„Wie beginnst du ein neues Buch? Liegt meist schon ein Thema vor? Oder lässt du der Intuitionen freien lauf? Oder aber, du beginnst ein Buch auf Anfrage?“, möchte Alexandra Künzler für ihren Zürcher Literaturblog Bücherwahnsinn von mir und zwei weiteren Autoren (Lea Korte und Martin A. Walser) wissen.
UPDATE: hier der Beitrag in seiner ganzen Länge:
http://der-buecherwahnsinn.blogspot.com/2010/05/heute-frag-ich-lea-korte-richard-breuer.html
Bei der Fülle an Geschreibsel, die ich in den letzten Jahren zu Papier brachte, ist die Antwort auf die Fragen gar nicht einfach. Deshalb ein pragmatischer, kein intuitiver Ansatz: ich gehe einfach chronologisch vor.
Begonnen hat de facto die Schriftstellerei und spätere Verlegerei mit einer Inspiration. Mehr als zwanzig Jahre musste ich auf diesen Musenkuss warten. Wen wundert es also, dass in der novellenartigen Geschichte gerade diese lebenswichtige Beziehung zwischen einem Schriftsteller und seiner Muse abgehandelt wird? Ohne dieser damaligen göttlichen Begegnung würde ich heute nicht diese Zeilen schreiben.
Dann die Beschäftigung mit den verschiedensten Ausprägungen der Sexualität und den Partnerbörsen im Web. Aus einem Projekt wurden zwei. Der Tagebuchroman war eine nüchtern notwendige Entscheidung, während mich die Science-Fiction-Komödie wie ein Blitz streifte. Es war nur ein witziges Bild, das mir in den Kopf kam. Mehr war nicht. Aber es reichte, um etwas zu entfachen.
Es folgte eine Auftragsarbeit zu einem Theaterstück. Innerhalb weniger Tage musste es geschrieben werden. Es gab vage Vorgaben. Nur dadurch war ein schnelles Schreiben möglich. Die Einfälle entstanden, wie so oft, während des Schreibprozesses.
Der erste Band meiner historischen Romanreihe wurde mir förmlich von einem mir sehr geschätzten, freilich schon längst verstorbenen Wiener Autor ans Herz gelegt, als ich seine Bücher zu dieser Epoche las. Ich konnte mich dagegen nicht wehren.
Wieder eine Auftragsarbeit für ein Drehbuch zu einer TV-Serie, ohne Vorgaben, aber mit vielen Gesprächen und in Anlehnung an eine köstliche US-TV-Serie. Aus der TV-Serie wurde ein Kinofilmtreatment. Zum ersten Mal ging ich konzeptionell vor, während ich sonst auf Teufel komm raus schreibe, schreibe, schreibe und schaue, wohin mich das geschriebene Konvolut bringt (in späterer Folge gilt es dann zu kürzen, kürzen, kürzen). Beim Drehbuch hingegen entwickelte ich die grobe Szenenfolge, stimmte diese immer wieder ab, änderte, feilte und näherte mich so der endgültigen Szenenfolge an. So bald diese fertig war, ging ich daran, die Szenen mit Leben und Dialogen zu füllen. In kurzer Zeit entstand auf diese Weise ein lesenswertes Ergebnis.
Anders die Folgebände zur historischen Romanreihe, denen ich mich intuitiv näherte. Mit einer dumpfen Idee im Hinterkopf begann ich im Sommer zu schreiben. Der große Nachteil dieser für den Autor natürlich sehr spannenden Herangehensweise (wohin führen einen Charaktere, wie endet die Geschichte?) ist jene, dass die Story im schlimmsten Falle nie funktioniert oder man den roten Faden und schlussendlich die Lust verliert. Was auch geschah. Erst im Herbst, mit einer neuen Idee, zündete der Funke. Ohne es beabsichtigt zu haben, erschrieb ich mir in kurzer Zeit die grobe Skizze zu drei Folgebänden (obwohl nur einer geplant war). Die Buchstabenmenge, die in den drei Monaten pausenlosen Schreibens angehäuft wurde, war schier erschlagend. Die Überarbeitungsphase zwang mich, die Geschichte des zweiten Bandes neu zu gestalten, neu aufzurollen, mit anderen Worten: Manuskript zerreißen und von vorne beginnen.
Nach dem ich also sowohl das intuitive als auch das konzeptionelle Erschreiben einer Geschichte kennengelernt habe, kann ich gar nicht sagen, welche Variante ich bevorzuge. Die konzeptionelle Herangehensweise hat Ähnlichkeiten mit einer gewöhnlichen Beziehung zu einem Menschen. Man lernt sich kennen, man lernt sich schätzen, man weiß, was man am anderen hat und mit der Zeit entwickelt sich eine freundschaftliche Beziehung, die einen durch dick und dünn begleitet. Das intuitive Herangehen hat wiederum Ähnlichkeiten mit einem blind date. Wenn man sich darauf einlässt, wird man immer wieder aufs Neue überrascht.

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