Gestern, im Künstlerhauskino, die Premiere zur Wolf-Haas-Verfilmung „Der Knochenmann“. Stilgerecht gab es Gulasch und gebackenes Huhn, samt Kartoffelsalat, VOR der Vorstellung. Nachher hätte es vermutlich den einen oder anderen sensiblen Magen gehörig rotieren lassen. Deshalb, gleich vorweg: für Zartbesaitete kann der Film schon an die Grenzen des Erlaubten und Erträglichen gehen.
Wer den Inhalt des Filmes nicht kennt, bitte sehr: www.skip.at
Kurzkritik: Wer einen Hader-Brenner-Film erwartet, wird wohl nicht enttäuscht werden (ohne die Bücher zu kennen); für eine österreichische Produktion muss man schon den Hut ziehen, was da so an Einfällen aus dem kostengünstigen Hut gezaubert wird. Allen voran die seltsame Geräuschkulisse der Sofasurfers, die wunderbar zur Stimmung des Films beiträgt. Soundtrack-Auskoppelung wird es wohl keine geben. Die Kameraarbeit zu Beginn des Filmes, während der Credits, ist erste Sahne. Respekt! Die Schauspieler-Riege ist natürlich vom Feinsten, da gibt’s nix zum Rütteln oder Schütteln. Josef Bierbichler gibt eine barvouröse Vorstellung eines g’standen Wirten zum Wundern (oder Fürchten, je nach dem) und Birgit Minichmayer lässt ihre Erotik spielen (davon hat sie ja eine Menge). Josef Hader mimt den Brenner wie eh und je souverän (man könnte meinen, er hätte nie etwas anderes gespielt), diesmal aber verliebt (naja, der Liebesplot kommt ein wenig dünn daher) und ein wenig daneben stehend (jaja). Simon Schwarz hellt den (zutiefst morbid dunklen) Film wieder auf und sorgt für garantierte Lacher.
Eines fällt aber auf: „Der Knochenmann“ ist kein Krimi mehr, nicht im herkömmlichen Sinne, wie die vorangegangen Filme der Serie. Brenners einzige detektivische Großtat ist es, einen abgetrennten Finger im Keller zu finden, dort, wo die Hühnerrestln zerkleinert werden (Details spare ich jetzt besser aus, das sollte man gesehen haben). Ansonsten tut er nicht viel, im Gegensatz zu den anderen „Gestörten“. Am ehesten könnte man den Film als schwarzhumorigen Thriller mit Splatter-Einlagen klassifizieren. Gute Unterhaltung ist jedenfalls garantiert, wenngleich, wie anfangst erwähnt, man einen guten Magen braucht. Ach ja, der Hader und die Minichmayer (besser: Brenner und die Löschenkohl-Schwiegertochter) werden intim (vulgo: haben Sex). An dieser Szene kann man gut erkennen, dass man einen österreichischen Film sieht. Warum? Die Frage erübrigt sich, oder?
8/10
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