Heute die Buch Wien 08 – die internationale Buchmesse besucht. Auch nur deshalb, weil Peter Bosch am Messestand seines Verlages Albatros zugegen war und ich ihm versprach, ihn zu besuchen. HF. kam ebenfalls vorbei, weil ich ihn dazu überredete. Dieser wiederum überredete uns zum KulturKontakt Austria Stand zu kommen, wo uns unter anderem Marija vorgestellt wurde. Sie ist Kulturmanagerin aus Serbien und für kurze Zeit in Wien. Nach vielerlei Gespräch ging es dann zum Vortrag von Roland Girtler – Soziologe und Original im besten Sinne. Gäbe es nur mehr solcher Unikate, das universitäre und literarische Leben wäre amüsant und bodenständig. Man könnte sagen: zum Angreifen. Einfach köstlich. Dann der Vortrag mit Gerald Groß, der davor warnte, sein Wissen nur aus dem Web zu beziehen und die Quellen, die dahinter stehen, nicht zu hinterfragen (vor allem gilt es natürlich für Wikipedia und Google – als Alternative kann ich übrigens http://www.zeno.org empfehlen. Dort sind die alten (und jetzt gemeinfreien) lexikalischen Nachschlagewerke eingescannt und abrufbar gemacht worden. Ein Eldorado für Schriftsteller, die an historischen Stoffen arbeiten. Oder weiß jemand, dass es anno dazumal den Beruf eines Scheidekünstlers gegeben hat? Der stellte übrigens schlicht und einfach Mineralwasser her.) Wer Mitglied der Österreichischen Nationalbibliothek ist, hat übrigens Zugriff auf den aktuellen Brockhaus: link. Eine Auflistung aller abrufbaren Nachschlagewerke gibt es hier: link. Es muss also nicht immer nur Wikipedia sein.
Mit einem hübschen Lächeln verführte uns Marija später zum Messestand der Serbischen Vertretung und kredenzte nicht nur starken Rotwein, sondern einen Einblick in die serbische Lebensart. So erfährt man, dass die wenigsten Bewohner des Balkans ihre Nachbarländer besuchen. Dass die Serben es begrüßen, wenn sie ausländische Gäste besuchen, so lange sie open-minded sind (sie meinte, ich würde gut passen; ich vermute, ich habe es meinem Bohème-Aussehen zu verdanken, denn tief innerlich bin ich ja ein Alt-Wiener-Fin-de-Siècle-Monarchistenverklärender-„Gott erhalte, Gott beschütze“-Schriftstellertunichtgut). Jedenfalls schwärmte Marija von Lala Rascic, die am 9. Dezember eine Werkpräsentation in Wien abhalten wird. Ihren Blog hab ich gefunden (Google sei Dank). Im Übrigen meinte Gerald Groß, dass man vorsichtig sein sollte, welche Fotos man ins Internet stellt („das größte Archiv der Menschheit“), da man nie weiß, ob man nicht mit diesen Bildern Jahre später konfrontiert wird. Deshalb hab ich das anonyme Foto gemacht. Man stelle sich vor, ich wäre darauf abgebildet. Die Schlagzeile sehe ich vor mir: „Wiener Eigenverleger verbrüdert sich mit Serbischen Literatur-Extremisten“. Der Wein war in der Tat ziemlich stark. Und geschneit hat es auch. In Wien.
Tiret² (Brouillé) hat eine vernichtende Kritik einstecken müssen („aua!“). Zu recht, wie ich gestehen muss. Das heißt, ich muss nun die Ärmel hochstricken und überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten. Ich wollte es nur gesagt haben, damit ich mich später daran erinnere, wie mühsam und schweißtreibend es ist, ein Manuskript auf Vordermann zu bringen. Was wirft man weg? Was behält man? Anfänglich ist es ein zäher Kampf. Bis man so weit ist, keinen Stein am anderen zu lassen. Geschüttelt, nicht gerührt, sozusagen.
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