
Nun gut. Hier also der letzte Entwurf des Buchumschlags, vulgo Cover, zum neuen Werk. Sieht schon ganz passabel aus – sagt der Macher, was generell nicht viel zu bedeuten hat. Sei’s drum. Zugegeben, vor ein, zwei Tagen kurz einen der gefürchteten zweiflerischen Anfälle bekommen („doch eine andere Schriftart?“), der aber gottlob ohne Schrammen und Blessuren vorüberzog („Augen schließen, tief einatmen, an etwas Schönes denken – und langsam ausatmen“). Übrigens schreibe ich diesen Beitrag im Apple-Browser Safari. Nein, Mac hab ich keinen. Normalerweise verwende ich ja Firefox, aber der braucht hin und wieder eine Auszeit – ziemlich überladen mit Add-ons, die sich in die Haare kriegen. Tja. Zufrieden bin ich nicht mit Safari. Komm mir vor, wie der Erstklassler vor dem Schultor („Wo ist meine Schultüte, Mami?“), der nicht weiß, was einen erwartet. Jede neue Software heißt „zurück zum Start“ (im Gegensatz zum DKT/Monopoly gibt’s aber keine 200 Mücken!) und wer will ewig die Schulbank drücken (hörte ich die Pausenglocke?).
Vor einer Stunde standen mir übrigens die Schweißperlen auf der Stirn und mein Herzschlag näherte sich gefährlich der Werksgarantie. Der Grund? Eine kleine Hand erschien und wollte partout nicht verschwinden. Klingt das strange? Gut. Hierzu bedarf es einer kleinen Erklärung. RKB – that’s me, folks – setzt sich voller Elan an den Schreibtisch und öffnet Adobe InDesign und Photoshop. Möchte weiterarbeiten (es gibt ne Menge zu tun, wirklich) und denkt sich, hola, der Buchumschlag gehört jetzt endlich mal in die weite Webwelt getragen – dazu bedarf es natürlich einer Reduzierung von 300 dpi auf 100 dpi – wir wollen ja nicht den Rahmen sprengen, nicht? Gesagt getan. Ich mache das. Und mit einmal ist mein Pfeil-Cursor ein Hand-Cursor. Seltsam?, denke ich mir. Ich suche nach einer Lösung für dieses Phänomen, denn ohne Pfeil, keine Musi(k). Die Hand ist nett, aber der Pfeil arbeitet. Tja. Ich wechsle ins InDesing und … hola, mich trifft der Schlag. Auch dort die Hand und kein Pfeil. An arbeiten ist nicht zu denken, denn mit der kleinen Hand kann man gar nicht – weder markieren, noch auswählen. Okay, mit erhöhtem Pulsschlag leite ich die erste Notfallsmaßnahme ein: Anwendungen schließen und neu aufrufen. Gesagt, getan. Gleiches (schockierendes) Ergebnis: ein Händchen, kein Pfeil! Schweißtropfen machen sich bemerkbar. Zweite Notfallsmaßnahme: man fahre das System herunter und wieder hinauf. Gesagt getan – zwischenzeitlich müssen Stoßgebete gen Himmel gerufen werden (Marc Cohn sagt übrigens, dass der Herr da oben einen silbernen Thunderbird fahren würde, falls er es nötig hätte, zu fahren). Um die lange Geschichte kurz zu machen: alles läuft wieder wie gehabt: ein kleiner Pfeil tut, wie er soll. Das (eiskalte?) Händchen ist wieder im digitalen Nichts verschwunden. Aber ein wenig sitzt der Schock noch ordentlich. Könnte es mich wieder aufsuchen? Und merkt man daran, dass wir Digitalen Freaks allesamt nicht richtig ticken? Ja, schön langsam muss man sich gehörig Sorgen machen. Aber jetzt habe ich genug Adrenalin verschossen, jetzt gilt es, am Layout weiterzuarbeiten. Das ist übrigens auch eine eigene Geschichte. Es ist, als würde man einem Kind eine Sandkiste zum Spielen geben. Das digitale Layouten kennt keine Grenzen mehr. Während die alte Drucktechnik mit ihren Bleilettern noch eine Unzahl an Reglementierungen bereithielten (an die Profi-Setzer noch immer rigoros festhalten), kennt der Digitaldruck keine Grenzen mehr (wiederhole ich mich?). Alles ist möglich, nichts unmöglich. Jetzt nehme man einen Schreiberling, der von seiner Schreibe überzeugt ist und diese ins rechte Licht rücken möchte, der Zeit und Muße hat, sich auszutoben und dem man ein paar niedliche Werkzeuge mit auf den Weg gibt (zum Beispiel: das Internet und damit die Möglichkeit, 1,2 Billionen Schriftarten zu finden – gestern habe ich übrigens zwei sehr auffällige Fonts ausfindig gemacht, die im Buch ihren Auftritt haben werden). Wichtig ist natürlich, dass der Text diese designtechnischen Spielarten verträgt. Ein staubtrockener, ernster Roman würde nur lächerlich gemacht werden. Aber eine augenzwinkernde, absurde Komödie kann dadurch aufgepeppt werden und den Witz unterstützen (freilich, die Gefahr, es zu übertreiben ist immer gegeben). Und die größte Gefahr, die ich kenne, ist, dass ich plötzlich eine leere linke Seite zur Verfügung habe. Natürlich könnte man sie leer lassen (fad) oder sie mit Inhalt füllen (yippie). Jessebird – Germane seines Zeichens – fragt sich, ob es denn ein Glossar geben würde, mit den Wienerischen Ausdrücken. Daran dachte ich in der Tat einmal kurz nach, verwarf es aber wieder und jetzt, trarar, feiert es fröhliche Urständ. So leere Seiten können mit ein paar hübschen Vokabeln garniert werden. Beispiel gefällig? Schnapsidee, Rotzbuben, Hirnederl (schreib man das so? Im Ö-Duden steht’s net), abfackeln, Klumpert, Ismirblunzen, papierln und so weiter und so fort. Na, wieder ein hübscher Eintrag geworden. Wir sehen: was so ein kleines Händchen für Blockaden löst.
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