich jemanden einstelle 😉

  3. Avatar von wortman

    ich denke schon, dass manche firmen auch im web nach informationen bezüglich möglicher neuer mitarbeiter suchen. warum auch nicht 😉

    wie gesagt, es liegt ja an jedem selber, wie „öffentlich“ er sich auf seiner seite macht.

  4. Avatar von LillY
    LillY

    Bei privaten Dingen muss man immer eine Grenze ziehen. Als exzessiver Blogger (schreibt fast täglich einen oder mehrere Beiträge) kann man natürlich sehr viel aus der Person herauslesen. Wenn man sie dann noch dazu nicht besser kennt, spielt dann auch ein wenig die Fantasie dazu, die dann fatal ist.
    Ich würde A. einen „heißen“ Tipp geben, diese allzu privaten Details nicht zu veröffentlichen. Wie du schon erwähntest, wird im Netz von Arbeitgebern gerne recherchiert. Jetzt nicht um Webseiten, oder Blogs speziell zu suchen, aber man wird einfach bei google nach Relevanz gelistet. Besonders peinlich, wenn man Blogeinträge während der Dienstzeit verfasst.
    Ich frage mich, ob man früher auch sein Tagebuch offen am Tisch liegen ließ, um andere über seine privatesten Dinge zu informieren.

  5. Avatar von Richard K. Breuer

    Phantasie ist aber bitteschön nicht phatal.

    Aber das mit der „Dienstzeit“, auf das hätt ich bis jetzt nicht gedacht. Ist aber ein guter Einwand!

    Das Tagebuch, das offen am Tisch liegt, ist ja ein „spezielles“ Tagebuch und nicht ein echtes. Da es am Tisch liegt, möchte man, dass es gelesen wird. Das einzige Manko: man kann sich nicht aussuchen, wer darin liest und was jemand daraus macht.

  6. Avatar von pebowski

    Fatal könnte natürlcih acuh werden, dass man unliebsame Einträge nicht mehr so schnell los wird, wenn sie mal im Cache von Google sind …

  7. Avatar von nirakatak

    Als Frischling bin ich auch immer wieder am überlegen, was ich da auf den blogg rauf gebe oder eben besser nicht „so“ öffentlich aufbereite .
    Im Prinzip bin ich ja von Amt’s-Wegen in vielen Bereichen gläsern.
    Aber Stalker fallen in einen anderen Bereich.
    Einer verfolge mich vor Zeiten am Telefon. Da war dann eine Geheimnummer die Lösung.
    Ein GeheimBlogg soll es ja aber auch nicht sein.
    Tja, …

  8. Avatar von wortman

    @pebowski: ich sehe das anders. wenn man „fatale“ sachen postet, macht man es im vollem bewusstsein 😉 wenn etwas fatal für mich sein könnte, lass ich es im vorfeld schon sein.
    @richard: wenn du dir aussuchen willst, wer darin liest und was er daraus macht, musst du einen blog mit password versehen 🙂 im grunde wollen wir ja, dass es gelesen wird… und wenn jemand etwas „falsches“ draus macht, werden wir der person schon den hosenboden langziehen. und wenn nicht, ok…dann wird man über kurz oder lang wissen, wer seine wahren freunde sind 🙂

    ich denke, man muss ganz einfach zwischen reinen privaten blogs und denen, wo man etwas mit erreichen will (politisch, sozial, künstlerisch etc.) unterscheiden. bei einem „nichtprivaten“ blog erwarte ich als besucher auch den realen namen des inhabers. wer sich z.b. bei politischen blogs hinter seinem nicknamen verschanzt, ist für mich nicht relevant… bzw. behaltenswert.

  9. Avatar von Richard K. Breuer

    Ich glaub ja, das Hauptproblem heutzutage (und noch mehr in der Zukunft) ist eigentlich nicht, was die Leutchen aus dem Gebloggten machen, sondern vielmehr, ob die Sachen überhaupt von Leutchen gelesen werden, abseits des Bekannten- oder Verwandtenkreises.

    Anfänglich dachte man sich, die Blogger hätten keinerlei „Leistungsdruck“, könnten sich Themen aussuchen, die nicht (in erster Linie) darauf abzielen, marktschreierisch oder hip zu sein. Tja …

    Bei der Überfülle an virtuellem Geschreibsel …

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